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Königstein bekommt erstes Aparthotel

Drei Investoren wollen die Ruine an der Goethestraße 1 retten. Ihr Plan steht - und ist eine echte Hommage an die alte Bäckerei Loose.

Wollen die Goethestraße 1 in Königstein retten: die beiden Architekten Richard Gunkel und Richard Mütze, sowie Steuerberater Martin Richter (v.l.).
Wollen die Goethestraße 1 in Königstein retten: die beiden Architekten Richard Gunkel und Richard Mütze, sowie Steuerberater Martin Richter (v.l.). © Steffen Unger

Der Staub von 30 Jahren liegt verstreut auf dem Boden. Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit stapeln sich im Keller: Einweckgläser, Flaschen, Holzkisten, schwere Ofentüren. Unberührt seit Ende der 90er-Jahre. So lange schon scheint die Zeit stillzustehen in dem Haus an der Goethestraße 1 in Königstein.

Das markante Gebäude zählt zu den wohl geschichtsträchtigsten in der gesamten Festungsstadt. Mitten in der Innenstadt, nur einen Steinwurf entfernt von Stadtkirche und Rathaus, thront es. Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut, gab es hier einst eine bekannte Bäckerei und ein Café, das der Familie Loose gehörte. Noch heute ist der Schriftzug „Bäckerei von Emil Loose“ über dem mit Sandstein eingefassten Eingang erkennbar. Im Inneren erinnert ein schwerer Backofen an die Zeit, als Kuchen und Brötchen dampften.

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Jahrzehnte ist das her. 1989 schenkte die letzte Nachfahrin der Familie Loose das Haus der Stadt Königstein. Sie allein konnte es damals nicht halten. Danach ging es durch mehrere Hände. Ein Investor aus den alten Bundesländern hatte Pläne, passiert ist jedoch nichts. Im Gegenteil, das Haus verfiel zusehends und musste sogar teils abgerissen werden.

Jetzt soll sich die Geschichte zum Guten wenden. Das haben sich Richard Gunkel, Richard Mütze und Martin Richter vorgenommen. Die drei Dresdner wollen die Goethestraße 1 wieder zu dem machen, was sie einmal war: ein Haus voller Leben.

Die ehemalige Bäckerei Loose an der Goethestraße 1 in Königstein lockte früher mit einem reizenden Kaffee-Garten Gäste an. Seit über 30 Jahren steht das Haus inzwischen leer.
Die ehemalige Bäckerei Loose an der Goethestraße 1 in Königstein lockte früher mit einem reizenden Kaffee-Garten Gäste an. Seit über 30 Jahren steht das Haus inzwischen leer. © privat
Der Schriftzug „Bäckerei von Emil Loose“ ist noch heute über dem mit Sandstein eingefassten Eingang zu erkennen. Auch im Innern finden sich noch Relikte von dieser Zeit.
Der Schriftzug „Bäckerei von Emil Loose“ ist noch heute über dem mit Sandstein eingefassten Eingang zu erkennen. Auch im Innern finden sich noch Relikte von dieser Zeit. © Steffen Unger
Im Gewölbekeller finden sich heute nur noch alte Holzkisten und Einweckgläser. Künftig soll hier ein Bierkeller entstehen, der urig und gemütlich gestaltet ist.
Im Gewölbekeller finden sich heute nur noch alte Holzkisten und Einweckgläser. Künftig soll hier ein Bierkeller entstehen, der urig und gemütlich gestaltet ist. © Steffen Unger
Eine Blume aus Sandstein ziert die Fassade der alten Bäckerei. Das Symbol findet sich nicht nur dort wieder. Die neuen Eigentümer wollen die Blume in einem neuen Logo aufgreifen.
Eine Blume aus Sandstein ziert die Fassade der alten Bäckerei. Das Symbol findet sich nicht nur dort wieder. Die neuen Eigentümer wollen die Blume in einem neuen Logo aufgreifen. © Steffen Unger
Brötchen und Kuchen werden an der Goethestraße 1 seit Jahrzehnten nicht mehr gebacken. Von dieser Zeit erzählt noch der große Backofen im Erdgeschoss.
Brötchen und Kuchen werden an der Goethestraße 1 seit Jahrzehnten nicht mehr gebacken. Von dieser Zeit erzählt noch der große Backofen im Erdgeschoss. © Steffen Unger
Der Lack ist ab von diesem Schild, das einst den Eingang zum Kaffee-Garten flankierte.
Der Lack ist ab von diesem Schild, das einst den Eingang zum Kaffee-Garten flankierte. © Steffen Unger

Richard Mütze und Richard Gunkel, die gemeinsam ein Architekturbüro betreiben, haben im Internet gezielt nach einem denkmalgeschützten Haus gesucht, um es zu sanieren. In Königstein wurden sie fündig. "Unser Herz hängt schon immer an der Sächsischen Schweiz", sagt Richard Gunkel, der in Struppen aufgewachsen ist. Richard Mütze hat privat ein Grundstück in Waltersdorf, mit Blick auf den Lilienstein. Nach der Flut hatten sie bereits beruflich in Königstein zu tun. Die Festungsstadt gefiel ihnen. Als sie schließlich die Goethestraße 1 im Internet zum Kauf entdeckten, zögerten die beiden Architekten, die sich unter anderem auf die Sanierung von Denkmalen spezialisiert haben, nicht lange. Seit zwei Monaten ist das Grundstück inzwischen ihr eigen.

