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Kohlegegner stürmen Kraftwerk Schwarze Pumpe

1600 Aktivisten aus ganz Europa besetzen auch einen Tagebau. Das hatte ernste Folgen für die Stromproduktion.

© Davids/F. Boillot

Von Tilo Berger

Lausitz. Nach einer 24-stündigen Blockade am Pfingstwochenende ist das Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe wieder voll am Netz. Das teilte Betreiber Vattenfall mit. Zahlreiche Kohlegegner aus ganz Europa waren am Wochenende dem Aufruf des Bündnisses „Ende Gelände“ gefolgt, den Braunkohletagebau Welzow-Süd zu besetzen und die Rohstoffzufuhr zum nahen Kraftwerk zu unterbrechen. Ihre Proteste hatten am Freitag mit der Besetzung des Tagebaus durch mehr als 1600 Öko-Demonstranten begonnen. Am Sonnabend stürmten mehrere hundert Kohlegegner das Kraftwerk Schwarze Pumpe, indem sie teilweise Zäune umwarfen oder über Absperrungen kletterten. Außerdem ketteten sich Teilnehmer an die Bahngleise zwischen Tagebau und Kraftwerk. Die Polizei nahm etwa 130 Personen vorläufig fest, die aber im Laufe des Sonntags wieder freigelassen wurden.

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Während der Blockade lief das Kraftwerk mit deutlich reduzierter Leistung, sagte ein Sprecher des Bergbau- und Energiekonzerns Vattenfall. Zahlen nannte er nicht. Nach Angaben von „Ende Gelände“ lieferte das Kraftwerk in dieser Zeit nur noch 20 Prozent seiner Kapazität, die bei 1600 Megawatt liegt. Das Anti-Kohle-Bündnis bezog sich dabei auf die Strombörse in Leipzig.

Die Blockade des Kraftwerkes hätte nach Angaben des Betreibers Vattenfall bei einer anderen Wetterlage spürbare Folgen für das Stromnetz haben können. „Es war nur ein Glücksfall, dass Wind und Sonne die fehlende Kapazität des Kraftwerks Schwarze Pumpe aufgefangen haben“, sagte ein Konzernsprecher am Montag. Die Aktion von „Ende Gelände“ bezeichnete er als „Eingriff in die deutsche Energieversorgung“. Die Kohlegegner waren mit ihrer Aktion zufrieden, auch wenn die Kohlefeuer im Kraftwerk nicht ausgingen. „Die Symbolik des totalen Abschaltens wäre auch noch schön gewesen, aber unsere politischen Ziele haben wir auch so erreicht“, sagte Mit-Demonstrant Tadzio Müller der Deutschen Presse-Agentur. Man habe 24 Stunden lang das Kraftwerk isoliert und 48 Stunden lang den Tagebau und die Kohleverladestation blockiert. Das Bündnis „Ende Gelände“ zählte 3500 Teilnehmer.

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Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) nannte die Blockierer „aus ganz Europa anreisende Rechtsbrecher“. Er sprach von „illegalen Aktionen in Form einer anmaßenden Form von Selbstjustiz“. Die Proteste in der Lausitz waren Teil der weltweiten Aktionsreihe „#breakfree2016“, die sich gegen die Verstromung fossiler Rohstoffe wie Kohle und Öl richtet und damit aus ihrer Sicht für mehr Klimaschutz einsetzt. (mit dpa)

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