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Königstein: Warum sich Familien abgehängt fühlen

Geht es um den ÖPNV, belegen Königstein, Gohrisch, Rosenthal-Bielatal und Struppen den letzten Platz im SZ-Familienkompass. Das soll sich ändern.

Mit dem Bus zur Schule: Im Großraum Königstein müssen Kinder und Jugendliche oft lange Fahrtwege in Kauf nehmen.
Mit dem Bus zur Schule: Im Großraum Königstein müssen Kinder und Jugendliche oft lange Fahrtwege in Kauf nehmen. © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Ohne eigenes Auto kommt man nicht weit. Das ist das nüchterne Fazit, das viele Familien aus Königstein, Gohrisch, Struppen und Rosenthal-Bielatal im Rahmen des großen Familienkompasses ziehen. In der Umfrage, die die Sächsische Zeitung gemeinsam mit der Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung initiierte, wurden im Frühjahr 2020 mehr als 14.000 Eltern in Sachsen befragt. Bewertet wurden neben dem Thema Verkehr auch die Bereiche Wohnen, Kita, Schule und Arbeit. Königstein und die drei Nachbargemeinden schneiden dabei unterdurchschnittlich ab. Und zwar nicht nur, was die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr angeht.

Das gemeinsam betrachtete Gebiet zwischen Struppen und Rosenthal-Bielatal bekommt insgesamt eine 3,1. Das ist deutlich schlechter als der sächsische Durchschnitt, der bei 2,83 liegt. Im sachsenweiten Ranking ist das Platz 141 von 146 bewerteten Gebieten. Auch landkreisweit betrachtet sieht es nicht besser aus für Königstein, Gohrisch, Struppen und Rosenthal-Bielatal: Rang 14 von insgesamt 18 befragten Regionen.

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© SZ Grafik

Repräsentativ sind die Ergebnisse des Familienkompasses zwar nicht. Sie deuten aber darauf hin, wo es in den Kommunen Probleme gibt. Ein Bereich fällt dabei besonders ins Gewicht: die Familienpolitik. Familien aus Königstein und den drei Nachbargemeinden haben diesen Bereich mit einer 3,6 bewertet - der landkreisweit schlechtesten Note. Befragte konnten dabei unter anderem angeben, wie zufrieden sie mit der Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sind. Zur Auswahl standen die Ziffern 1 bis 5. 

Der Großraum Königstein kommt beim ÖPNV auf eine 3,44. Und ist damit weit abgeschlagen, denn der sachsenweite Durchschnitt liegt bei 2,22. Familien aus der Festungsstadt selbst dürften mit dem Angebot an Bus und Bahn jedoch noch recht zufrieden sein. Denn Königstein ist an die S-Bahn angebunden, die zwischen Schöna und Meißen im Halbstundentakt pendelt. Keine 20 Minuten Fahrt dauert es beispielsweise bis Pirna, keine 40 Minuten bis zum Dresdner Hauptbahnhof. 

Kaum Busse am Wochenende

In den Königsteiner Ortsteilen Pfaffendorf oder Leupoldishain sieht es dagegen bescheidener aus. Hier rollen nur Busse des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Wer am kommenden Sonnabend zum Beispiel von Leupoldishain nach Pirna möchte, hat keine große Auswahl. Gerade einmal drei Busse gibt es im Fahrplan, der erste startet gegen 10.30 Uhr, der letzte gegen 14.30 Uhr. Davor und danach fährt nichts.

Auch die Einwohner von Gohrisch, Struppen und Rosenthal-Bielatal, die kein eigenes Auto besitzen, sind auf den Bus angewiesen. Anders als in Leupoldishain kommt in diesen Gemeinden zwar öfter ein Bus vorbei. Wer aus Rosenthal nach Pirna möchte, braucht dann jedoch Sitzfleisch. Eine Dreiviertelstunde dauert die Busfahrt in die Kreisstadt - mindestens. Je nach Anbindung auch mal über eine Stunde. Zum Vergleich: mit dem Auto braucht man für die etwa 18 Kilometer von Rosenthal nach Pirna gut 20 Minuten.

Lange Fahrtwege für Schüler

Die Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Personennahverkehr wirkt sich im Familienkompass auch auf ein anderes Thema aus: die "Große Schulvielfalt". Sachsenweit geben Familien diesem Thema im Durchschnitt eine 2,66. In Königstein, Gohrisch, Struppen und Rosenthal-Bielatal wird die Schullandschaft dagegen nur mit einer 3,93 bewertet. 

Neben den vier Grundschulen in Königstein, Struppen, Papstdorf und Rosenthal-Bielatal hat lediglich Königstein eine Oberschule. Kinder und Jugendliche aus dem Gebiet, die ein Gymnasium besuchen wollen, müssen nach Pirna ausweichen - oder Sebnitz. Schulen mit kirchlichem Träger finden sich ebenfalls erst in Pirna. Für die Schüler bedeutet das mitunter lange Fahrtzeiten - und eine Anhängigkeit von Bus und Bahn.

Verkehrsverbund soll nachbessern

Zumindest beim Busverkehr hofft Königstein auf Verbesserungen. Diese sollen sich im Zusammenhang mit der "Gästekarte mobil" des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz ergeben. Ab 2021 sollen Touristen, die in Königstein übernachten, die öffentlichen Verkehrsmittel des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) in der Sächsischen Schweiz nutzen können, ohne eine zusätzliche Fahrkarte kaufen zu müssen. Königstein unterstützt die Initiative des Tourismusverbandes, fordert vom Verkehrsverbund jedoch gleichzeitig, dass die Fahrpläne optimiert werden. Darauf hatte sich der Stadtrat in der letzten Sitzung verständigt. Auch, damit nicht nur Touristen von der Gästekarte profitieren, sondern auch die Einheimischen - und damit die Familien.

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