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Königstein-Lied bekommt Konkurrenz

Ein Verein aus Hessen machte eine sensationelle Entdeckung. Jetzt braucht es gute Stimmen.

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© Marko Förster

Von Carina Brestrich

Königstein. Selbst wer noch nicht auf der Festung Königstein zu Gast war – die launigen Strophen des Festungslieds mitträllern können viele: „Auf der Festung Königstein, jupheidi – jupheida, muss doch auch ein Hauptmann sein, jupheidi – heida“ heißt es in dem berühmten Spottlied, das schon seit jeher zu weiteren Strophendichtungen inspiriert. Doch was bislang selbst unter den textsicheren Festungsmitarbeitern keiner wusste: Es gibt noch ein weiteres Lied über die Festung Königstein. „Das Pagenbett auf der Festung Königstein A. E. 1675“ heißt das nun wiederentdeckte Gesangsstück. „Es ist eine kleine Sensation für uns“, sagt Angelika Taube, Geschäftsführerin auf der Festung Königstein. „Uns war nicht bekannt, dass dieses Lied existiert“, sagt sie.

Aufgestöbert hat es ein Verein aus Hessen. Nachdem die Mitglieder die Festung besucht hatten, fand der Geschichtsverein Mühlheim am Main die Noten samt Text in einem Heimatliederbuch von 1931. „Unsere Elbe – Neues Elbelieder-Album für Klavier und Gesang“ heißt der Titel des Buchs, das 1931 in Leipzig herausgegeben wurde. Die Texte darin stammen von Karl G. Wagner, die Vertonung vom Pirnaer Organist Walter Böhme.

Im Lied über das Pagenbett greifen Wagner und Böhme eine Anekdote aus der Festungschronik auf. Sie soll sich 1675 – bei einem der vielen rauschenden Hoffeste – zugetragen haben. Damals hatte sich der Page Heinrich Carl von Grunau den Wein zu gut schmecken lassen und den Weg an die frische Luft gesucht. Den Erzählungen nach soll er dabei durch eine Schießscharte auf den Sims der Friedrichsburg gekrochen und dort dann eingeschlafen sein.

Was er dabei nicht bemerkte: den 40 Meter tiefen Abgrund, direkt neben ihm. Gastgeber und Kurfürst Johann Georg II machte sich aus der riskanten Weinseligkeit seines Pagen einen Spaß. Er ließ den Schlafenden anseilen und zum Spott der Hofgesellschaft mit Fanfaren und Pauken wecken. Dass sein Leben unter besonderem Schutz stand, zeigt sich am stattlichen Alter, das von Grunau erreichte: 107 Jahre ist er angeblich geworden, bevor er in Schmölln bei Bischofswerda starb. Ob er dem Wein bis dahin treu blieb, ist nicht überliefert. Dass der Rebensaft auf der Festung Königstein aber reichlich floss, ist dagegen unbestritten. „Schenkt mir vom besten Elbewein, schenkt ein, schenkt ein, schenkt ein“, heißt es im Refrain des Liedes über das ungewöhnliche Bett hoch oben über der Elbe.

Wie das klingt, das möchte das Festungsteam nun gern hören. Die Festung ruft deshalb Musikfreunde zu einem Wettbewerb auf. Egal, ob als Solo, Duo oder gar als Chor – gesucht werden die schönsten Interpretationen des Fünfstrophers, der möglichst auch mit Instrumentalbegleitung in einem Video festgehalten werden soll. Einsendeschluss für die Clips – eine Handyaufnahme genügt – ist der 30. September. „Wir sind sehr gespannt, denn wir haben das Lied selbst noch nicht gehört“, sagt Silke Franze, Mitarbeiterin für Online-Marketing auf der Festung.

Dass sich die Geschichte um den betrunkenen Pagen tatsächlich so zugetragen hat, daran hat Angelika Taube keine Zweifel: „Es ist ziemlich sicher, dass es so war“, sagt die Festungschefin. An der Friedrichsburg, dem heute noch erhaltenen Pavillon an der nördlichen Festungsmauer, erinnert ein Schild an von Gruners waghalsige Aktion – und bald, so hofft das Festungsteam, auch eine Reihe von Tonaufnahmen. Jeder eingereichte Beitrag wird mit einer Familien-Freikarte belohnt. Die drei schönsten Einsendungen werden außerdem noch extra prämiert. Und zwar mit einer besonderen Führung und einem Gutschein für den Museumsshop. Dort ist übrigens auch der im Lied besungene Wein erhältlich.

Alle Infos zur Teilnahme und die Noten mit Liedtext gibt es im Internet: www.szlink.de/Pagenbett