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Leipzig

Kohle, immer wieder Kohle

Am Dienstag stellte Intendant Enrico Lübbe das neue Programm des Schauspiels Leipzig vor. Es ist auch eine politische Aufarbeitung ostdeutscher Lebenswelten. 

Intendant Enrico Lübbe vor seiner alten Wirkungsstätte in Chemnitz.
Intendant Enrico Lübbe vor seiner alten Wirkungsstätte in Chemnitz. © László Farkas

Leipzig. Der Strukturwandel und 30 Jahre Wende sind große Themen der kommenden Spielzeit beim Schauspiel Leipzig. 

Die Uraufführung eines Stücks mit dem Arbeitstitel "Hundert Jahre Kohle" von Hans-Werner Kroesinger soll den Braunkohleabbau in Mitteldeutschland vertieft darstellen, sagte Intendant Enrico Lübbe bei der Vorstellung des neuen Programms am Dienstag in Leipzig.

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Auch verschiedene Performances auf der Bühne "Residenz" widmen sich dem Thema. Rund um die Aufführungen von Goethes "Faust" sei in der vergangenen Spielzeit deutlich geworden, "wie sehr die Situation im Leipziger Südraum die Menschen beschäftigt", sagte Chefdramaturg Torsten Buß. An die politische Debatte anknüpfend will sich darum auch die Theaterszene intensiv mit Braunkohle beschäftigen.

Insgesamt plant das Schauspiel in der kommenden Spielzeit 24 Premieren und 23 Wiederaufnahmen: "Ein sehr vollgepackter Jahresplan", wie Lübbe hervorhob. Am Tag der deutschen Einheit steht die Premiere von "Die Hermannsschlacht" von Kleist auf dem Programm. Mit Regisseur Duan David Parízek behandelt ein Tscheche den deutschen Gründungsmythos. 

"Er kann sehr toll mit Sprache umgehen", hob Lübbe hervor. Zum Lichtfest werde dann am 9. Oktober "89/90" von Claudia Bauer wieder ins Programm des Schauspiels aufgenommen.

Die Hausregisseurin widmet sich in der kommenden Spielzeit der russischen Faust-Paraphrase "Meister und Margarita" von Michail Bulgakow. Ihr Kollege Philipp Preuss will Kafkas Roman "Das Schloss" für die Leipziger Bühne bearbeiten. 

Als Familienstück ist eine Inszenierung von Hans Christian Andersens "Die Eisjungfrau" von Stephan Beer geplant. Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" will Moritz Sostmann auf die Bühne bringen. Markus Bothe inszeniert mit Euripides' "Medea" ein antikes Stück.

"Wir wollen das Gemeinsame, Verbindende finden", betonte Lübbe. Die Spielzeit 2019/20 stehe unter dem Motto "Miteinander / Ensemble". Auch darum seien wieder Auftritte in der ganzen Stadt und im Leipziger Umland geplant, ebenso stehen Kooperationen an: etwa bei dem Stück "Triple Bill" mit dem Leipziger Ballett. 

Nach Angaben Lübbes war das Haus in der vergangenen Spielzeit bei eigenen Veranstaltungen zu 78 Prozent ausgelastet, etwas mehr als im Vergleichszeitraum im Jahr zuvor. (dpa)