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Kneipenfest belebt Jacobis Färbe neu

Das geschlossene Lokal wird am Sonnabend gleich doppelt zur Bühne. Andere Görlitzer Gaststätten und Bands sind erstmals dabei.

© Archivfoto: Pawel Sosnowski

Von Ingo Kramer

Görlitz. Noch macht die Gaststätte Jacobis Färbe in der Neißstraße/Ecke Kränzelstraße einen traurigen Eindruck: Sie ist seit geraumer Zeit geschlossen: Von außen deutet nichts auf einen Neustart hin. „Der Pächter hat aus gesundheitlichen Gründen aufgehört“, sagt Hausbesitzer Jens Bliemel. An diesem Sonnabend zum Kneipenfest „Görlitz rockt“ ist das Lokal trotzdem dabei. Für Bliemel kein Problem: „Die gesamte Inneneinrichtung gehört mir, das ist alles noch da.“ So muss die Gaststätte nur grundgereinigt werden und schon kann es losgehen.

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Das Musikprogramm hat er der Incaming Media GmbH überlassen, die das von den beteiligten Gastronomen veranstaltete Fest koordiniert. „Wir machen Jacobi’s Färbe gleich doppelt zur Bühne“, sagt Bertram Oertel von Incaming Media. Im Lokal soll die Metal-, Gothic- und Rockband Crayfox auftreten, im Garten legt DJ Detroyt House und Electro auf. „Es gibt einen gemeinsamen Eingang für beide Bühnen, die Künstler spielen parallel“, sagt Oertel. Zeitlich soll es sich überlappen, akustisch aber nicht, dafür sorgen die dicken Wände.

Für Bliemel ist die Kneipennacht eine Chance, auf das leerstehende Lokal aufmerksam zu machen. „Ich hoffe, dass es im Juli oder August wieder eröffnet“, sagt er. Derzeit gebe es sehr ernsthafte Interessenten, darunter zwei Griechen. Ein anderer Bewerber liebäugle mit einem Café. Unterschrieben sei aber noch nichts. Auch für Oertel ist Jacobi’s Färbe eine Chance: „Es fallen jedes Jahr auch Lokale weg, deshalb sind wir bemüht, andere wieder zu aktivieren.“ Weggefallen ist dieses Jahr zum Beispiel das „Goldene Tor“ auf der Jakobstraße, das umgebaut werden soll. Doch auch Gaststätten wie der Nachtschmied oder Acanthus/Via Regia, die früher mitgemacht haben, können diesmal nicht teilnehmen. Oertel bedauert das sehr. Für einige Gastronomen sei „Görlitz rockt“ einfach nicht zu stemmen: „Sie bräuchten mehr Personal als an gewöhnlichen Tagen, haben aber einfach nicht genügend Leute.“

Andererseits gibt es einige neue Lokale: Im Café Rosengarten am Obermarkt treten Ulrike Scheytt & Friends mit Jazz, Blues, Klassik und Pop auf, im Jakobs Söhne auf der Jakobstraße spielen „Kwarta w nocy“ Rock und Oldies und in der Fox-Club-Lounge in der Annengasse gibt es eine Ü30-Schlagernacht mit JaBell. Die Aftershowparty findet erstmals im Daily Motion auf der Berliner Straße statt. Inklusive der Schülerbands, die zwischen 15 und 18 Uhr im Bahnhof auftreten, spielen am Sonnabend 38 Bands, die meisten davon zwischen 18 Uhr und Mitternacht. „Nach meiner Recherche sind wir damit das größte Kneipenfest in Deutschland“, sagt Oertel.

Im Vergleich zum Programmheft hat sich nur eine Veränderung ergeben. Die Band „Another Fish“, die im Schwibbogen auftreten sollte, ist verhindert. Als Ersatz springt Schlagersängerin Angelika Martin ein. Auch jenseits von Schwibbogen und Fox-Club-Lounge setzt das Festival verstärkt auf Schlager. So gibt es im Gleis 1 im Bahnhof eine große Schlagernacht, bei der Künstler wie Aline, Nicci Sander, Nicci Schubert und Tom Deelay auftreten. Andere Lokale setzen auf Bewährtes, so tritt in der Tiefgarage der Destille wieder die Akustik-Rock-Band Colour the Sky auf, im Wirtshaus zur Altstadt die Rockabilly-Band The Hawaii Toasters und im Offkino am Klosterplatz mal wieder die Kroatenbossanova-Band Jochen Fünf aus Görlitz.

Doch manch ein Wirt hat sich auch für etwas Neues entschieden. Im Camillo spielte viele Jahre lang immer die Tam Tam Combony, jetzt erstmals die Klezmer-Band Sheyne Khaloymes. Im City Bowling im CityCenter tritt erstmals die in ihrer tschechischen Heimat sehr bekannte Ska-Punk-Band „Vevývoji!“ auf. Auch Jacobi’s Färbe wartete früher mit Ska-Punk auf. Ob das künftig wieder so sein wird? „Da hänge ich mich nicht rein, das überlasse ich dem künftigen Pächter“, sagt Bliemel. Auf jeden Fall hoffe er, den Vertrag mit dem neuen Pächter bald zu unterschreiben und dann auch mehr zum Konzept sagen zu können.

Eintritts-Bändchen für das gesamte Festival gibt es im Vorverkauf (bis Freitag) unter anderem im SZ-Treffpunkt im City-Center für 9,50 Euro, an der Abendkasse in allen teilnehmenden Lokalen dann für zwölf Euro.