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Kräftemessen um Pfaffendorfer Sportplatz

Seit Jahren ringt Königstein um die Sanierung des Platzes in Pfaffendorf. Nach einem Veto der Freien Wähler stand das Millionenprojekt nun erneut auf der Kippe.

Der wohl schlechteste Fußballplatz im Landkreis: Der "Acker" von Pfaffendorf.
Der wohl schlechteste Fußballplatz im Landkreis: Der "Acker" von Pfaffendorf. © Steffen Unger

Der Sportplatz in Pfaffendorf hat nicht nur wegen seines schlechten Zustandes traurige Berühmtheit in der Sächsischen Schweiz erlangt. Auch der seit Jahren andauernde Kampf um eine Sanierung hat sich überregional herumgesprochen. Seit rund 15 Jahren kämpfen die Pfaffendorfer Fußballer darum, ordentlichen Rasen unter die Füße zu bekommen.

Der Untergrund, auf dem sie spielen, hat das Wort "Grün" kaum verdient. Knüppelhart ist der Boden, der eher einem Hartplatz gleicht. Spitze Steine und Grasbüschel ragen heraus. Unter den Fußballmannschaften, die hier ein Auswärtsspiel antreten, gilt er deshalb als schlechtester Fußballplatz im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Manche behaupten sogar, es sei der schlechteste Platz in ganz Ostsachsen.

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Kummers Wahlversprechen steht auf der Kippe

Ein Problem, dass der Stadt Königstein hinlänglich bekannt ist. Die Kommune hat schon mehrere Anläufe für eine Sanierung genommen. Immer scheiterten sie. Nachdem Tobias Kummer (CDU) 2015 den Bürgermeisterposten übernommen hatte, keimte neue Hoffnung. Sein Wahlversprechen: Mit ihm als Ratschef wird der Sportplatz im Ortsteil Pfaffendorf saniert.

Sechs Jahre ist das her. Gebaut wurde in Pfaffendorf bislang nicht - zu groß war der Widerstand im Stadtrat. Mit dem neuen Doppelhaushalt für 2021 und 2022, der vom Stadtrat abgenickt werden muss, nahm Kummer nun erneut Anlauf. Königstein will an der Sanierung des Fußballplatzes festhalten. Deshalb wurde das Projekt im neuen Haushalt eingeordnet - mit Gesamtkosten von rund 1,2 Millionen Euro.

Obwohl die Eckpunkte des Etats in nichtöffentlichen Klausuren mit den Stadträten besprochen wurden und es laut Bürgermeister Kummer keine Einwände dagegen gegeben hat: In der öffentlichen Sitzung löste die geplante Sanierung des Sportplatzes eine Kontroverse aus. Diese ging von den Freien Wählern aus. Stadtrat Frieder Haase (Freie Wähler) forderte, das Projekt ins Jahr 2023 zu verschieben.

Freie Wähler wollen Haushalt blockieren

Er beschrieb die Situation des Finanzhaushaltes als "dramatisch". Aktuell hätte Königstein nur noch liquide Mittel in Höhe von 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Durch die Corona-Krise seien weitere Einnahmeausfälle zu befürchten. In welcher Höhe, sei kaum kalkulierbar. Haase sprach sich dafür aus, dass Königstein angesichts der Finanzlage moderate Steuererhöhungen durchsetzen müsste. Der Sportplatz in Pfaffendorf sei eine zu große finanzielle Belastung. Zumal aktuell keiner die genauen Baukosten kenne. "Die Freien Wähler werden den Entwurf so nicht beschließen", machte Haase deutlich.

Das Kräftemessen um den Haushalt war damit eröffnet. Mehr als eine Stunde diskutierten die Räte allein über den Pfaffendorfer Sportplatz. Bürgermeister Tobias Kummer betonte erneut, wie wichtig die Sanierung sei. 14 Jahre lang sei das Projekt blockiert worden - von den Freien Wählern. Der Platz sei inzwischen der schlechteste im gesamten Landkreis und gäbe ein "lächerliches" Bild ab, wie es Kummer formulierte. "Das haben Sie mit zu verantworten", sagte er an Haase gerichtet, der bis 2015 Bürgermeister von Königstein war.

Dass 1,2 Millionen Euro in einen Verein gesteckt werden, der gerade einmal 24 Mitglieder hat, "das bereitet mir Bauchschmerzen", sagte Andreas Müller (Freie Wähler). "Wir müssen uns fragen, warum der Verein aktuell nur so wenige Mitglieder hat", konterte CDU-Stadträtin Anne Haenisch. Als Mutter zweier kleiner Kinder stelle sie sich inzwischen die Frage, in welchen Sportverein sie den Nachwuchs einmal stecken werde. In einen, der Potenzial hat. Den sieht Haenisch in Pfaffendorf - wenn der Platz entsprechend saniert ist. "Der Verein hat selbst Spenden gesammelt, ist mehr als engagiert - auch in Königstein. Diese Leistungsbereitschaft droht herunterzufallen", befürchtet sie, wenn die Kommune erneut gegen die Sanierung auf die lange Bank schiebt.

Streitereien bringen Königstein in Verruf

Dass das Großprojekt kurz vom Beschluss des Haushaltes wieder zerredet wird, konnte auch CDU-Stadtrat Tobias Eibenstein nicht nachvollziehen. Die Fragen zum Etat seien im Vorfeld gemeinsam erörtert worden. Es hätte dazu keine großen Einwände gegeben. Nun das komplette Gegenteil. "Wenn wir das Projekt schieben, führt das zu massivem Unmut im Verein. Genau deshalb gibt es den Mitgliederschwund", sagte Eibenstein. Die Unentschlossenheit und Streitereien im Stadtrat würden Königstein schaden. "Wenn Investoren mitbekommen, wie es hier zu geht, kommt keiner mehr", äußerte er.

Um die Gemüter zu beruhigen, bat Eibenstein um eine Unterbrechung der Sitzung. Jede Fraktion sollte die Zeit nutzen, um sich zu überlegen, wie es nun weiter geht. Denn mit der Androhung der Freien Wähler, den Haushalt nicht zu beschließen, wenn der Pfaffendorfer Sportplatz darin als Investition auftaucht, gab es wenig Spielraum. Auch, weil die Freien Wähler mit Mario Bauch von den Linken als Fraktion die stimmstärkste Kraft im Rat bilden.

Freie Wähler stellen finale Bedingung

Nach der kurzen Pause folgte die Entscheidung. Zuvor ergriff Frieder Haase für die Freien Wähler erneut die Stimme. "Um des Friedens willen, und damit keine anderen Projekte verhindert werden", wolle man dem vorgelegten Haushaltsplan zustimmen. Haase knüpfte das allerdings an eine Bedingung. Demnach sollen die Baukosten für den Sportplatz Pfaffendorf mit einer Sperre belegt werden, die bei einer Summe von 1,2 Millionen Euro greift. Mehr Geld soll nicht in das Vorhaben fließen. Eine Kompromis, dem sich schließlich alle Räte beugten und den Haushaltsplan einstimmig beschlossen.

Bürgermeister Tobias Kummer kann damit sein Wahlversprechen immer noch einlösen. Viel Zeit bleibt ihm allerdings nicht mehr. Denn schon im kommenden Jahr endet seine Amtszeit - und die Königsteiner werden erneut vor die Wahl gestellt.

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