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Königstein will mit Freifahrt Urlauber locken

Ab 2021 sollen Touristen kostenlos auf Bus und Bahn umsteigen können. Die Stadt hebt dafür die Gästetaxe an - und stellt Forderungen an den VVO.

Kostenlos mit Bus, Bahn und Fähre fahren? Touristen, die in Königstein Urlaub machen, können das ab 2021 nutzen.
Kostenlos mit Bus, Bahn und Fähre fahren? Touristen, die in Königstein Urlaub machen, können das ab 2021 nutzen. © Archivfoto: Marko Förster

Urlaub vom eigenen Auto. Auf dieses Prinzip können viele Königstein-Touristen ab Januar 2021 setzen. Denn dann führt die Festungsstadt die sogenannte "Gästekarte mobil" des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz ein. Dazu haben sich die Stadträte in der letzten Sitzung verständigt. 

Urlauber, die in Königstein übernachten, können damit die öffentlichen Verkehrsmittel des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) in der Sächsischen Schweiz nutzen, ohne eine zusätzliche Fahrkarte kaufen zu müssen. Dazu gehören die Linienbusse, die zwischen Stolpen und Bad Gottleuba sowie von Heidenau bis zur tschechischen Grenze fahren. Auch in die S-Bahn im oberen Elbtal, die Mitteldeutsche Regiobahn zwischen Pirna und Sebnitz und die Nationalparkbahn können die Touristen kostenlos umsteigen. Lediglich für die historische Kirnitzschtalbahn, das Wanderschiff auf der Elbe sowie die grenzüberschreitende Fähre Schöna-Hrensko, die als Sonderverkehrsmittel gelten, müssen extra Tickets gelöst werden. 

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Gästetaxe wird beinah verdoppelt

Finanziert wird die Mobilitätskarte über die Gästetaxe. In Königstein und seinen Ortsteilen beträgt diese bislang 1,20 Euro pro Tag. Um das Projekt zu finanzieren, muss sie um einen Euro auf insgesamt 2,20 Euro angehoben werden. Die Mehreinnahmen darf Königstein jedoch nicht für sich behalten. Ein Teil der Kurtaxe-Gelder der Kommune muss an den VVO abgedrückt werden. Denn dem Verkehrsverbund gehen durch die Mobilitätskarte Fahrscheineinnahmen verloren.

In Pirna wurde die "Gästekarte mobil" dieses Jahr eingeführt. Sebnitz wird das Konzept ab 2021 anbieten - weitere Kommunen wollen nachziehen. Königstein ist eine von ihnen. "Viele unserer Gäste sind enttäuscht, dass es  solch ein Angebot bei uns bislang noch nicht gibt", sagte Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU). In anderen Touristenregionen gehöre das bereits dazu. Eine Umfrage unter Vermietern hätte den Bedarf bestätigt: Demnach hätten sich drei Viertel für die mobile Gästekarte ausgesprochen. Die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel sei zudem ein ideales Marketinginstrument - für Königstein und die gesamte Region. 

Fahrplan soll optimiert werden

Damit die Urlauber das Auto tatsächlich stehen lassen, müsse jedoch auch der Fahrplan angepasst werden. Dafür sprach sich Linke-Stadtrat Mario Bauch aus.  "Abends fährt oft gar nichts mehr", stellte er ernüchtert fest und plädierte für kleinere Busse oder Anruflinientaxis. Davon hätten nicht nur die Touristen, sondern auch die Einheimischen etwas. Ein Argument, das auch Steffen Kurz (Freie Wähler Königstein) aufgreift. In Leupoldishain würde unter der Woche um 18 Uhr der letzte Bus fahren. Die fünf Kilometer Fußmarsch nach Königstein könne man niemandem zumuten. "Die Leute müssen den öffentlichen Nahverkehr auch nutzen können, sonst kann ich gleich das Auto nehmen", gab er zu bedenken.

Ein Problem, das auch Jürgen Richter (Bürgerinitiative Königstein) anspricht. Er hält es dennoch für wichtig, das Projekt erst einmal zu starten. Denn die mobile Gästekarte würde Königstein in Sachen sanfter Mobilität einen großen Schritt voranbringen. Die 2,20 Euro Gästetaxe seien gemessen an den aktuellen Kosten für eine Einzelfahrt, ein Tagesticket oder manche Parkgebühren "rille", wie Richter flapsig vorrechnete. 

Dresden als Partner gewinnen

Die Fraktion der Freien Wähler und der Linken konnte das bis dahin nicht überzeugen. Frieder Haase schlug deshalb vor, den Beschluss zur "Gästekarte mobil" auf die nächste Sitzung im November zu verschieben. Auch, weil er sich noch nicht ausreichend zum Projekt informiert fühle. Sein Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit. "Ich befürchte dadurch einen doppelten Imageschaden", kritisierte Jürgen Richter (BiK). Zudem renne der Kommune und dem Tourismusverband dadurch die Zeit davon. 

Länger warten wollte auch Tobias Eibenstein (CDU) nicht. "Wir brauchen die Mobilitätskarte als Signal und klaren Standortvorteil", sagte er. Dass es nach 30 Jahren als Nationalparkregion noch kein solches Angebot gäbe, sei traurig. Eibenstein sprach sich zudem dafür aus, die Stadt Dresden als Partner für das Projekt zu gewinnen. "Eine Vernetzung mit Dresden wäre ein maximaler Vorteil", befand er. Denn bis in die Landeshauptstadt reicht der Geltungsbereich der Karte derzeit nicht. Wer als Urlauber aus der Sächsischen Schweiz nach Dresden fahren will, muss für die eine Tarifzone in Dresden ein Ticket lösen.

Die Fraktion der Freien Wähler und der Linken zog sich daraufhin für eine kurze Beratung zurück - und stimmte am Ende doch für die Mobilitätskarte. Allerdings unter einer Bedingung. Und die richtet sich an den Verkehrsverbund Oberelbe als Partner. Bei den weiteren Verhandlungen sollen die Fahrpläne in den Ortsteilen optimiert werden. Ein Zusatz, den auch Bürgermeister Tobias Kummer befürwortet. "Es gibt Gebiete, wo nicht immer ein Bus fährt", sagte er.  Der Mangel sei bekannt. Genau deshalb könne und werde auch mit dem VVO nachverhandelt. 

Vorerst soll die "Gästekarte mobil" bis Ende 2023 angeboten werden. Der Tourismusverband hofft, dass sich insgesamt 13 Kommunen aus der Sächsischen Schweiz an dem Großprojekt beteiligen. In diesen 13 Städten und Gemeinden gibt es bereits eine "normale" Gästekarte des Tourismusverbandes. Mit dieser bekommen Urlauber vergünstigten Eintritt in zahlreiche Einrichtungen. Dazu gehört allerdings kein Freifahrtschein für den öffentlichen Personennahverkehr. Die neue "Gästekarte mobil" soll diese Lücke ab 2021 schließen.

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