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Kliniken wollen kein Buhmann sein

© dpa/Warmuth

Zu wenig Anerkennung, zu wenig Geld: Beim Sächsischen Krankenhaustag muss die Politik viel Kritik einstecken.

Von Steffen Klameth

Der Schirmherr hält eine freundliche Rede, der Gastgeber antwortet mit einem freundlichen Dank – so ist die übliche Dramaturgie auf wichtigen Tagungen. Beim Sächsischen Krankenhaustag können die Dinge auch mal anders laufen. „Was soll dieses ständige KrankenhausBashing?“, fragte Hubertus Jaeger, Präsident der Krankenhausgesellschaft Sachsen, am Donnerstag in den Saal des Dresdner Congress Centers. Viele der knapp 300 Anwesenden nickten zustimmend. Niemand lässt sich gern beleidigen. Schon gar nicht, wenn es ungerechtfertigt erscheint.

78 Krankenhäuser mit mehr als 50 000 Beschäftigten gibt es in Sachsen. Unter ihnen hat sich viel Frust angestaut: mangelnde Wertschätzung, überbordende Bürokratie, Misstrauen bei den Abrechnungen. Und dann immer neue Gesetze wie das zum Pflegepersonal. „Da fühlen wir uns ein Stück weit veralbert“, sagte Jaeger. Dem Bund warf er eine „zentralistische Regulierungsfülle“ vor. Auch das böse Wort von der sozialistischen Planwirtschaft fällt.

„Sächsische Krankenhäuser in komplexer Versorgungsverantwortung“ – so lautete das etwas sperrige Motto der Veranstaltung. Eine Million Patienten werden im Freistaat jährlich stationär behandelt. Doch das ist längst nicht alles. Zunehmend übernehmen die Kliniken auch ambulante Fälle, etwa in den MVZ oder in Form von ambulanten OPs. Auch der Notfalldienst würde ohne Krankenhäuser nicht funktionieren. Doch aus Sicht der Betroffenen läuft das alles ziemlich ungeordnet ab. Jaeger: „Wir brauchen eine Vorstellung von der Krankenhausversorgung bis 2030.“

Die Forderung ging in Richtung Staatsregierung. Die hat gerade erst den Krankenhausplan für Sachsen überarbeitet und beschlossen. Darin geht es unter anderem um die Ausweisung von 23 spezialisierten Zentren und Netzwerken, um die Errichtung von zwei Pflegefachschulen und die Stärkung der Altersmedizin. Auch die Aufstockung der Bettenzahl ist festgeschrieben – was angesichts eines sinkenden Bedarfs bei einigen Krankenkassen auf Unverständnis stieß.

Die vielleicht wichtigste Frage beantwortet der Krankenhausplan allerdings nicht: Welche Aufgaben werden die Krankenhäuser in Zukunft erfüllen – und wie müssen sie dafür ausgestattet sein? Das Manko ist offenbar auch der Staatsregierung bewusst. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) räumte indirekt ein, dass die Fortschreibung des Krankenhausplans eine Notlösung war. Der neue Plan solle eine Basis für die nächsten zehn Jahre schaffen. Deshalb habe man sich für eine Verschiebung entschieden. „Es geht nicht mehr ohne sektorübergreifende Versorgung“, betonte er. Außerdem müsse man auf aktuelle Entwicklungen reagieren.

Wie schwierig das ist, erklärte später Professor Volker Penter von der Beratungsgesellschaft KPMG: „Innovationen sind schneller als Planungsprozesse.“ KPMG hatte im Auftrag des Sozialministeriums Vorschläge für den Krankenhausplan erarbeitet, die allerdings nie veröffentlicht wurden.

Und dann ist da noch das Geld. 125 Millionen Euro will der Freistaat den Krankenhäusern künftig pro Jahr für dringend nötige Investitionen zur Verfügung stellen – so sieht es zumindest der Entwurf des neuen Haushalts vor. Die Krankenhausgesellschaft meldet einen Bedarf in doppelter Höhe an, wobei die Fördermittel aus dem Strukturfonds und für das schnelle Internet noch gar nicht eingerechnet sind. Weiterer Streit ist also programmiert.