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Klo-Kino steht unter Wasser

Die Stadt sucht nach den Ursachen. Vorerst ist der Einblick in die Kanalisation verwehrt.

© szo/aso

Eine eklige Brühe verhindert Besuchern derzeit den Blick in die Kanalisation. Das Kunstwerk mit dem offiziellen Namen Trichter, im Volksmund aber als Klo-Kino besser bekannt, ist mit einem rot-weißen Band abgesperrt. Im Eingang steht Wasser. „Es muss abgepumpt werden. Wir haben eine Firma beauftragt. Erst danach kann die Ursache für das Wasser festgestellt werden“, sagt Rathaussprecher Kai Schulz. Wann das Kunstwerk wieder zugänglich ist, konnte er gestern nicht sagen. Nach einer ersten Überprüfung der Stadtentwässerung Dresden handelt es sich um Regenwasser. „Das hat nichts mit der Kanalisation zu tun. Unser Job beginnt erst nach der Glasscheibe im hinteren Teil des Trichters“, sagt Torsten Fiedler von der Stadtentwässerung.

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Nach einer ersten Überprüfung der Stadtentwässerung Dresden handelt es sich um Regenwasser. © szo/aso
Wann das Kunstwerk wieder zugänglich ist, ist unklar. © szo/aso

Nach der Einweihung des Kunstwerks Ende 2011 hatte es immer wieder beschlagene Scheiben gegeben. Damit sahen die Besucher nichts. Das liege an dem Temperaturunterschied. Im Mischwasserkanal herrschen 12 bis 15 Grad, draußen ist es derzeit deutlich kälter, erklärt Frank Lieber von der Stadtentwässerung: „Aber seitdem die Scheibe beheizt wird, gibt es keine Probleme mehr.“ In jeder ersten Woche eines Monats werden Scheiben und Kanal gereinigt. Für den Unterhalt des Kunstwerks plant das Kulturamt 7 000 Euro im Jahr ein.

Der Trichter war von Anfang an umstritten. 2003 hatte die Stadt einen künstlerischen Wettbewerb für die Fläche an der Seestraße ausgelobt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gab es dort ein Stadttor. Über 500 Künstler hatten ihre Entwürfe eingereicht. Die Jury entschied sich für die Berliner Künstlerin Franka Hörnschemeyer und ihr „Tor zur Unterwelt“. Dresden hatte einst in Sachen Abwasserbeseitigung und Kanalisation europaweit Maßstäbe gesetzt.

Es dauerte noch Jahre, bis der Bau beginnen konnte. Immer wieder versuchten Stadträte, ihn zu verhindern. Während die einen den Trichter als geniales Kunstwerk betrachten, halten ihn andere nur für nutzlos und teuer. Im November 2011 wurde der Trichter übergeben. Im April des Folgejahres erhielt Franka Hörnschemeyer in Essen einen Preis für ihre Dresdner Arbeit. Die Dresdner nehmen kaum Notiz vom Kunstwerk, Touristen jedoch eher.

Heftig gestritten wurde auch über die Baukosten. Ursprünglich geplant waren 180 000 Euro. Die Schlussrechnung wies schließlich 369 000 Euro aus. (SZ/kle)

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