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Königstein muss in Kultur investieren

Ein eigenes Kulturmanagement sollte die Stadt kulturell voranbringen. Das Projekt starb - jedoch nicht die Finanzierung. Das Rathaus ist jetzt in Zugzwang.

Skulpturen wie diese waren im Königsteiner Klassikgarten ein richtiger Hingucker. Die grüne Lounge-Ecke gab es dieses Jahr nicht. Das hängt ausnahmsweise nicht mit der Pandemie zusammen.
Skulpturen wie diese waren im Königsteiner Klassikgarten ein richtiger Hingucker. Die grüne Lounge-Ecke gab es dieses Jahr nicht. Das hängt ausnahmsweise nicht mit der Pandemie zusammen. © Steffen Unger

Wenn Königstein für Veranstaltungen bekannt ist, dann für die auf der Festung Königstein. Konzerte, Ausstellungen, Führungen, das alles wird auf dem Felsplateau geboten. Wegen der Coronakrise ist es dort zwar etwas leiser geworden. Das gilt aber überall.

Eine richtige Kulturflaute gibt es stattdessen in Königstein selbst. Das hat aber weniger mit der Pandemie zu tun, sondern mit einem fehlenden Management, das sich um Veranstaltungshöhepunkte kümmert. Vor zwei Jahren wurde in der Stadt solch ein Kulturmanagement gestartet, das genau diese Aufgabe hatte. Die Agentur Neuland Zeitreisen besetzte diesen Posten. Finanziert werden sollte das Ganze über ein Preisgeld in Höhe von 400.000 Euro, das die Kommune über den Ideenwettbewerb „Kultur macht Orte lebendig“ des Sächsischen Umweltministeriums gewonnen hatte.

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Königstein hat Großteil vom Preisgeld übrig

Nach nur einem halben Jahr und mehreren erfolgreichen Aktionen, zu denen unter anderem das Stadtfest, der Klassikgarten am Stadtplatz oder das Adventsfest gehörten, war plötzlich Schluss. Das Kulturmanagement, das vielversprechend startete, wurde wegen eines Formfehlers in der Ausschreibung gestoppt. Die Agentur Neuland Zeitreisen brach damit die Arbeit an neuen Kulturformaten ab. Was folgte war ein Leistungsschnitt. Die Stadt Königstein zahlte den Teil, der bis dahin geleisteten Arbeit.

Beendet ist das Kapital damit aber nicht. Denn Königstein sitz noch immer auf einem Teil des Preisgeldes fest. Konkret geht es um Restmittel in Höhe von rund 260.000 Euro, wie Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) in der letzten Stadtratssitzung vorrechnete. Die Agentur Neuland Zeitreisen hätte 2019 viel angeschoben und auch umgesetzt. Nach dem Aus soll es nun einen Neuanfang geben. Denn die übrige Summe von gut einer viertel Million Euro will die Kommune noch einmal neu einsetzen. Ebenfalls für die Kultur in der Stadt - denn daran ist der Gewinn gekoppelt.

"Ehrenamtliche Akteure sollen das künftig umsetzen", sagte Ratschef Kummer. Gemeint sind ortsansässige Vereine, die das kulturelle Leben in Königstein mithilfe des Preisgeldes wieder ankurbeln sollen. Sie sollen Konzepte erstellen für konkrete Veranstaltungen oder Formate.

Diese Phase hat bereits begonnen. Dass es überhaupt Freiwillige gibt, die diese Arbeit übernehmen und auch umsetzen wollen, darum kümmert sich Roswitha Wendt von der Arbeitsgruppe Innenstadt - ebenfalls ehrenamtlich. Sie ist mit diversen Vereinen und Projektgruppen aus Königstein im Gespräch, um die Kultur künftig auf breite Schultern zu verteilen. Telefonieren und Klinken putzen gehören dazu. Ein Job, für den ihr die Stadträte in der letzten Sitzung ausdrücklich dankten.

Anschubfinanzierung für neue Kulturformate

"Wir sind gerade in der Ideenfindung", beschreibt Roswitha Wendt die aktuelle Situation. Vereine, die mitmachen und die Stadt unterstützen wollen, müssen in Eigenregie ein Konzept erstellen, in einem Kostenplan auflisten, was gebraucht wird, um die konkrete Veranstaltung durchzuführen.

Das soll mithilfe der Viertelmillion aus dem Preisgeld finanziert werden. "Es ist eine Art Anschubfinanzierung", sagt Roswitha Wendt. Königstein will das Geld so einsetzen, dass nicht nur punktuell Kultur stattfindet, sondern sich daraus langfristige Formate entwickeln. Eine Genehmigung, das Preisgeld auf diese Art einzusetzen, hätte die Kommune bereits erhalten, sagt Kummer.

Welche Ideen tatsächlich umgesetzt werden, darüber hat der Stadtrat das letzte Wort. Er soll entscheiden, in welche Projekte das übrig gebliebene Preisgeld investiert wird. Stadt und Vereinen sitzt dabei jedoch die Zeit im Nacken. Bis September 2022 muss das Kulturmanagement abgeschlossen und die reichliche Viertelmillion neu verteilt sein. Wird diese Frist nicht eingehalten, müsste Königstein das Preisgeld komplett zurückzahlen.

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