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Kodersdorfer fürchtet um seine Schafe

Zwei Tiere sind am Mittwoch vom Wolf gerissen worden, gleich neben dem Wohnhaus. Die Angst ist jetzt groß.

© SZ/Steffen Gerhardt

Von Steffen Gerhardt

Jetzt ist es passiert, dass der Wolf bis an die Haustür kommt und Schaden macht. Diese Erfahrung haben am Mittwoch Raik Tzschoppe und seine Lebenspartnerin Linda Göhlich machen müssen. Zusammen mit der fast vierjährigen Tochter wohnen sie an der Särichener Straße. Das Grundstück grenzt an den Weißen Schöps und auf der anderen Seite sind Wiese und ein kleiner Wald. „Ein schöner Platz, mitten in der Natur und doch nicht abgeschieden“, erzählt Raik Tzschoppe. Nicht weit entfernt wohnen die Schwiegereltern und die Großeltern. Deshalb entschloss sich das junge Paar, hier vor vier Jahren ihr Haus zu bauen. Zusammen mit einem Spielplatz, wo sich die Kinder der Straße treffen.

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Doch seit dem Mittwoch ist für sie die Idylle nicht mehr die gewohnte. Das empfindet Lindas Mutter, Ines Göhlich. „Mitten in der Bebauung, vor der Haustür meiner Tochter und wenige Meter neben dem Kinderspielplatz meiner Enkel liegen die Reste der nächtlichen Übergriffe. Stinkende Gedärme, Fellfetzen, Knochen, Blut und Kampfspuren.“ Aufmerksam auf den Vorfall wurde ein Nachbar, der Mittwochmorgen den Rest eines Schafes auf seinem Grundstück entdeckte und es dem Landratsamt meldete.

Eine Rissgutachterin war schnell zur Stelle. Nach ihrer Aussage, so Ines Göhlich, war der Wolf wohl am Morgen gekommen, hatten Teile eines Schafes über den Weißen Schöps geschleift und auf der anderen Seite fast völlig aufgefressen. Auch ein weiteres Schaf wurde Opfer einer Wolfsattacke. Daher, so die Vermutung von Raik Tzschoppe, kann es ein Wolf allein nicht gewesen sein. „Ein ausgewachsenes Schaf wiegt zwischen 30 und 40 Kilogramm, das lässt sich nicht so leicht wegschleppen“, sagt der Hobby-Tierhalter. Neun Schafe waren bis zum Mittwoch sein Besitz, nun sind es nur noch sieben. „Wir leben jetzt mit der Angst, dass der Wolf wiederkommt und sich weitere Tiere holt“, befürchtet der 34-Jährige. Denn neben seinem Grundstück befindet sich noch ein privates Wildgehege. Zudem besitzt Raik Tzschoppe noch zwei Ziegen, wobei eine die Wolfsattacke nicht überlebte. „In Panik ist sie in das Netz gerannt und mit ihm in den Schöps gestürzt und ertrunken.“

Im Grunde hat Frank Tzschoppe seine Schafe und Ziegen mit einem Netz als Elektrozaun gesichert. Nur die Seite zum Schöps ist frei – und von dieser kam der Wolf. „Von der Wasserbehörde wurde mir verboten, einen Zaun zu errichten aus Gründen des Hochwasserschutzes. Also blieb das Ufer frei. Nach dem Vorfall am Mittwoch darf ich aber nun einen Schutz für die Tiere anbringen“, sagt Raik Tzschoppe und ist verwundert über die Entscheidungen im Landratsamt.

Die Behörde bestätigt den Vorfall. Am Mittwoch ging beim Kreisforstamt eine Meldung von zwei toten Lämmern und einer toten Ziege in Kodersdorf ein. Daraufhin haben sich Rissgutachter vor Ort ein Bild von den Umständen gemacht, erfuhr die SZ auf Nachfrage. Dabei stellte die Gutachterin zur Haltungssituation fest, dass entlang des Gewässers kein Zaun stand und somit die Koppel zu einer Seite offen war. Für Raik Tzschoppe ist es daher fraglich, ob er für den Verlust finanziell entschädigt wird. Obwohl die Gutachterin dem Besitzer vor Ort bestätigte, dass der Wolf am Werk war, teilt das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen mit, dass eine abschließende Bewertung des Vorfalls – den Wolf als Verursacher auszuschließen oder nicht – aktuell noch nicht gegeben werden kann.

Für Raik Tzschoppe und seine Familie ist der materielle Schaden das eine. „Diesen kann man ersetzen, was bleibt, ist aber die Angst und Ungewissheit, ob der Wolf nicht wiederkommt.“ Seit Mittwoch sieht er den Spielplatz vor seinem Haus mit anderen Augen und fürchtet um die Gesundheit der zahlreichen Kinder die hier spielen.

Gegen den Wolf als Tier habe er nichts, sagt der Familienvater, der selbst viele Tiere hält. Er sei nun mal in der Lausitz vorhanden. „Aber es sollte sein Wachstum und seine Verbreitung kontrolliert werden. Wir haben jetzt zehn Rudel, die sich hauptsächlich in der Oberlausitz aufhalten.“ Das führe dazu, dass sich der Wolf neue Gebiete suchen muss und er dadurch bereits in die Zivilisation vordringt. So wurde vor einiger Zeit bei Feldarbeiten ein Wolf vor Särichen gesichtet und fotografiert, erzählt Ines Göhlich – und das sei nicht die einzige Beobachtung, die die Leute machen. Kritisch wird es besonders, wenn der Wolf bei seinen Streifzügen Schaden macht.