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Zittau

Schillers "Räuber" durchstreifen Klosterhof

Der Klassiker feiert am Sonnabend in Zittau seine Open-Air-Premiere. Einiges ist diesmal anders als bei vorherigen Inszenierungen. Und es gibt wieder Karten für die erste Aufführung.

Florian Graf und Maria Weber spielen in "Die Räuber" auch mit.
Florian Graf und Maria Weber spielen in "Die Räuber" auch mit. © Pawel Sosnowski

Dieses Jahr müssen die Zuschauer im Zittauer Klosterhof etwas Sitzfleisch mitbringen. Denn die Inszenierung von Schillers "Die Räuber" ist mit Pause etwa 140 Minuten lang. "So lang ist noch kein Stück im Klosterhof gewesen", sagt Dramaturgin Patricia Hachtel. "Wir haben dennoch gekürzt wie die Irren", fügt sie hinzu. Verändert wurde Schillers Drama deshalb aber nicht. "Wenn er so einen schaurigen Plot schreibt, dann muss man ihn auch so aufführen", findet Regisseurin Olga Wildgruber, die nach dem Stück "Tango" im Jahr 2002 das zweite Mal am Gerhart-Hauptmann-Theater inszeniert. 

Auch die komödiantischen Elemente in Schillers Werk haben die Zittauer Theaterleute dankbar belassen. Zu einer Komödie sollte das Stück deshalb aber nicht werden. "Da haben wir zu viel Respekt vor Schiller", sagt die Regisseurin. Das Theater bricht damit mit einer ungeschriebenen Tradition: In den vergangenen Jahren sind durchweg nur komödiantische Stoffe auf die Bühne gebracht worden. Diesmal soll es ein Klassiker sein. Auch nicht schlecht, meint man. Denn immer wieder ist vonseiten des Publikums zu hören, dass mehr Klassiker aufgeführt werden sollten. "Das Stück ist trotzdem unterhaltsam und leidenschaftlich", beruhigt Olga Wildgruber die komödienverwöhnten Theaterbesucher des Klosterhofes.

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"Die Räuber" unterscheidet sich auch in anderer Hinsicht von früheren Klosterhof-Inszenierungen. Die Bühne ist flächenmäßig so groß wie keine ihrer Vorgänger. "Wir gehen aber nach hinten, so dass keine Sitzplätze wegfallen", weist Patricia Hachtel hin. Stattdessen sind es sogar mehr geworden wie ursprünglich geplant. Üblich sind um die 120 Plätze. Wie die Dramaturgin auf SZ-Nachfrage bestätigt, ist die Kapazität jetzt auf 160 Plätze erhöht worden. Deshalb gibt es nun auch wieder Karten für die Premiere am Sonnabend, die eigentlich schon seit Monaten ausverkauft war. Darüber hinaus wird Schillers Drama bis zum 8. August 13 weitere Male aufgeführt.

Die Zuschauer können insgesamt acht Schauspieler im Klosterhof erleben. So groß war hier das Darstellerensemble schon lange nicht mehr. Zum Vergleich: Im Vorjahr standen bei "Venedig im Schnee" vier Schauspieler auf der Bühne. Dabei sind diesmal auch zwei Gäste: Philipp A. Reinheimer, der bisher unter anderem an den Theatern in Würzburg, Gera und Heidelberg spielte, übernimmt die Rolle des edelmütigen Karl. Den alten Grafen Maximilian Moor spielt Michael Hase, der zuvor zum Beispiel in Cottbus, Bozen und Berlin auf der Bühne stand. Bis auf den Karl-Darsteller übernehmen alle Schauspieler zwei Rollen - eine aus der bürgerlichen Welt und eine aus der Räuberwelt. "Karl ist die einzige Figur, die in beiden Welten spielt", erklärt die Dramaturgin.

Das "Kulturgut" Klosterhof mit seinen Grüften oder der riesigen Weide wird in das Spiel mit eingebunden. Die Kulisse sei für den Stoff auf jeden Fall perfekt, meint die Regisseurin. Nicht ganz so meisterhaft fand wohl Schiller selbst sein allererstes veröffentlichtes Drama. Zumindest gibt es mehrere Fassungen, die sich schon voneinander unterscheiden. Die erste Version von 1781 war besonders lang und ist heute in den kleinen Reclam-Heftchen abgedruckt. Als das Stück für theatertauglich empfunden wurde, wurde das Stück auf Wunsch des damaligen Mannheimer Intendanten noch mal überarbeitet. Schiller war daran maßgeblich beteiligt, hat Figuren zum Teil stark verändert. Nach der Uraufführung 1782 bearbeitete der Dichter sein Werk ein weiteres Mal, veränderte beispielsweise Todesarten oder ließ einzelne Figuren gar nicht mehr sterben. "Wir haben die letzte Fassung verwendet, weil sie die aus unserer Sicht reifste war", erklärt Olga Wildgruber.

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