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Knappe Sätze zur Tragödie von 1968

Tschechien. Russlands Präsident Putin hat sich zur Verantwortung für den Einmarsch bekannt.

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Prag. So positive Schlagzeilen hat Russlands Präsident Wladimir Putin in letzter Zeit selten gehabt. „Putin in Prag: Das Jahr 68 war eine Tragödie“ titelte die „Mlada fronta dnes“. „Putin erkannte die moralische Verantwortung für den August 68 an“, hieß es in „Pravo“. Das alles für zwei knappe Sätze, die der russische Gast bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Gastgeber Vaclav Klaus auch eher beiläufig gesagt hatte: Er stehe zur Verurteilung des Einmarschs vom August 1968, wie sie vor 13 Jahren Boris Jelzin vorgenommen habe. Über eine rechtliche Verantwortung könne man nicht reden, eine moralische Verantwortung gebe es aber zweifellos.

Dass dies von den tschechischen Zeitungen so massiv ausgeschlachtet wurde, zeigt jedoch, wie sehr das gewaltsame Ende des Prager Frühlings bis heute die Tschechen bewegt. Im Kern verlief der Besuch aber nach dem Motto: „Die Vergangenheit darf Gegenwart und Zukunft nicht belasten.“ Die gegenseitigen Gesten und der sehr freundliche Empfang für Putin bezweckten vor allem, Normalität in die Beziehungen zwischen Prag und Moskau zu bringen und Wirtschaftsleuten bei der Anbahnung von Geschäften zu helfen. In Putins Delegation befanden sich immerhin rund 500 Unternehmer. (SZ-Korr./hjs)