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Wie Königstein die Kultur retten will

Wegen eines Fehlers in der Ausschreibung wurde das Kulturmanagement 2020 gestoppt. Die Ideen sollen trotzdem nicht sterben - mithilfe der Königsteiner Vereine.

Königstein in Feierlaune: Zum 640. Geburtstag der Stadt 2019 organisierte die Agentur Neuland Zeitreisen ein Stadtfest. Solche Höhepunkte soll es weiter geben - auch ohne Agentur.
Königstein in Feierlaune: Zum 640. Geburtstag der Stadt 2019 organisierte die Agentur Neuland Zeitreisen ein Stadtfest. Solche Höhepunkte soll es weiter geben - auch ohne Agentur. © Daniel Förster

Keine Eisbahn im Stadtzentrum, kein Adventsfest, kein Tanzfest: In Königstein ist es im vergangenen Jahr überraschend ruhig gewesen. Das hängt nicht nur mit der Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden Lockdown zusammen, der auch die Veranstaltungsbranche hart trifft. Die kulturelle Flaute hat einen zweiten Grund: Seit einem Jahr gibt es in der Festungsstadt kein Kulturmanagement mehr.

Die Agentur Neuland Zeitreisen von Sven-Erik Hitzer hatte es im Sommer 2019 übernommen. Parallel mit dem neuen Innenstadtmanagement. Finanziert werden sollte alles über ein Preisgeld in Höhe von 400.000 Euro, das Königstein kurz zuvor gewonnen hatte. Beide Projekte starteten erfolgreich, unter anderem mit einem kurzfristig organisierten Stadtfest zum 640. Jubiläum Königsteins oder dem Klassikgarten. Nach einem halben Jahr dann die Kehrtwende. Kultur- und Innenstadtmanagement wurden wegen eines Fehlers in der Ausschreibung gestoppt.

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Wie weiter ohne Neuland Zeitreisen?

Damit endete auch die Arbeit, die Neuland Zeitreisen in die Entwicklung neuer Kulturformate gesteckt hat. Ganz auf Kultur verzichten will die Kommune dennoch nicht. Das wurde im letzten Stadtrat deutlich. In der Sitzung ging es auch um die Frage, wie es kulturell in Königstein nun weitergehen soll - ganz ohne eigenes Management.

Die Kommune plante zuletzt, das Projekt neu auszuschreiben. Von dieser Idee ist man inzwischen abgerückt. Stattdessen scheint ein anderer Vorschlag Gefallen zu finden, den Roswitha Wendt von der Arbeitsgruppe Innenstadt auf den Tisch packte. Sie hatte sich über Monate ehrenamtlich mit den Schlussrechnungen der Agentur Neuland Zeitreisen auseinandergesetzt. Dabei ging es nicht nur um Zahlen, sondern auch um inhaltliche Ideen zu neuen Kulturformaten, die mehrere Aktenordner füllen.

Idee: Vereine mit einbinden

Sie schlug vor, dass die Idee eines Kulturmanagements von Königsteiner Vereinen weitergeführt werden könnte. "Viele Vereine habe ich bereits angesprochen", sagt Roswitha Wendt. Viele hätten sich bereit erklärt, sich einzubringen. Königstein hätte das Potenzial. Es gäbe eine Vielzahl an Vereinen, die unterschiedliche Themenbereiche bedienen.

Als Beispiele zählte sie den Verein Königsteiner Lichtspiele, der das Sommerkino weiterführen könnte. Die Events rund um die Eisbahn könnten von Kanu Aktiv Tours begleitet werden. Auch Kletteraktionen wären damit abgedeckt. Hinzukäme die Theatergruppe oder die Schulen, die man ebenfalls einbinden könne. "Auch rund um Königstein gibt es Vereine und Initiativen, die man ins Boot holen könnte", sagt Roswitha Wendt.

Alternative: Preisgeld zurückzahlen

Insgesamt fünf Jahre müssten das Kulturmanagement auf diese Weise am Leben gehalten werden. Dann könnte Königstein das Preisgeld behalten. Ansonsten müsste die Summe zurückgezahlt werden. Für den Stadtrat ist das keine Option. Er sprach sich mehrheitlich dafür aus, die Kultur mithilfe der örtlichen Vereine stemmen zu wollen.

"Das Preisgeld zurückzugeben wäre grob falsch", äußerte sich Linke-Stadtrat Mario Bauch. Auch Jürgen Richter von der Bürgerinitiative Königstein sieht das so. "Ich fände es lobenswert, wenn wir das Projekt nicht sausen lassen", formulierte er.

Ziel: Kultur langfristig sichern

Dass das nicht passiert, darum wird sich im nächsten Schritt Roswitha Wendt bemühen. Sie hat bereits eine Liste mit Ansprechpartnern der Vereine auf ihrem Tisch. Diese will sie nach und nach abarbeiten und mit möglichen Unterstützern ins Gespräch kommen. "Die Stadt muss dann entscheiden, welche Projekte für Königstein am besten geeignet sind", sagte sie. Danach müsse eine Kostenplanung erstellt werden. Über die Finanzen müsse dann der Stadtrat sein letztes Wort haben. Von den 400.000 Euro Preisgeld seien laut Stadtrat Frieder Haase (Freie Wähler) derzeit noch rund 293.000 Euro übrig.

Königstein hoffte bereits bei der Zusammenarbeit mit der Agentur Neuland Zeitreisen, dass das Kulturmanagement, das ursprünglich auf zwei Jahre befristet war, einen langfristigen Effekt hat. Die Agentur sollte die Konzepte entwickeln und nach und nach lokale Protagonisten einbinden, die die Veranstaltungen später in Eigenregie weiterführen. Dieser Schritt steht nun eher an, als geplant.

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