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Kohlezug entgleist auf Kraftwerksgelände

In Schwarze Pumpe haben Unbekannte die Gleise manipuliert. Vermutlich besteht ein Zusammenhang mit der Protestaktion vom Wochenende.

© Ende Gelände/Pay Numrich/dpa

Von Irmela Hennig

Lausitz.Auf dem Betriebsgelände von Vattenfall in Schwarze Pumpe in Brandenburg sind mehrere Gleise manipuliert worden. „Es ist deswegen ein Kohlezug entgleist“, sagt Unternehmenssprecher Thoralf Schirmer am Dienstag. „Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen, weil der Zugführer sehr langsam gefahren ist.“ Bei einer Überprüfung anderer Gleisanlagen fanden die Mitarbeiter weitere Manipulationen, eine davon auf einer Kohlebrücke über der Bundesstraße 97. „Wenn dort ein Zug entgleist wäre, hätte das dramatische Folgen gehabt“, vermutet Schirmer.

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Noch ist der Energiekonzern dabei, das Unternehmensgelände des Kraftwerks Schwarze Pumpe zu untersuchen. Gefunden haben die Mitarbeiter unter anderem eine Bombenattrappe und jede Menge Müll. Insgesamt seien die Schäden erheblich. „Aber nicht so, dass wir sie nicht beheben können“, so Thoralf Schirmer. Inzwischen läuft der Betrieb wieder normal. Eine Schadenssumme konnte der Konzern noch nicht nennen.

Zu Pfingsten hatten rund 3 500 Teilnehmer einer Anti-Kohle-Aktion für 24 Stunden das Kraftwerk isoliert und 48 Stunden lang den Tagebau und die Kohleverladestation blockiert. Zeitweise lief das Kraftwerk mit verminderter Leistung. Vattenfall hat Anzeige gegen unbekannt erstattet, unter anderem wegen Hausfriedensbruchs, schweren Landfriedensbruchs, Nötigung. Die Polizei in Brandenburg ermittelt nach eigenen Angaben gegen 130 Tatverdächtige wegen Landfriedensbruchs, gegen zwölf Personen gab es Anzeigen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, gegen 38 Personen unter anderem wegen Sachbeschädigung an den Gleisen.

Die Organisatoren des Protests gegen die Kohleverstromung distanzierten sich auf SZ-Nachfrage von den Gleismanipulationen. „Wir haben immer gesagt, dass wir nichts tun, was Menschen schädigt oder in Gefahr bringt“, so Sprecherin Hannah Eichberger. Das Bündnis „Ende Gelände“ zog insgesamt eine positive Bilanz. Unterstützer aus Polen, Tschechien und Schweden hätten sich der Aktion angeschlossen. Ein zusätzlich zur Besetzung des Kraftwerks organisiertes Klimacamp habe rund 4 000 Interessierte angelockt. Und das trotz des teilweise schlechten Wetters. „Ende Gelände“ hofft, dass der schwedische Staat den Vattenfall-Verkauf überdenkt.

Vattenfall will die deutschen Tagebaue und Kraftwerke an den tschechischen Konzern EPH veräußern. Dem gehört bereits das Bergbauunternehmen Mibrag mit Geschäftssitz in Sachsen-Anhalt. Endgültig ist noch nichts. Zwar hatte sich EPH in einem Bieterverfahren durchgesetzt. Doch die schwedische Minderheitsregierung muss dem zustimmen. Zurzeit setzt die sich zusammen aus Sozialdemokraten und Grünen.

Gegenüber der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter hatten einige Mitglieder der Grünen geäußert, dass sie alles unternehmen wollen, um einen Verkauf von Vattenfall Deutschland an die Tschechen zu stoppen. Eine Anfrage an EPH, ob die Protestaktion die Kaufentscheidung beeinflusst, blieb am Dienstag unbeantwortet. Neben den Kohlekritikern meldeten sich auch Gegner der Gegner mit einer spontanen Demonstration zu Wort. Angestoßen hatte sie der Spremberger Benny Stobinski von der Stadtratsfraktion „Der andere Weg“. Er sei kein Kohlelobbyist.

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Doch die Art des Protests der Kohlegegner, dieser Sturm auf das Kraftwerk, habe zu einer extrem angespannten Stimmung in der Stadt geführt. „Ich hatte das Gefühl, wir müssen etwas tun, um Druck aus dem Kessel zu nehmen.“ Über Facebook rief er zu einer Demo am Sonnabend auf, die er dann bei der Polizei mit 100 Teilnehmern anmeldete. In Minuten wurde die Botschaft Hunderte Male geteilt und auch über Nachrichtendienste wie Whatsapp verbreitet. Dann kamen rund 2 000 Menschen vors Kraftwerk und demonstrierten weitgehend friedlich für den Erhalt von Arbeitsplätzen. Stobinski selbst wünscht sich für die Region einen organisierten, von den Bundesländern gemanagten Strukturwandel.