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Klosterhaus wird saniert

Das geschichtsträchtige Gebäude An der Petrikirche 4 in Bautzen stand fast 20 Jahre leer. Jetzt bekommt es eine neue Nutzung.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Bautzen. Das Klosterhaus ist die reinste Fundgrube. Hier finden sich Zeugnisse aus allen Epochen der Stadtgeschichte. Die ältesten wohl aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, die jüngsten aus dem Jahr 1998. Bei letzteren handelt es sich um Feuerlöscher, die in jenem Jahr letztmalig kontrolliert wurden, wie die Aufschrift beweist. „Wir gehen also davon aus, dass das Gebäude an der Petrikirche 4 mindestens seit 19 Jahren leer steht“, sagt Polier Peter Tunger von der Firma Hentschke-Bau.

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Vor zwei Monaten hat das Bautzener Bau-Unternehmen mit der Entkernung des Gebäudes begonnen. Vorausgegangen waren zunächst die Verkaufsverhandlungen mit einem Immobilienfonds, dessen Anteilseigner in Italien sitzen. Anfang 2016 ging das Barockhaus in den Besitz der Eigentümergemeinschaft Jörg Drews/Stefan Siebert über. Architekt Stefan Siebert projektierte das Bauvorhaben. „Nach einer Marktanalyse haben wir festgestellt, dass das Objekt von seiner Größe und Lage her für das Seniorenwohnen hervorragend geeignet ist“, sagt er.

Mit Bibliothek und Computerraum

Bereits im Frühjahr 2018 sollen hier die ersten Mieter einziehen können. „Nach seiner bauseitigen Fertigstellung übergeben wir das Objekt an einen Generalmieter, der sich dann um das Bewirtschaftungskonzept und die Vermietung kümmert“, sagt Stefan Siebert. Das Unternehmen, das bereits mehrere ähnlich geführte Einrichtungen betreibt, soll momentan noch nicht namentlich genannt werden. Auf alle Fälle werden altenbetreute Wohnungen sowie eine Tagespflege eingerichtet. Letztere findet ihren Platz im Erdgeschoss.

Dort werden auch Räumlichkeiten hergerichtet, die von allen Mietern gemeinschaftlich genutzt werden, so ein Kaminzimmer, eine Bibliothek, ein Computerraum sowie ein gemeinsam nutzbarer Koch- und Essbereich. Im zukünftigen Kaminzimmer befindet sich zurzeit noch der Heizungsraum mit einem Gasheizkessel. Doch die Erdgeschossräume sind wegen ihrer herrlichen Kreuzgewölbe für Technik-Bereiche viel zu schade. Diese werden deshalb in den Keller verlegt, wo Tonnengewölbe auf eine Bebauung hindeuten, die noch älter ist, als aus dem Barockzeitalter. In seiner jetzigen äußeren Gestalt stammt das Klosterhaus aus dem Jahr 1722. Es wurde durch das Kloster Panschwitz-Kuckau erbaut und ging später in den Besitz des Domstifts über. Von 1851 bis 1903 beherbergte es das katholische Lehrerseminar. Umbauten und Sanierungsmaßnahmen erfolgten 1864 bis 1891, 1984 sowie Anfang der 90er-Jahre.

Nicht immer gereichten diese Bauarbeiten dem Haus zum Vorteil. So wurden beispielsweise zu DDR-Zeiten im Dachbereich des von außen nicht sichtbaren Innenhofes schwere Betondachziegel verlegt. Auch das Treppenhaus wurde durch begradigte Granitstufen nicht denkmalgerecht „verschönert“. „Wir befinden uns in ständiger Abstimmung mit der Denkmalpflege, um möglichst die Sünden der Vergangenheit nicht zu wiederholen“, sagt Stefan Siebert.

Lichthof bekommt ein Dach

Geplant ist, 18 Wohnungen mit Grundflächen zwischen 40 und 60 Quadratmetern einzurichten. Damit diese barrierefrei zu erreichen sind, wird im Lichthof ein Fahrstuhlschacht eingebaut. Der jetzt noch offene Lichthof wird oben mit einem Glasdach geschlossen, was auch die Wärmebilanz des Gebäudes verbessert. Denn wegen des Denkmalschutzes darf das Haus nicht von außen gedämmt werden. Da das riesige Treppenhaus viel ungenutzten Raum bietet, werden Laubengänge eingerichtet, über die die Wohnungen dann zu erreichen sind.

Der gewonnene Platz wird dafür genutzt, den Wohnungen ihre Badezimmer und andere Nebenräume zuzuordnen. „Die Herausforderung besteht ja darin, dass das Gebäude über viele Jahrzehnte nicht zu Wohnzwecken, sondern für Büroräume genutzt wurde“, sagt Stefan Siebert. Vor dem Haus und auf dem Flachdach über dem Lichthof werden Terrassen eingerichtet. Oben haben die Bewohner dann eine herrliche Fernsicht bis ins Oberland.