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Klippenstein demnächst mit Bierkeller

Radeberg bekommt im Schloss endlich eine Industrie-Ausstellung. SZ blickte schon mal hinter die Kulissen.

© Uwe Soeder

Von Jens Fritzsche

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Wochenenden gibt’s derzeit für Katja Altmann nicht. Die Chefin des städtischen Museums auf Schloss Klippenstein in Radeberg sitzt auch sonnabends und sonntags an ihrem Laptop und tippt Texte. Texte für die neue Dauerausstellung zur Industriegeschichte der Stadt Radeberg. „Die Werbegrafikerin braucht die Texte dringend zur Gestaltung der Erklärtafeln zu den Ausstellungsstücken“, sagt die Schlosschefin. Mitte März soll die lange herbei gesehnte und nun endlich möglich gewordene Industrieausstellung eröffnet werden, und ausgerechnet jetzt ist eine wichtige Mitarbeiterin krankheitsbedingt ausgefallen. Also müssen die anderen die Arbeit mit übernehmen. Und deshalb wird’s wohl auch in den kommenden Wochen eng mit mal freien Wochenenden für Radebergs Museumschefin.

Fertig ist natürlich längst das Ausstellungskonzept, auch die Vitrinen sind schon da. „Wir haben die Exponate auch schon mal zur Probe eingeräumt“, verrät Katja Altmann. Und schiebt begeistert nach: „Das wird richtig klasse!“ Diese Begeisterung teilen dabei alle im Schloss, „wir haben ein richtig tolles Team zusammen, ohne diesen Zusammenhalt wäre der Termin Mitte März in keinem Fall zu halten“, ist die Museumschefin überzeugt.

Vieles muss im Depot bleiben

Überzeugt ist sie dabei auch vom Konzept der neuen Schau. Ein Konzept, das auf insgesamt 15 Firmen setzt, die exemplarisch für die unglaublich reiche Industriehistorie Radebergs stehen. „Wir mussten einfach auswählen – vieles muss leider im Depot bleiben“, räumt Katja Altmann ein, dass dieser neue Teil der Dauerausstellung einfach keinen Anspruch auf Vollständigkeit einfordern konnte. Ausgewählt wurde dabei nach Größe der Betriebe, „und wir haben auch ungewöhnliche und fast vergessene Unternehmen in der Ausstellung“, freut sich Katja Altmann. Wer weiß heute beispielsweise noch, dass es dereinst mal eine Flitter-Fabrik in Radeberg gab? Hier wurden unter anderem glitzernde Pailletten für Ballkleider hergestellt. Natürlich werden aber auch die künstlichen Zähne der Firma Keradenta eine Rolle spielen, auch die Glasindustrie – deren Wiege ja in Radeberg stand. Und ohne die Radeberger Brauerei geht eine solche Industrieschau natürlich auch nicht. „Es wird einen Bierkeller geben“, gewährt Katja Altmann schon mal einen kleinen Einblick. Und fügt schmunzelnd an: „Aber ohne Zapfhahn!“

Auch dieser neue Bereich der Dauerausstellung wird sich dabei ins moderne Museumskonzept von Schloss Klippenstein einfügen. Auch hier geht es multimedial zu. Hörstationen, Multimedia-Terminals mit Fotos, Ton- und Filmsequenzen lassen für die Besucher eine hochspannende Zeitreise zu. Eine, die natürlich auch den Blick fürs Heute nicht verliert. Denn auch heute ist Radeberg bekanntlich einer der pulsierendsten und modernsten Industriestandorte der Region Dresden. Nicht ohne Grund hat Radeberg eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten im gesamten Osten der Republik. Das Fundament dafür wurde vor weit über Hundert Jahren gelegt. Auch deshalb hatte Schlosschefin Katja Altmann seit Langem diese Vision einer Industrieausstellung. Als nun der Freistaat im vergangenen Jahr kurz vor der Landtagswahl 160 000 Euro Fördermittel in Aussicht stellte, nutzte Radeberg die Chance, legte auch selbst noch einmal 200 000 Euro drauf und ging das Projekt an. Ein Projekt, von dem Katja Altmann überzeugt ist – und auch deshalb ihre Wochenenden opfert. Aber nach der Eröffnung, sagt sie schmunzelnd, „werde ich richtig ausschlafen…“

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