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Kodersdorfer Blitzer auf Platz drei

Mehr als 83 000 Verkehrsteilnehmer wurden 2017 im Landkreis „fotografiert“. Auch Baustellen spielten eine große Rolle.

© André Schulze

Von Anja Beutler

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Es ist eine enorme Zahl: 83 085 Mal hat es im vergangenen Jahr geblitzt – bei Geschwindigkeitsmessungen des Landkreises oder der Polizei. Allerdings führten längst nicht alle Fotos dazu, dass Autofahrern ein Brief samt Strafe ins Haus flatterte.

Quelle: Landratsamt
Quelle: Landratsamt © SZ-Grafik

„Die Qualität der Fotos muss stimmen“, betont Uwe Kaiser, Sachgebietsleiter der Bußgeldstelle des Landkreises Görlitz. Und das glücke eben nicht jedes Mal. Somit blieben am Ende 54 359 Verwarn- und 8 726 Bußgelder, die ausgesprochen worden sind. Wie die Zahlen aussehen und welchen Trend es gibt:

Im Überblick

Negativspitzenreiter: Mehr als 100 Stundenkilometer zu schnell

Den Vogel abgeschossen haben im vergangenen Jahr zwei Verkehrsteilnehmer, die mehr als 100 Stundenkilometer zu viel auf dem Tacho hatten: In der Gemeinde Großschweidnitz, beim früheren Gasthaus Schwimmer, raste ein Auto mit 152 km/h in die Blitzerfalle. „Erlaubt waren eigentlich 50 Stundenkilometer“, sagt Uwe Kaiser von der Bußgeldstelle. Für diese Raserei gab es in der Folge drei Monate Fahrverbot und 600Euro Geldbuße. Ähnlich happig war die Tempoüberschreitung bei einem Fall auf der B178. Eigentlich sind an der Stelle 100 km/h erlaubt. Ein Auto wurde mit 218 Stundenkilometern gemessen.

Rekordblitzer: Ostritzer Messanlage ist mit fast 7000 Fotos Spitzenreiter

Acht stationäre Blitzer betreibt der Landkreis von Nord nach Süd – einer steht unangefochten an der Spitze: der Ostritzer. Insgesamt 6981-mal schlug die Messstation im abgelaufenen Jahr zu – allerdings nicht in einer Richtung. Reichlich zwei Monate blitzte sie Fahrer, die zu rasch aus Richtung Görlitz kamen: 957 Mal löste da die Technik aus. Dann drehte der Landkreis den Starenkasten um – seitdem kontrolliert er alle Fahrer aus Richtung Zittau –, 6024 waren im abgelaufenen Jahr zu schnell unterwegs. Einträglich war auch der Blitzer in der Theodor-Körner-Allee in Zittau mit 3145 Fällen, gefolgt vom Kodersdorfer Messgerät mit 2873 Blitzerfotos. Durch Bauarbeiten an der B6 fielen 2017 die beiden Blitzer in Markersdorf fünf Monate aus. Auch die Anlage in Uhyst hat nur die Hälfte des Jahres gemessen, weil die Straße kaputt war. Die Stadt Görlitz hat eigene Blitzer installiert.

Baustellen: Blitzschutz für die Sicherheit der Bauarbeiter

Der Baustellensommer 2017 hatte es in sich. Aus Sicherheitsgründen waren vielfach Tempobeschränkungen nötig – und das forderte Disziplin im Straßenverkehr. „Wir haben mit Blick auf diese Situation nicht mehr geblitzt, die Baustellen wenig frequentiert“, betont Uwe Kaiser. Ausnahmen gab es vor allem dann, wenn es konkrete Beschwerden gab. Zum Beispiel an der Umleitungsstrecke zwischen der Kunnersdorfer Senke und Kodersdorf-Bahnhof, als im Herbst mehrere Wochen an der B115 gebaut wurde. Dort gab es mehrfach Einsätze von mobilen Blitzern.

Trend: Bagatellfälle nehmen zu – und das Verkehrsaufkommen auch

Die Zahl der Bagatellfälle – also geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen – haben im vergangenen Jahr merklich zugenommen, sagt der Leiter der Bußgeldstelle. Eine Erklärung dafür hat er durchaus: „Die Verkehrsmenge nimmt zu, die Möglichkeiten, zügig zu fahren, sind allerdings sehr begrenzt“, sagt Kaiser. Vielerorts reihen sich die Autos in Kolonne, können nicht überholen und zuckeln in gemäßigterem Tempo über die Straßen. Die zahlreichen Baustellen und die damit einhergehenden Umleitungen haben dieses Phänomen 2017 zusätzlich verstärkt.

Polizei: Beamte sind wieder häufiger mit Blitzern unterwegs

2017 hat die Polizei wieder deutlich häufiger die Geschwindigkeit gemessen als in den Jahren zuvor: „Zehn bis 15 Prozent mehr Daten haben wir erhalten“, sagt Kaiser, der froh ist über diese Entwicklung.

Das sagen die Zahlen

Geblitzt wurden im Jahr 2017 von Polizei und Kreis 83085 Verkehrsteilnehmer. Davon registrierten stationäre Blitzer im Kreis allein 19580 Fälle.

Der Anteil der Verwarngelder lag bei 54359. In 8726 Fällen wurde ein Bußgeldbescheid erstellt.

Die Einnahmen beziffert der Kreis derzeit auf 1,944Millionen Euro, nach Abschluss aller laufender Verfahren ist eine Gesamtsumme von 2,2Millionen Euro zu erwarten. Das liegt im Bereich der Vorjahre.

Quelle: Landratsamt

Wer darf wo blitzen?

Die Polizei darf generell überall blitzen. Allerdings führt sie in der Regel nicht die Verfahren gegen ertappte Temposünder. Die werden in der Folge vom Landkreis übernommen, das hat der Freistaat so geregelt. Ausnahmen sind die Städte, die selbst Geschwindigkeitsmessungen durchführen.

Selbst blitzen dürfen Zittau, Löbau, Görlitz, Niesky und Weißwasser, weil sie eine gewisse Einwohnerzahl überschreiten. Technik und Schulungen für Mitarbeiter sind jedoch teuer und so nimmt nicht jeder, der darf, diese Aufgabe auch wahr.

Löbau und Görlitz blitzen auf ihren städtischen Territorien selbst.

Niesky hat das bei der Stadt Görlitz in Auftrag gegeben. Weißwasser und Zittau haben mit dem Landkreis einen Vertrag geschlossen, dass er diese Aufgabe wahrnimmt. In allen anderen Gemeinden ist der Landkreis zuständig.

Geld nehmen demnach die Städte Görlitz und Löbau selbst ein. Die anderen Einnahmen gehen an den Landkreis.

Quelle: LRA

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