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Deutschland & Welt

Weltklimarat von Wucht überrascht

Überschwemmungen, Hitze und Waldbrände: Wissenschaftler warnen seit Jahren vor den Folgen des Klimawandels. Manches ist schlimmer als befürchtet.

Die Waldbrände in den USA nehmen zu, auch wegen der großen Hitzewellen die die Westküste Nordamerikas in diesem Jahr mehrfach heimsuchten.
Die Waldbrände in den USA nehmen zu, auch wegen der großen Hitzewellen die die Westküste Nordamerikas in diesem Jahr mehrfach heimsuchten. © AP

Genf. Die jüngsten Wetterextreme erschüttern die Menschen: jüngst die beispiellose Hitzewelle in Kanada, dann die Flutwellen der Zerstörung im Westen Deutschlands, jetzt die Hitze und die Flächenbrände in Griechenland und der Türkei. Klimawandel verbanden die meisten Leute bislang mit einer allgemeinen Erwärmung. Aber solche furchterregenden Extremwetter, in unseren Breitengraden?

Ja, es sind typische Folgen des Klimawandels, vor denen die Wissenschaft schon länger warnt. Die Wucht überrascht aber auch sie teilweise. "Für mich als Vater von drei Kindern ist die große Sorge: Waren unsere bisherigen Befürchtungen noch zu optimistisch, ist es noch schlimmer als befürchtet?", sagt der Meteorologe Peter Knippertz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) der Deutschen Presse-Agentur.

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Der Weltklimarat (IPCC) legt nach rund sieben Jahren wieder einen Sachstandsbericht vor. Am Montag (9.8.) erscheint der erste Teil über den neuesten Stand der wissenschaftlichen Grundlagen zum Klimawandel. "Kapitel 11 geht in einen bahnbrechenden Bereich der Wissenschaft", kündigt IPCC-Sprecher Jonathan Lynn an. "Wir können besser darlegen, in welchem Ausmaß der Klimawandel für Extremwetterereignisse, Desaster und ähnliches in der Welt verantwortlich ist."

In Deutschland 1,6 Grad wärmer

Dass die Menschen mit ihrer Energiegewinnung, Intensivlandwirtschaft, Abholzung, Tierhaltung und Umweltverschmutzung maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, ist unter den Wissenschaftlern unbestritten. Wie groß dieser Einfluss ist, will der Weltklimarat in dem Bericht noch einmal vor Augen führen: «Es wird mehr über die Folgen der menschlichen Aktivitäten auf den Klimawandel geben», sagte Lynn.

Der letzte Sachstandsbericht stammt von 2013/14. Seitdem hat es die sechs wärmsten Jahre seit Messbeginn gegeben. 2016, 2019 und 2020 waren mit minimalen Unterschieden die drei heißesten Jahre. Global liegt die Mitteltemperatur etwa 1,2 Grad über vorindustriellem Niveau (1850-1900). In Deutschland ist sie bereits 1,6 Grad höher, wie Astrid Kiendler-Scharr sagt, Direktorin des Instituts für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich. Sie ist Mitautorin des neuen Berichts. Im Pariser Klimaabkommen setzten sich Staaten 2015 das Ziel, möglichst unter 1,5 Grad Erwärmung zu bleiben.

Auswirkungen noch nicht völlig bekannt

Sowohl Hochwasser als auch Hitze gehen darauf zurück, dass Wetterlagen ungewöhnlich lange nicht vom Fleck kommen. In Deutschland hat sich jüngst Tief Bernd mit den verheerenden Regenfällen tagelang kaum bewegt. Im östlichen Mittelmeer ist es eine festsitzende Hitzeglocke. Das hat auch mit dem Jetstream zu tun - den Winden, die in rund zehn Kilometern Höhe um den Erdball ziehen -, und dieser Jetstream wird durch den Klimawandel verändert.

"Er entsteht durch den Druckunterschied zwischen kalter Luft aus der Polarregion und warmer Luft aus den Subtropen", sagt Knippertz. Je stärker der Temperaturunterschied in den Regionen, desto stärker sei der Jetstream. "Weil die Temperatur in der Arktis deutlich schneller gestiegen ist als in den Subtropen, ist der Temperaturunterschied kleiner geworden und der Jetstream im Mittel langsamer." Das wiederum habe Auswirkungen auf die Wellenbildung des Jetstreams. "Wenn sich die Wellen besonders weit in Nord-Süd-Richtung ausdehnen und sich langsam bewegen, sind das die Zutaten für Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hitze, Dürre und Waldbrände."

"Der Mensch greift mit seinem Tun in Strukturen ein, die über Jahrtausende stabil waren: Polargebiete, Gletscher, Pflanzen, Tiere, Ozeane", sagt Knippertz. "Die Auswirkungen sind gar nicht völlig bekannt - so ist etwa in den tiefen Ozeanschichten womöglich noch gar nicht angekommen, was wir hier für Schindluder betreiben."

"Man könnte glücklicher werden"

Das Leben für den Klimaschutz verändern bedeute ja gar nicht automatisch einen Verlust an Lebensqualität, sagt Knippertz. In autofreien Städten sei mehr Platz für Kinder und Begegnungen, das Leben sei entspannter, mit weniger Stress und Bluthochdruck, und - wenn mehr Leute mehr Fahrrad fahren - weniger Übergewicht.

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