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Königsteiner feiern "Überfall" im Namen der Freundschaft

Seit genau 30 Jahren sind die Königsteins in Sachsen und Taunus eng verbunden. Alles begann mit einer Busreise in die DDR, die eine überraschende Wende nahm.

Königstein hoch drei: Lutz Paul aus Königstein im Taunus, Hans Koch aus Königstein in der Oberpfalz, Sandsteinkönigin Rebecca Richter und Maria Matzke aus Königstein, Katja Metz aus dem Taunus und Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (v.l.).
Königstein hoch drei: Lutz Paul aus Königstein im Taunus, Hans Koch aus Königstein in der Oberpfalz, Sandsteinkönigin Rebecca Richter und Maria Matzke aus Königstein, Katja Metz aus dem Taunus und Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (v.l.). © Marko Förster

Es war ein ganz besonderes Ziel, das die Urlauber 1984 hatten. Die etwa 40-köpfige Gruppe aus Hessen fuhr nicht - wie die meisten Leute zu dieser Zeit - an die Adria oder den Gardasee - sondern in die damalige DDR.

Nach Sachsen sollte es gehen. Ein Ziel auf der streng getakteten Busreise war die Festung Königstein. Für die Hessen ein persönlicher Höhepunkt, denn sie stammten auch aus Königstein - der gleichnamigen Stadt im Taunus. Die Neugier auf das unbekannte Königstein in Sachsen war entsprechend groß. Und auch die Enttäuschung, als es hieß, die Gruppe steuert nur die Festung oberhalb von Königstein an, nicht die Stadt an sich. Zu straff war das Programm, zu fest die Regeln der damaligen Reisen in den Sozialismus, als dass davon abgewichen werden durfte.

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Reiseleiter erlaubt Abstecher nach Königstein

Den Königsteinern aus dem Taunus gelang es dennoch, den Reiseleiter umzustimmen. Auch auf die Gefahr hin, Ärger zu bekommen, rollte der Bus mit den Gästen aus dem "Westen" schließlich mitten hinein nach Königstein. Ein Besuch, der ungeahnte Folgen haben sollte.

Lediglich 30 Minuten Zeit bekam die Reisegruppe, um sich umzuschauen. In alle Richtungen strömten die Hessen aus. Ihre Mission: Sie wollten in der Kürze der Zeit so viele Königsteiner wie möglich treffen und Kontakte knüpfen. Sie klopften an Türen und stürmten Geschäfte, darunter auch die Germania-Drogerie. Geführt wurde diese von den Eltern des heutigen Bürgermeisters, Tobias Kummer (CDU). "Die Tür ging auf: Hallo, da sind wir!", weiß Tobias Kummer aus den Erzählungen seiner Eltern. Ein "Überfall" im positivsten Sinne sei es gewesen. Schnell seien Adressen und Telefonnummern ausgetauscht worden. Danach musste die Reisegruppe auch schon weiter. Der Bus wartete.

Kaum einer ahnte, dass sich aus dem 30-minütigen Kurzbesuch eine 30-jährige Freundschaft entwickeln würde. Nach dem Spontanbesuch in Königstein wurden Briefe geschrieben, Gedanken ausgetauscht. Aus Bekanntschaften wurden Freundschaften. Nach der Wende folgten die ersten Besuche. Der Weg in beide Richtungen war schließlich frei.

Königsteiner Freundschaft 1991 offiziell besiegelt

Im Mai 1991 wurde die Freundschaft nach Hessen ganz offiziell: mit einem Städtepartnerschaftsvertrag zwischen Königstein in Sachsen und Königstein im Taunus. Parallel dazu wurden die Freundeskreise der Städtepartnerschaft Königstein gegründet. 1996 kam schließlich als drittes Königstein, das Königstein in der Oberpfalz mit ins Boot, wie Tobias Kummer erklärt.

Die Städtepartnerschaftsvereine sorgten in den Folgejahren dafür, dass nicht nur zwischen den Einwohnern, sondern auch zwischen Vereinen und Institutionen Freundschaften entstanden. Regelmäßig wurden Veranstaltungen und Treffen organisiert. Dazu gehört unter anderem das sogenannte "Dreikönigstreffen", das regelmäßig in der Oberpfalz gefeiert wird.

Gefeiert wurde nun auch in Königstein. Die Festungsstadt hatte zum 30-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläum von 1991 geladen. Nicht nur aus dem Taunus kam eine Delegation nach Sachsen, auch aus der Oberpfalz. Ein Wochenende verbrachten sie in der Sächsischen Schweiz.

Beim gemütlichen Beisammensein im Malerwinkel in Königstein wurde auf die 30-jährige Freundschaft angestoßen.
Beim gemütlichen Beisammensein im Malerwinkel in Königstein wurde auf die 30-jährige Freundschaft angestoßen. © Marko Förster

Das Programm war ähnlich straff wie Mitte der Achtzigerjahre: Festakt in der Stadtkirche mit Eintrag im Goldenen Buch, Feier im Malerwinkel, Besichtigung von Schloss Weesenstein, Erntedankfest in der St. Marien-Kirche in Pirna, Stadtführung durch Königstein und Filmvorführung im Königsteiner Kino.

Heizten der Delegation aus Königstein im Taunus und der Oberpfalz ein: Kristin und Björn spielten an der Bienermühle mit dem Feuer.
Heizten der Delegation aus Königstein im Taunus und der Oberpfalz ein: Kristin und Björn spielten an der Bienermühle mit dem Feuer. © Marko Förster

"Es war ein wunderschönes Wiedersehen", sagt Ratschef Kummer. Er wünscht sich, dass die Partnerschaften aufrechterhalten werden. Der Freundeskreise in Königstein wird das leider nicht mehr leisten. Denn der Verein hat sich in diesem Jahr aus Altersgründen aufgelöst. Ein Wermutstropfen für die Festungsstadt. Der Freundschaft nach Hessen und in die Pfalz soll das aber keinen Abriss tun. Kummer hofft, dass sich die Aktivitäten auf die Jugend, auf den Nachwuchs, übertragen lassen.

Dafür gab es kürzlich eine Finanzspritze in Höhe von 12.000 Euro. Der Verein „Weltbewusst“ aus Königstein hatte die Summe bei einem bundesweiten Wettbewerb erhalten. Die Mitglieder hatten sich dort mit dem Projekt „Jugendliche gemeinsam für Königstein“ beworben. Das Projekt soll die Freundschaft auf ein neues, junges Fundament stellen und den Austausch zwischen Ost und West, insbesondere zwischen den Jugendlichen der drei Königsteins im Taunus, der Oberpfalz und Sachsen intensivieren. Erste Projekte sind bereits geplant. 2022 soll ein Jugendtreffen veranstaltet werden. Auch ein Fußballturnier ist geplant.

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