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Kodersdorf wächst mit Borbet

Die Gewerbeflächen sollen in Richtung Schöpstal erweitert werden. Aber profitieren kann nur einer.

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© Jens Trenkler

Von Jenny Thümmler und Katja Schlenker

Kodersdorf braucht Platz. Das Gewerbegebiet der Gemeinde boomt, gerade kann man das tägliche Wachsen der Hallen von Felgenhersteller Borbet beobachten. Der zählt zu den neuesten Investoren – und wird zugleich eine Erfolgsgeschichte eines West-Unternehmens im Osten. Denn gegründet worden ist das Unternehmen Borbet 1881 im nordrhein-westfälischen Altena. In den vergangenen dreißig Jahren hat es sich zu einem bedeutenden Produzenten von Leichtmetallrädern für Pkw entwickelt. Und zurzeit lohnt es sich offenbar, im sächsischen Osten zu investieren.

Auf die Flächengemeinde an der B 115 gucken alle Nachbarkommunen mit Verwunderung. Dort gelingt seit Jahren, was sich andere wünschen: Gewerbeansiedlung im großen Stil – und die Bevölkerung zieht mit. Zumindest gibt es keine Proteste gegen Investorenpläne. Doch damit Kodersdorf und seine Gewerbeeinheiten wachsen können, muss das dafür nötige Gebiet erweitert werden – in Richtung Schöpstal. „Wir waren etwas überrascht, als sich auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Verwaltungsverbands plötzlich ein entsprechender Beschluss fand“, sagte Roland Maiwald im Schöpstaler Gemeinderat. „In die Vorbereitungen wurden wir nicht mit einbezogen.“ Er nimmt gemeinsam mit Ratsmitglied Frank Mannack für die Gemeinde an den Sitzungen des Verbands teil. „Wir sind den Konsens mitgegangen, nachdem uns zugesichert wurde, dass uns keine Nachteile für die Entwicklung der ehemaligen Rindermastanlage in Girbigsdorf entstehen“, so Mannack. Finanzielle Auswirkungen gebe es für die Gemeinde nicht.

Ganz anders ist die Situation auf der Finanzebene in Kodersdorf. Denn hier hat dann Borbet einen Sitz – zahlt also auch entsprechend für die Fläche und später dann Gewerbesteuern. Das ist natürlich nur ein Teil des Kuchens, denn der Hauptsitz des Felgenherstellers ist immer noch im Westen der Republik. Allerdings hat die Investition eine Sogwirkung für die Region. Seit bekannt ist, dass Borbet noch hunderte Jobs zu vergeben hat, schöpfen viele Menschen der Region Hoffnung. Jüngst haben die Agentur für Arbeit Bautzen und das Jobcenter des Landkreises Görlitz beschlossen, gemeinsam zu vermitteln. Und alles, damit Borbet auch pünktlich starten kann. Aktuell wird die Hallenkonstruktion errichtet. Ende Oktober soll die zweite Bauphase abgeschlossen werden. Und zwar, indem die Produktionshallen fertiggestellt werden. Direkt im Anschluss folgen die ersten Maschinenparks wie die Lackanlage für die Leichtmetallräder.

Deshalb und grundsätzlich muss das attraktive Gewerbegebiet in Kodersdorf wachsen – in Richtung Görlitz. Die Eigentümer der neuen betreffenden Flurstücke sind jetzt informiert worden. Verkaufen alle, geht die Erfolgsgeschichte von Kodersdorf vor den Toren von Görlitz weiter. Aber der Weg jenseits von Borbet, Flugzeugteilezulieferer oder Solarfeldern ist noch lang. Verbandsvorsitzender Torsten Hänsch: „Mit dem Beschluss in der letzten Sitzung haben wir lediglich den politischen Willen zur Erweiterung abgefragt.“ Auch die Erschließung weiterer Standorte für Eigenheime stand zur Diskussion. Konkret liegt der Gemeinde ein Antrag vor, für eine 3.000 Quadratmeter große Fläche an der Kleinen Seite in Girbigsdorf nahe der Betonstraße zu Wöhlk einen Bebauungsplan zu erstellen.

Der Privateigentümer möchte dort mehrere Baugrundstücke verkaufen. Das Gelände liegt im Außenbereich, daher sind umfangreiche Planungen nötig. Das Thema stand vor vielen Jahren schon einmal, verlor sich dann aber. „Wer dort Baurecht herstellen muss, ist ja noch die Frage“, so Roland Maiwald. „Aber wir müssen uns dazu einmal grundsätzlich verständigen.“ Für das Schöpstal braucht es noch mehr: einen Dorfentwicklungsplan. Wer keinen hat, bekommt keine Fördermittel aus dem Leader-Programm, dem früheren Ilek.

Doch genau darauf hofft die Gemeinde für die nächste große Investition, die Rindermastanlage. 15 000 bis 20 000 Euro kostet so ein Plan, Fördermittel gibt es nur möglicherweise. Andererseits kommt ein aktueller Dorfentwicklungsplan auch Privatleuten zugute, die Projekte durch Leader fördern lassen wollen. Eine Förderung von 70 Prozent der Kosten sei möglich. Am Ende geht es auch hier ums Geld – allerdings zuerst um Fördergelder. Der staatliche Geldregen soll über Schöpstal und die alte Rindermastanlage kommen, bevor der Leader-Fördertopf leer ist. Der Gemeinderat will sich für die nächste Sitzung André Bordihn vom Ingenieurbüro Ibos einladen, damit dieser so ein Flächenkonzept vorstellt.