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König Harald weint für sein Land

Es war eine einfache Geste, aber sie steht für das Gefühl eines ganzen Landes:  Hinter einem Taschentuch verbarg Norwegens König Harald V. seine Tränen. In der Zeit der Trauer um die Opfer der Anschläge drückte der stille Monarch so sensibel aus, was viele Norweger empfanden.

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Es war eine einfache Geste, aber sie steht für das Gefühl eines ganzen Landes:  Hinter einem Taschentuch verbarg Norwegens König Harald V. seine Tränen. In der Zeit der Trauer um die Opfer der Anschläge drückte der stille Monarch so sensibel aus, was viele Norweger empfanden. Der König ist für seine Zurückhaltung und für seinen Verzicht auf unnötigen Prunk bekannt. Nun zeigt er Gefühle und trifft damit die Seelenlage seiner Mitbürger. 

 Es mag für ihn auch eine Erinnerung an eine andere schwere Stunde Norwegens sein. Regierungschef Jens Stoltenberg hatte den Terrorakt mit dem schlimmsten der jüngeren Geschichte seines Landes verglichen, der Nazi-Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Der 1937 geborene Harald floh 1940 mit seiner Familie nach Schweden und später in die USA. Sein Großvater Haakon VII. organisierte von Großbritannien aus den Widerstand. Ihm kam auch nach dem Wiedereinzug ins Osloer Königsschloss 1945 eine zentrale Rolle bei der Aufarbeitung der Nazi-Besetzung zu.

Harald war damals noch weit vom Thron entfernt. Sein Großvater starb 1957, nachdem er das Land mehr als ein halbes Jahrhundert geführt hatte, sein Vater Olav V. 1991.  Der junge Prinz fiel nicht auf in einem Land, in dem das Königshaus kaum aus dem Volk herausstach. Seine Bescheidenheit kam gut an bei den Bürgern.

Auch als Monarch amtierte Harald still. Zweimal bereits musste er seinem Sohn die Regentschaft überlassen: 2003 wurde der König wegen Blasenkrebs operiert, 2005 wegen Aortenstenose. Er hat selbst nicht damit gerechnet, einer ganzen Nation Kraft und Zuspruch spenden zu müssen. Er tat es so einfach und  ungekünstelt, wie er zuvor gelebt hat. (SZ-Korr./anw)