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Schlechtester Fußballplatz bleibt im Abseits

Der Sportplatz in Pfaffendorf hat überregional traurige Berühmtheit erlangt. Königstein hat die Sanierung versemmelt - zumindest vorerst.

Mehr "Acker" als Rasen: Der Fußballplatz in Pfaffendorf bei Königstein.
Mehr "Acker" als Rasen: Der Fußballplatz in Pfaffendorf bei Königstein. © Steffen Unger

Hartplatz - dieser Begriff beschreibt den Fußballplatz im Königsteiner Ortsteil Pfaffendorf wahrscheinlich am besten. Denn knochenhart ist der Untergrund, über den die Kicker hier sprinten müssen. Zwischen den Grasbüscheln ragen spitze Steine heraus und werden zur Stolperfalle. Bei den Mannschaften, die hier zum Auswärtsspiel antreten, gilt er deshalb als schlechtester Fußballplatz im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge - vielleicht sogar in ganz Ostsachsen.

Und das nicht erst seit gestern. "Seit Jahrzehnten ist eine Sanierung im Gespräch", sagt Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (CDU). Kummer, der als Jugendlicher selbst in Pfaffendorf Fußball spielte, wollte das Problem als Ratschef längst gelöst haben. Schon 2020 sollten die Bagger anrollen. Selbst Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kündigte Anfang 2019 finanzielle Unterstützung an. Außer Versprechen ist jedoch nicht viel passiert. Gebaut wurde im vergangenen Jahr nicht.

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Auf falschen Fördertopf gesetzt

Das hängt mit den Finanzen zusammen, wie Kummer erklärt. Die Stadt wollte ursprünglich zwei verschiedene Fördertöpfe anzapfen, um den Bau stemmen zu können. Die Sächsische Aufbaubank (SAB) hätte das Projekt mit einer Förderquote von 30 Prozent unterstützt. Eine zweite Finanzspritze bot das Programm "Brücken in die Zukunft" mit Bundes- und Landesgeldern. Hier winkten noch einmal 20 Prozent Fördermittel. Insgesamt hätten damit also etwa 50 Prozent der Gesamtkosten gedeckt werden können.

"Beide Förderanträge waren bereits bewilligt", sagt der Königsteiner Bürgermeister. Auch ein Bauantrag war genehmigt. Es hätte also losgehen können. Hätte. Denn im Zusammenhang mit dem Fördertopf "Brücken in die Zukunft" gab es einen kleinen Fallstrick, über den Königstein gestolpert ist. "Der neue Sportplatz hätte bis Ende 2020 gebaut und auch abgerechnet werden müssen", erklärt Kummer das Prozedere. Das Problem: Die Kommune wollte darüber den zweiten Bauabschnitt mitfinanzieren. Dazu gehören unter anderem der Zaun und das geplante Flutlicht. Alles hätte bis Dezember stehen müssen - womöglich bevor der erste Bauabschnitt fertig ist: mit allen Tiefbauarbeiten, der Drainage und dem neuen Kunstrasenuntergrund.

Geld in andere Projekte investiert

"Diese Reihenfolge war äußerst ungünstig", muss Tobias Kummer zugeben. Deshalb hatte man sich "schweren Herzens" entschieden, wie es der Ratschef formuliert, die Sportplatzpläne erneut ad acta zu legen. Die bereitgestellten Gelder wurden an anderer Stelle investiert - auch in Pfaffendorf. Im Herbst wurde entlang der Hauptstraße durch den Ort ein neuer Fußweg gebaut. Rund 115.000 Euro hat das gekostet.

Der Sportplatz in Pfaffendorf ist damit jedoch nicht ganz vom Tisch. Königstein will dieses Jahr den nächsten Anlauf nehmen. Dieses Mal mit Finanzhilfen nur von der SAB. Dort hätten sich die Förderbedingungen geändert. Statt 30- gibt es jetzt 50-prozentige Hilfe für Bauprojekte wie in Pfaffendorf. Der Antrag dafür wurde bereits gestellt. "Wir erwarten im März oder April eine Zusage", ist Kummer optimistisch. Im neuen Doppelhaushalt für 2021/22, der noch erstellt wird, sollen erneut Eigenmittel für den Sportplatz bereitgestellt werden. Der Bürgermeister hofft, dass der Stadtrat, der den Etat beschließen muss, dem Vorschlag der Verwaltung folgt.

Hoher Stellenwert - auch durch Corona

"Nicht zuletzt die Corona-Krise hat gezeigt, welch hohen Stellenwert der Freizeitsport hat", betont Tobias Kummer. In Königstein gäbe es keine "super moderne" Sportanlage. Auch in Struppen, Rosenthal-Bielatal, Gohrisch und Rathen, die zur Verwaltungsgemeinschaft gehören, sei man in diesem Bereich nicht optimal aufgestellt. "Wir wollen uns mit dem neuen Sportplatz in Pfaffendorf dieser Verantwortung stellen und etwas schaffen", sagt Kummer. Nur mit modernen Bedingungen im Freizeitsportbereich könne man auch Jugendliche begeistern.

Der Sportlatz in Pfaffendorf wurde in den 1930er-Jahren ursprünglich als Bad gebaut, aber nur für etwa zehn Jahre auch als solches genutzt. Das Becken wurde schließlich zugeschüttet.

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