Entkernung bis auf die Grundmauern

Eine erste Bestandsaufnahme ist bereits erfolgt. "Das Haus hat extremes Potenzial", sagt Gunkel. Die Bausubstanz ist dagegen löchrig. Große Holzbalken, die rings um die Fassade angebracht wurden, stützen das Haus. Innen ist kaum noch etwas zu retten. "Wir werden nur die Außenwände stehen lassen", kündigt Richard Mütze an. Innen wird alles leer gezogen und abgerissen. Eine Entkernung bis auf die Grundmauern ist geplant.

Was danach kommt, auch dafür haben die Architekten bereits einen Plan. Sie wollen an der Goethestraße Königsteins erstes Aparthotel eröffnen. Im Obergeschoss sollen mehrere Apartments entstehen, voll ausgestattet jeweils mit einer Küche. Im Erdgeschoss ist für die Urlauber ein Frühstücksraum vorgesehen, in dem sie in den Tag starten können. "Wir wollen zudem wieder ein richtiges Café oder Bistro einziehen lassen", kündigt Richard Gunkel an - quasi als Hommage an die ehemalige Bäckerei und das Café der Familie Loose. Der einstige Kaffeegarten am Giebel zur Stadtkirche soll zum Beispiel wieder als solcher genutzt werden. Für das Café suchen sie derzeit noch nach einem Betreiber.

Apartments, Café und Bierkeller sind geplant

Das Aparthotel wollen Mütze und Gunkel dagegen selbst führen. Es ist kein klassischer Hotelbetrieb geplant, eine Rezeption wird es zum Beispiel nicht geben. Die Urlauber bekommen die Schlüssel stattdessen per Code aus einer abgeschlossenen Box. Ein Prinzip, auf das bereits mehrere sogenannte Budget-Hotels setzen. "Die Urlauber sind dadurch unabhängig, und wir auch", sagt Gunkel.

"Alte Bäckerei" soll der Komplex später heißen. Die Investoren wollen ganz gezielt die Geschichte des Hauses mit einbinden. An der Fassade und auf den Fliesen im Erdgeschoss fanden sie zum Beispiel ein Blumendekor. Das wird nun in einem Logo aufgegriffen. Mit dem Gewölbekeller, der sich unter dem Haus befindet, verfolgen die Investoren einen weiteren Plan. Einen Bierkeller stellen sie sich vor: urig, gemütlich, schön kühl im Sommer. "Sowas fehlt in Königstein noch", sagt Richard Gunkel.

Etwa 1,5 Millionen Euro wollen die beiden Architekten zusammen mit dem Steuerberater Martin Richter, der in dieser Konstellation als Geldgeber fungiert, investieren. Noch in diesem Jahr wollen sie die Baugenehmigung für das Projekt erhalten. Dann sollen die ersten Abrissarbeiten stattfinden. "Nächstes Jahr wollen wir dann baulich Vollgas geben", formuliert es Richard Mütze. Vor allem Firmen aus der Region will er dafür gewinnen. Gunkel und Mütze haben sich durch ihren Beruf ein großes Netzwerk an Bauunternehmen aufgebaut. Obwohl deren Auftragsbücher voll seien, hätten sie Lücken gefunden. "Wir wollen nun die Gewerke in die Startlöcher bringen", kündigt Mütze an. Dann sei der Zeitplan immer noch sportlich, aber realistisch.

Haus spielt Schlüsselrolle bei der Festungsbahn

Dass sich die Investoren mit der Goethestraße 1 einen wahren Schatz an Land gezogen haben, das stellten die Dresdner erst nach dem Kauf fest. Das hängt mit der geplanten Festungsbahn zusammen. Diese soll perspektivisch die Königsteiner Innenstadt mit dem Festungsvorplatz verbinden. Neben der Bergstation am Eingang der Festung ist in der Stadt eine Talstation geplant. Und die soll genau gegenüber, an der Alten Schmiede entstehen. Dieses Objekt hatte sich Unternehmer und Gastronom Sven-Erik Hitzer gesichert, der mit um die Festungsbahn kämpft.

"Unser Haus spielt in dem Zusammenhang also eine Schlüsselrolle", sagt Richard Gunkel. Auch das wollen die Investoren nutzen. Zusammen mit Hitzer hätte es bereits Gespräche dazu gegeben. So unterstützen sie zum Beispiel die Idee, den Platz zwischen der Goethestraße 1 und der Kirche neu zu gestalten und als richtigen Platz wieder erkennbar zu machen.

Führungen zum Tag des offenen Denkmals

Wann die Festungsbahn kommt, ist bislang aber unklar. Fest steht: Im Frühjahr sollen das Aparthotel und das angeschlossene Café eröffnet werden - pünktlich zum Start in die Tourismussaison. Königsteiner, die jetzt schon neugierig auf das Projekt sind, müssen sich nicht so lange gedulden. Zum Tag des offenen Denkmals am 12. September soll die Goethestraße 1 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zwischen 10 und 16 Uhr sind kleine Führungen durch das Haus geplant.

Richard Gunkel, Richard Mütze und Martin Richter sind gespannt, wie die Königsteiner auf ihre Ideen reagieren. "Bislang gab es nur positives Feedback", sagt Richard Mütze. Auch von einer Frau, die das Haus wohl wie keine andere kennt: Anne Mühlhaus, die in der Goethestraße 1 in Königstein aufwuchs und eine der letzten Angehörigen der Familie Loose ist. Auch sie wird beim Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag dabei sein.

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