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Kodersdorf plant eine Ortsumfahrung

Die neue Straße soll östlich zur B115 verlaufen und den Schwerlastverkehr aufnehmen. Die Trasse wird jetzt untersucht.

© André Schulze

Von Steffen Gerhardt

Kodersdorf. Die Bilder bleiben gegenwärtig: Als Ende August der Autobahntunnel Königshainer Berge für eine Woche gesperrt war, schoben sich die Lkw Stoßstange an Stoßstange durch Kodersdorf. Wer da über die Straße musste, hatte es schwer beziehungsweise brauchte viel Zeit und Geduld. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern: Die Gemeinde plant eine Ortsumfahrung. Eine Notwendigkeit, die sich aus den wiederholenden Tunnelsperrungen ergibt. Und in Vorausschau auf Kommendes. Denn ab 2019 sollen beide Tunnelröhren saniert werden. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr kündigt zwei Jahre Bauzeit an und nennt Kosten von rund 12,5 Millionen Euro.

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Bürgermeister René Schöne sieht aber noch einen zweiten Grund für eine Umgehungsstraße: „Unser Gewerbegebiet hat sich stark entwickelt. Es zählt mittlerweile rund 1 000 Beschäftigte, der Großteil kommt mit dem Auto nach Kodersdorf. Aber auch der Lkw-Verkehr für den An- und Abtransport hat merklich zugenommen“, zählt der Bürgermeister auf. Also macht sich eine Ausweichstrecke auch für das Gewerbegebiet an der Autobahn notwendig, um dessen Verkehr nicht mehr durch den Ort zu führen.

Die Umgehungsstraße beschäftigen Kommune und Gemeinderat schon seit einigen Jahren. Aber nun scheint das Vorhaben in Gang gekommen zu sein. In seiner August-Sitzung beschloss der Gemeinderat, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Dabei geht es um eine Verbindungsstraße, die von der B115 am Bauhof über die Bahnhofstraße südlich in das Gewerbegebiet führt. Favorisiert wird eine Trasse, die östlich an den Schweineställen und dem Klärwerk vorbeiführt und im Gewerbegebiet in die Lindenstraße mündet und den Verkehr weiter über die Oststraße in Höhe Tankstelle wieder auf die B115 leitet (siehe Grafik).

Dazu führte Bürgermeister Schöne schon einige Gespräche mit der Landkreisverwaltung und dem Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit. Beide Behörden tragen das Vorhaben einer Ortsumfahrung mit, wurde der Gemeinde versichert. Ein erster praktischer Schritt ist die Machbarkeitsstudie. Den Auftrag dafür hat das Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme in Dresden bekommen. Mit knapp 9000 Euro hatte das Planungsbüro das weitaus günstigste Angebot unter den drei Bietern abgegeben. In Kodersdorf sind die Planer keine Unbekannten. Sie hatten bereits die Straßenkreuzung zum Gewerbegebiet auf ihre Leistungsfähigkeit hin untersucht.

Neben einer Kostenschätzung und einem Zeitplan werden die Dresdner Ingenieure einige Untersuchungen und Prüfungen vornehmen müssen. Dazu zählen die verkehrstechnische Leistungsfähigkeit der B 115-Kreuzungen am Bauhof und an der Aral-Tankstelle festzustellen, naturschutzrechtliche Belange zu berücksichtigen, Verkehrsdaten zu ermitteln, Fachgutachten einzuholen und einiges mehr, um am Ende einen Trassenvorschlag vorlegen zu können. Der Bürgermeister rechnet nicht vor nächstem Frühjahr damit, dass die Planung diskutiert werden kann. Zu aufwendig sind die vorbereitenden Arbeiten, schließlich geht es um ein ganzes Stück neue Straße, die zu planen, zu genehmigen und zu bauen ist. Die Gemeinde hat in ihrem diesjährigen Etat 50000 Euro für die Vorplanung der Umgehungsstraße vorgesehen. „Das Erstellen der Machbarkeitsstudie ist hierfür der erste Schritt“, betont der Bürgermeister.

Erklärtes Ziel ist es, dass diese Straße den Schwerlastverkehr aufnimmt, der sonst auf der B115 durch den Ort rollt. Wie das praktisch gehandhabt wird, liegt in der Entscheidung der Straßenverkehrsbehörde. Denn die jetzige B 115 soll auch künftig eine Bundesstraße bleiben. Die Umgehungsstraße, die zunächst als Gemeindestraße gebaut werden soll, wird später in den Status einer Kreisstraße gehoben. Das hat der Landkreis der Gemeinde bereits zugesichert, sagt der Bürgermeister. Damit fallen Instandhaltung und Winterdienst künftig in die Pflichten des Landkreises.

Dass in Kodersdorf in den vergangenen Jahren das Verkehrsaufkommen gestiegen ist, zeigt sich darin, dass Kodersdorf Bestandteil der europäischen Lärmkartierung wurde. Sie greift, wenn über drei Millionen Fahrzeugbewegungen im Jahr in einer Kommune festgestellt werden. Soweit ist Kodersdorf nun. Das hat zur Folge, dass die Kommune den Lärm an den meistbefahrenen Straßen messen und registrieren lassen muss – und am Ende selbst bezahlt. René Schöne spricht von 600 Euro, die pro Kilometer erarbeitete Lärmstudie fällig werden. Mehr Verkehr kostet eben mehr Geld.