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Knapp 2 000 unbesetzte Ausbildungsstellen in Sachsen

In Sachsen sind derzeit knapp 2 000 Ausbildungsplätze unbesetzt - so viele wie nie zuvor im Herbst.

Dresden. In Sachsen sind derzeit knapp 2000 Ausbildungsplätze unbesetzt - so viele wie nie zuvor im Herbst. Industrie, Handwerk und die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA) wollen deswegen in den nächsten Wochen verstärkt auf Messen, Börsen und an Schulen für eine duale Ausbildung werben. „Kein Jugendlicher darf verloren gehen. Jeder hat ein Talent und mehrere Chancen verdient“, sagte Agenturchef Klaus-Peter Hansen am Freitag in Dresden.

Er appellierte an Unternehmen, auch Mädchen und Jungen mit schlechten Noten oder Drogenproblemen eine Chance zu geben. Hansen verwies zugleich auf die Möglichkeit, ein „0. Ausbildungsjahr“ zu absolvieren. Jugendliche schnuppern ein Jahr in einen Betrieb - und können sich so an eine Ausbildung herantasten.

Von Oktober 2017 bis September 2018 gab es in Sachsen rund 22 300 Bewerber für 21 600 gemeldete Stellen. Dennoch sind knapp 2000 Plätze frei geblieben, 800 Jugendliche aktuell noch auf der Suche - obwohl es rechnerisch zweieinhalb freie Stellen für jeden Bewerber gibt. „Wunsch und Wirklichkeit passen nicht immer zusammen“, betonte Hansen. Manchmal passten Berufswunsch, Region oder Vorstellungen der Bewerber und Firmen nicht zum Angebot.

Der Präsident der IHK Dresden, Andreas Sperl, verwies auf die guten Jobaussichten nach einer Ausbildung. „Was nutzt ein Studium, wenn die Chancen danach nicht so gut stehen.“ Handwerk und Industrie bemühen sich daher verstärkt um Gymnasiasten oder Studienabbrecher. Mit Erfolg: Nach einem Knick in den vergangenen Jahren steigen die Zahlen wieder. Die drei sächsischen Industrie- und Handelskammern in Chemnitz, Dresden und Leipzig verbuchten im Ausbildungsjahr 2017/18 insgesamt 11 729 neue Ausbildungsverträge - ein Plus von 4,5 Prozent.

Gefragt sind vor allem Metallberufe sowie eine Ausbildung im Groß- und Einzelhandel. Es zieht aber auch wieder mehr Jugendliche in Hotel und Gastronomie. So liegt der Koch auf Platz vier der beliebtesten Einzelberufe. „Es freut mich, das die Zahlen nach einer Durststrecke wieder steigen“, sagte Sperl.

Auch immer mehr junge Flüchtlinge entscheiden sich für eine Ausbildung. Waren es 2016 noch rund 50, sind es aktuell mehr als 500. Die meisten von ihnen kommen aus Afghanistan und Syrien. Angesichts des Fachkräftemangels in vielen Betrieben eine erfreuliche Entwicklung, so Sperl.

Im Handwerk wurden bis September diesen Jahres 5337 neue Lehrverträge für das neue Ausbildungsjahr abgeschlossen - ein Minus von 1,1 Prozent. „Wir müssen die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter steigern“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Jörg Dittrich und forderte die schnelle Einführung des Azubi-Tickets. Damit können Lehrlinge preiswert den öffentlichen Nahverkehr nutzen.

Das Handwerk wirbt nicht nur an Gymnasien und Unis um Nachwuchs, sondern auch im Internet: Derzeit arbeitet die Handwerkskammer Dresden mit einem jungen Influencer zusammen, der auch kleine Videos über die Handwerksberufe ins Netz stellt. Mehr als eine halbe Million Menschen folgen „echtso“ auf YouTube, der sich etwa von einer Friseurin umstylen ließ oder sich beim Backen ausprobiert. „Damit erreichen wir die jungen Leute“, so Dittrich. (dpa)