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Klotzsche hat die Bibliothek des Jahres

Das Haus auf der Boltenhagener Straße wurde ausgezeichnet. In der Innenstadt macht Pegida zu schaffen.

© Symboolfoto: dpa

Von Sarah Grundmann

Rappelvoll war es diesen Freitag in der Bibliothek Klotzsche auf der Boltenhagener Straße. Politiker, die Direktoren der Städtischen Bibliotheken und andere Gäste waren gekommen. Sie alle wollten gratulieren. Denn die Klotzscher Bibliothek wurde als beste in Dresden im Jahr 2015 ausgezeichnet.

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„Jetzt bekommen wir eine Urkunde“, sagt Leiterin Katja Kühnel freudig. „Die hängen wir natürlich für unsere Kunden gut sichtbar auf.“ Das haben Kühnel und ihr Team sich aber auch verdient. Das fand zumindest die Jury, die den Titel bereits zum 17. Mal vergibt. Ausschlaggebend sind für sie unter anderem Zahlen von Neuanmeldungen, Besuchern, Ausleihen und Veranstaltungen. In allen Bereichen war die Klotzscher Bibliothek in den vergangenen fünf Jahren immer unter den besten drei. Für den Titel hat es bislang aber trotzdem nicht gereicht.

„Normalerweise ziehen wir immer nur einen Vergleich zum Vorjahr – also in dem Fall zu 2014“, sagt Roman Rabe. Er ist bibliothekarischer Fachdirektor der Städtischen Bibliotheken. „Hätten wir es wieder so gemacht, hätte Klotzsche es auch diesmal nicht geschafft“, räumt er ein. „Wir wollten aber die stetige Leistung würdigen, und haben uns deshalb die vergangenen fünf Jahre angeschaut.“ Und da hat die kleine Zweigstelle in der Boltenhagener Straße ganz klar das Rennen gemacht.

Leiterin Kühnel kann sich auch erklären, woran das liegt. „Seit dem Umzug vor viereinhalb Jahren kommen deutlich mehr Besucher zu uns“, sagt sie. „Vorher waren wir ein bisschen versteckt.“ Mittlerweile liegt die Bibliothek zentral und ist umgeben von etlichen Geschäften. Vorher war sie auf dem Göhrener Weg angesiedelt.

„Trotzdem war es ein gutes Stück Arbeit“, sagt Rabe. Denn auch die neuen Räume sind nicht ganz optimal gelegen. So gibt es keinen Anschluss an die Straßenbahn. Außerdem befinden sich die Bücher nicht – wie üblich – im Erdgeschoss. Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen können aber per Aufzug in die Bibliothek gelangen. „Hinzu kommt noch die schwierige Personalsituation“, sagt Rabe. Denn noch vor eineinhalb Jahren stand die Einrichtung in Klotzsche kurz vor der Schließung. Damals wollte die Stadt Personal sparen. Dank des Engagements der Mitarbeiter und des Klotzscher Ortsamtsleiters Christian Wintrich konnte das Aus aber doch noch abgewendet werden. „Dass jetzt trotzdem so eine Leistung erbracht wird, ist spitze“, sagt Rabe.

Spitze ist auch die Bilanz der anderen Bibliotheken. Rund 5,5 Millionen Ausleihen gab es 2015 in Dresden. Besonders im elektronischen Bereich wurde ordentlich zugelegt, dort stiegen die Ausleihen um 20 Prozent. Auch bei den Neuanmeldungen haben sich die Dresdner Bibliotheken in diesem Jahr wieder gesteigert. Das liegt unter anderem auch an einer Vielzahl an Asylbewerbern, die nun die Stellen nutzen. Ein Sorgenkind gibt es für Arend Flemming, Direktor der Bibliotheken, trotzdem. Denn die Besucherzahlen sind zurückgegangen. „Das liegt zum einen an der Umstellung auf Selbstverbuchung“, sagt Flemming. „Denn in dieser Zeit mussten wir mehrere Tage schließen.“ Aber auch Pegida trägt daran einen Anteil. Bislang war der Montagabend in den Bibliotheken im Zentrum die besucherstärkste Zeit, nun ist es die schwächste.