Merken

Klinikum übernimmt Frauenarztpraxis

Der Zittauer Frauenarzt Dr. Peschel geht in Ruhestand – und hat einen Nachfolger gefunden.

Teilen
Folgen
© Matthias Weber

Von Elke Schmidt

Zittau. Die Räume der Frauenarztpraxis auf der Rathenaustraße sind seit Anfang Mai leer und verwaist. Der seit 1994 dort praktizierende Dr. Bernd Peschel geht in den Ruhestand. Der Abschied falle ihm nach den 30 Jahren, in denen er mit seinen Patientinnen durch dick und dünn gegangen ist, ziemlich schwer, sagt er zum Abschied.

Für seine Patientinnen aber geht es weiter. Er sei sehr froh, dass für die Praxis ein Nachfolger gefunden wurde. Der übernimmt seine Geräte, Mobiliar und die Arzthelferinnen, wechselt aber den Standort und praktiziert auf dem Gelände des Zittauer Klinikums. Ivo Petr ist MUDr. – „medicinae universae doctor“, wie die lateinische Bezeichnung für den akademischen Grad eines Doktors der Medizin in Tschechien und der Slowakei heißt. Er stammt aus Jablonec nad Nisou und wohnt mit seiner Familie auch dort.

Er arbeitet seit fast 14 Jahren als Frauenarzt, hatte sich in der Vergangenheit jedoch auf künstliche Befruchtung spezialisiert und will nun wieder die ganze Bandbreite seines Berufs ausüben, sagt er. Besonders gefalle ihm an seiner neuen Arbeit, dass er die Frauen nun über längere Zeit begleiten kann und nicht nur für den kurzen Zeitabschnitt, in dem sie sich Kinder wünschen.

Diese langfristige Begleitung hat ihn bei seinen Visiten bei Dr. Peschel besonders beeindruckt. Der kenne manche seiner Patientinnen schon ewig und hat manchmal sogar ganze Familien behandelt, also Oma, Mutter und Töchter. „Ja, wir sind zusammen alt geworden“, kommentiert Bernd Peschel. Alles in allem war er 38 Jahre lang Arzt. Der Zittauer wollte schon immer Medizin studieren, weil er mit Menschen zu tun haben wollte. Das hat ihn gereizt.

Dennoch lernte er zunächst Elektromonteur bei Robur und begann erst im Jahr 1968 als pflegerische Hilfskraft im Zittauer Krankenhaus. Gleichzeitig holte er im Abendstudium das Abi nach. Nach dem Studium, seiner Promotion und einem kurzen Zwischenstopp in Löbau wurde er Leiter der gynäkologischen Abteilung der ehemaligen Betriebsambulanz bei Lautex, wo von 12000 Beschäftigten ungefähr 10000 Frauen waren. Er hatte also viel zu tun, erinnert sich aber dennoch gern an diese Zeit. Zwar gab es wie beinah überall in der DDR einigen Mangel, aber als Betriebsarzt war man vergleichsweise gut dran, sagt Peschel. Das Betriebsgesundheitswesen wurde staatlicherseits durchaus gefördert, denn die Arbeiter sollten damals so gut wie möglich versorgt werden. Daher hatte er als Betriebsarzt teilweise eine bessere Ausrüstung als die Ärzte in Krankenhäusern zur Verfügung. Nach der Wende blieb er in der Ambulanz, nun jedoch als niedergelassener Arzt und mietete die Räume.

Das lief bis 1993 sehr gut. Da kam er aus einem Urlaub zurück und stellte am ersten Arbeitstag fest, dass das nebenstehende Verwaltungsgebäude bereits abgerissen wurde. Auch die Ambulanz sollte bald folgen, erfuhr er an diesem Tag – ohne dass ihn vorher jemand darüber informiert hätte. Er brauchte also in kürzester Zeit neue Räume und sah sich schon auf der Straße arbeiten. Da kam ihm der Zufall zu Hilfe. Eine seiner Patientinnen besaß ein Haus in der Rathenaustraße und wollte es gerade zu diesem Zeitpunkt verkaufen. Dass darin früher eine Bäckerei war, machte es geradezu ideal für eine Praxis. Bernd Peschel kaufte das Haus also, zog ein Jahr später ein und arbeitete dort bis zu seinem Ruhestand. Sein Nachfolger dagegen praktiziert jetzt im Medizinischen Versorgungszentrum des Klinikums an der Görlitzer Straße. Kennengelernt habe er das Klinikum durch seine Ausbildung in Ebersbach, sagt Ivo Petr. Daran erinnert er sich sehr gern und ist dankbar dafür. Das sei für ihn die beste Zeit gewesen, sowohl von fachlicher Seite als auch menschlich. Besonders die Schwestern hätten ihn damals sehr unterstützt. So habe er schließlich seine Facharztprüfung auf Deutsch in Dresden ablegen können.

Dann ging er allerdings wieder nach Tschechien in eine Kinderwunschklinik und kann daher auf sieben Jahre Erfahrung mit künstlicher Befruchtung verweisen. Danach arbeitete er für einige Zeit in Prag. Das war für ihn aber zu weit weg von seiner Frau und den beiden Kindern. Deshalb war er sehr froh, in Zittau eine Arbeit zu finden, denn so kann er Familie und Arbeit gut verbinden.

Seine Patientinnen möchte er neben der umfassenden Grundvorsorge auch bei unerfüllten Kinderwünschen beraten. Er kann Tipps geben, an wen man sich dabei wenden kann, wie viel Zeit die Frauen dafür haben, kann die verschiedenen Methoden für die künstliche Befruchtung erklären und für die notwendigen Grunduntersuchungen im Voraus einen Plan aufstellen. Vor allem aber will er die Arbeit von Dr. Peschel weiterführen und sieht seine Aufgabe darin, die Frauen mit seiner Arbeit zufriedenzustellen. Bernd Peschel wiederum wünscht sich, dass seine Patientinnen das jahrelang in ihn gesetzte Vertrauen auf seinen Nachfolger übertragen und bedankt sich bei ihnen.