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Cunnersdorf: Neue Försterei mag es wild

Das marode Gebäude nahe Gohrisch wurde mehrere Jahre lang saniert. Darin arbeiten nicht nur Revierförster - hier wird auch heimisches Wildfleisch verkauft.

Abhängen in der Kälte: Thomas Fritzsche schiebt erlegtes Rotwild in die neue Kühlzelle der Försterei Cunnersdorf.
Abhängen in der Kälte: Thomas Fritzsche schiebt erlegtes Rotwild in die neue Kühlzelle der Försterei Cunnersdorf. © Steffen Unger

Arbeiten mitten im Wald: Für Revierförster ist das keine Besonderheit. Für die Revierförster aus Reinhardtsdorf, Cunnersdorf, Rosenthal, Königstein und Gohrisch schon. Sie durften bislang nur bei Außeneinsätzen zwischen Buchen und Eichen unterwegs sein. Wenn Büroarbeit anstand, mussten sie in die triste und zuletzt marode Försterei in Cunnersdorf bei Gohrisch wechseln. Ein Haus, das fast 30 Jahre nach der Wende noch jede Menge DDR-Charme versprühte.

Davon ist jetzt nichts mehr zu spüren. Zweieinhalb Jahre lang wurde die alte Försterei nahe dem Waldbad Cunnersdorf saniert und erweitert. Elf Jahre wurde zuvor an dem Großprojekt geplant, das nun abgeschlossen werden konnte. Insgesamt 1,78 Millionen Euro wurden investiert.

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"Aus dem alten Gebäude wurde ein moderner Bau geschaffen", sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirkes Neustadt, bei der Einweihung der Försterei. Die weiße, schnörkellose Fassade ist einer edlen Holzverkleidung gewichen. Die Bretter stammen aus Wäldern des Forstbezirkes Neustadt. "Privat- und Staatswald", wie Borrmeister erklärt.

Die neue Försterei in Cunnersdorf: Das Holz für die Fassade stammt aus der Sächsischen Schweiz.
Die neue Försterei in Cunnersdorf: Das Holz für die Fassade stammt aus der Sächsischen Schweiz. © Steffen Unger

Auch im Innern wird auf viel Holz gesetzt. Die Schreibtische und Schränke in den Büros wurden in der Kunsthandwerkerstadt Seiffen gebaut. Deren Holz stammt zwar nicht aus Sachsen, dafür aus Österreich. Buche wurde für die Möbel verwendet, auf dem Boden liegen Eichendielen. Der neue Dienstsitz der Revierförster ist damit dem Wald näher als einem Büro.

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"Mit der Bauweise schaffen wir bewusst eine Verbindung zur Natur", sagt Landesforstpräsident Utz Hempfling, der zur Einweihung der Försterei nach Cunnersdorf gekommen ist. Dafür sorgen auch bodentiefe Fenster, kleine Nischen mit Holzbänken, auf denen Besucher Platz nehmen können, und Wandtapeten mit Motiven aus dem Wald.

Arbeit mit Waldblick: Revierförster Olav Spengler in seinem Büro in der sanierten Försterei in Cunnersdorf.
Arbeit mit Waldblick: Revierförster Olav Spengler in seinem Büro in der sanierten Försterei in Cunnersdorf. © Steffen Unger

Fünf Büros sind in dem sanierten Gebäude untergebracht. Nicht nur die Revierförster arbeiten hier. Auch die Naturwacht hat hier ihren Stützpunkt, um unter anderem Nationalpark-Ranger auszubilden. Moderne Sanitärräume mit Duschen wurden für die Forstexperten eingerichtet. Zudem gibt es einen Multifunktionsraum, in dem Dienstberatungen und Gespräche mit Besuchern stattfinden können. Ein Ort des Austausches soll die Försterei sein, ein Treffpunkt und zentraler Anlaufpunkt auch für die Einwohner.

Wildfleisch wird direkt vermarktet

Vor allem für die Menschen, die gern Wildfleisch auf dem Teller haben. Für jeden zweiten Deutschen ist das mindestens einmal pro Jahr Pflicht, sagt die Statistik. Der Hunger nach Rehrücken oder Wildschweinkeule ist aber gar nicht so einfach zu stillen. Denn nur wenige Fleischereien haben Wildbret im Angebot. Eine Lücke, die der Forstbezirk Neustadt künftig besser besetzen will.

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Zur Cunnersdorfer Försterei gehört deshalb ein kleiner "Wildladen", in dem Fleisch von Rotwild, Rehen und Schwarzwild verkauft wird. Die Verkaufsstelle gab es bereits vor der Sanierung. Die Räumlichkeiten sind nun jedoch moderner und größer. "Wir wollen Wild künftig noch stärker vermarkten", kündigt Forstbezirksleiter Uwe Borrmeister an.

Die geschossenen Tiere werden von den Förstern und Jägern nach Cunnersdorf geliefert. In einer Kühlzelle werden sie im Ganzen, das heißt mit Fell beziehungsweise Schwarte aufgehängt. Die sogenannte Decke schützt das Wildbret vor Keimen und dem Austrocknen. Rehwild muss meistens zwei bis drei Tage abhängen, Rot- und Schwarzwild je nach Gewicht etwas länger.

Wild im Ganzen oder küchenfertig portioniert

"Danach wird das Wild abgeschwartet beziehungsweise aus der Decke geschlagen", erklärt Thomas Fritzsche. Der Forstwirtschaftsmeister ist beim Sachsenforst für die Wildvermarktung verantwortlich. Für diesen Arbeitsschritt gibt es in Cunnersdorf einen extra Raum. Ist das Fell ab, wird das Wild in einem Zerlegeraum zerteilt.

Der Verkauf über den Sachsenforst erfolgt meist als ganzes Stück. Das bedeutet, Wild gibt es komplett noch mit Fell. Künftig soll es in Cunnersdorf auch küchenfertige und handliche Portionen geben, die tiefgefroren angeboten werden. "Wir wollen damit verstärkt Privatkunden ansprechen", sagt Borrmeister. Die Gastronomie, die bislang auch zu den Kunden zählte, soll nicht mehr beliefert werden. Das könnten Großfleischereien abdecken.

Derzeit müssen Kunden das gewünschte Fleisch noch vorbestellen. Spätestens ab Anfang 2022 soll es in der Försterei in Cunnersdorf dann einmal pro Woche einen regulären Verkaufstag für Wildbret geben.

Hier gibt es frisches Wildfleisch

  • Cunnersdorf: Försterei, Cunnersdorf Nr. 1a, 01824 Gohrisch. Öffnungszeiten: nach Terminabsprache. Telefon: 035021 90470
  • Bad Schandau: Egbert Eibenstein, Lindenallee 3, 01814 Bad Schandau. Telefon: 035022 900-712
  • Hinterhermsdorf: Matthias Protze, Birkenweg 11, 01855 Hinterhermsdorf. Mobil: 0173 37964-51
  • Lohmen: Frank Wagner, Basteistraße 103, 01847 Lohmen. Mobil: 0173 37964-54 (Auswahl: SZ)

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