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Geklauter Gedenkstein soll ersetzt werden

In Halbestadt bei Königstein ist im April ein Gedenkstein für NS-Gegner verschwunden. Naturfreunde starten nun eine Aktion, damit das nicht so bleibt.

"Die Toten mahnen" - Bild des Gedenksteins im Königsteiner Ortsteil Halbestadt vor seinem Diebstahl.
"Die Toten mahnen" - Bild des Gedenksteins im Königsteiner Ortsteil Halbestadt vor seinem Diebstahl. © NaturFreunde Sachsen e.V.

Jahrzehntelang stand er an einem Giebel der Natur- und Familienoase im Königsteiner Ortsteil Halbestadt - seit über sieben Monaten ist er verschwunden. Ende April 2020 wurde ein Gedenkstein, der an die Opfer des Faschismus erinnert, gestohlen. Der Vorfall konnte bis heute nicht von der Polizei aufgeklärt werden.

Fest steht lediglich: Der 60 mal 90 Zentimeter große Stein muss in der Zeit zwischen dem 17. April und dem 20. April entwendet worden sein. Eine Tat, die vermutlich gezielt passiert ist und vorbereitet wurde. Denn die Tafel war mit vier Eisenstäben in der Hauswand verankert und hatte einiges an Gewicht.

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Heute ein Urlauberdomizil: Die Natur- und Familienoase in Halbstadt.
Heute ein Urlauberdomizil: Die Natur- und Familienoase in Halbstadt. © Familienoase

Schwer wiegt nicht nur der Stein an sich, sondern vor allem die Botschaft, die er mit sich trägt. "Die Toten mahnen. Diese Jugendherberge wurde von März bis Aug. 1933 als Konzentrationslager missbraucht. Hier wurde Genosse Fritz Gumpert aus Heidenau von den Nazis ermordet" - diese Inschrift ist darauf zu lesen. Über dem Text ist zudem das Fackel-Logo der FIR (Fédération Internationale des Résistants) zu sehen, der internationalen Dachorganisation antifaschistischer Widerstandskämpfer.

Naturfreundehaus zu KZ umfunktioniert

Das damalige Naturfreundehaus in Halbestadt wurde nach der Machtübernahme von den Nazis beschlagnahmt und zu einem frühen KZ umfunktioniert. Die meisten Häftlinge waren Mitglieder von KPD, SPD, Sozialistische Arbeiter Partei (SAP), Kommunistischer Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) und anderer linker Parteien, Organisationen und Gewerkschaften. Fritz Gumpert, Kommunist und Antifaschist aus Heidenau, wurde im April 1933 in dem Lager in Halbestadt von einem SA-Mann umgebracht. Der Gedenkstein soll an diese Zeit erinnern.

Kritik an der Stadt Königstein

Dafür will der Verein Naturfreunde Sachsen auch weiterhin sorgen. Schon im April 2020 forderte der Verein, dass der Stein ersetzt wird. In der Pflicht sahen die Naturfreunde dabei die Stadt Königstein. Die Kommune sollte sich für die Instandsetzung des Gedenkortes einsetzen. "Leider ist bis heute von kommunaler Seite noch nichts passiert", kritisiert Almut Thomas, Landesvorsitzende der Naturfreunde Sachsen. Da die Stadt nicht reagiert habe, sehe sich der Verein somit selbst in der Verantwortung, diesem Gedenkort wieder ein würdiges Ansehen zu verleihen.

Spenden sammeln bis März

Sachsens Naturfreunde wollen in Halbestadt einen neuen Gedenkstein aufstellen. Um diesen zu finanzieren, sei man jedoch auf finanzielle Hilfe angewiesen, sagt Almut Thomas. Der Verein hat deshalb zusammen mit dem Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten Sachsen eine Spendenaktion gestartet. Diese soll bis März dieses Jahres laufen. Wenn genügend Geld zusammenkommt, soll bereits im April 2021 - genau ein Jahr nachdem der Gedenkstein gestohlen wurde - eine neue Tafel in Halbestadt aufgestellt werden.

Spendenkonto der Naturfreunde Sachsen: IBAN: DE12 8502 0500 0003 6325 00; BIC: BFSWDE33DRE

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