merken

„Komm her, du kleener Dixie“

Der Görlitzer Hans-Jürgen Dörner ist einer der ganz Großen des deutschen Fußballs. Am Montag wird er 65.

Von Ralph Schermann

Görlitz. Am 25. Januar wird wieder gefragt: Warum nennt man Dixie eigentlich Dixie? Gemeint ist Hans-Jürgen Dörner, der am 25. Januar 65 Jahre alt wird. In fröhlicher Runde dürfte man sich erinnern, wie die drei älteren Brüder Dörners einst riefen: „Na komm her, du kleener Dixie, kannst mitspielen.“ So erklärte es Dörners Mutter einst schon beim beliebten „Außenseiter – Spitzenreiter“ im DDR-Fernsehen.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Eigentlich aber ist Dixie der Name eines kleinen Autos. „Hans-Jürgen war wohl genau so flott“, überlegt später die Görlitzer Schiedsrichterlegende Hans Schulz. Und Hans-Jürgen spielt nicht nur mit, sondern bald viele an die Wand. Dixie nennt ihn aber nur die Fußballwelt. „Zu Hause gab es diesen Namen nie, da hieß es nur Jürgen, manchmal auch Hans-Jürgen“, sagt Dixies Ehefrau Eva. Und wird in der Geburtstagsrunde sicher auch daran erinnern, dass sie beim Kennenlernen ihres Hans-Jürgen noch gar nicht wusste, was der für die Fußballnation schon damals, 1970, für eine Sportskanone war. Und wie die geplante Hochzeit wegen eines Pokalendspiels in Berlin verschoben werden musste.

Das Paar lernte sich in Freital kennen, Görlitz aber ist und bleibt Dixies Heimatstadt, die tatsächlich noch immer ein wenig von dem Spitzenathleten profitiert. Dixie ist übrigens nur eine Namensgebung unter vielen. Berühmt wurde vor allem jene Einordnung der westlichen Presse als „Beckenbauer des Ostens“. Und noch heute streiten sich gelegentlich Fußballexperten, ob denn der Dörner „nur“ ebenbürtig oder vielleicht sogar doch besser war als jener Kicker, den man als „Kaiser“ hofierte. Tatsächlich gilt Dixie, der Görlitz mit Starglanz beschenkte, als Genie, wurde aber nie verkultet, wollte nie eine Ikone sein.

Am 25. Januar wurde er also in Görlitz geboren, auf der Spremberger Straße, als Sohn einer Verkäuferin und eines Glasbläsers. 1951 war das. Er erreichte, nach einer Ausbildung zum Zerspaner und dem Abitur den akademischen Grad des Diplomsportlehrers. In seiner aktiven Karriere als Fußballer von 1969 bis 1985 für Dynamo Dresden wurde er fünfmal Meister, fünfmal Pokalsieger und absolvierte 65 Europapokalspiele. Als Kapitän der Nationalmannschaft der DDR bestritt er hundert Länderspiele, wurde 1976 Olympiasieger und nach der Wende als Trainer Vize-Europameister mit der A-Nationalmannschaft. Bereits während seiner aktiven Laufbahn arbeitete er als Trainer in Dresden und später als Cheftrainer in Bremen, Zwickau, Kairo, Leipzig, Radebeul. Zudem eröffnete er 2004 die Dixie Dörner Fußballschule und fungierte bis zum Jahr 2011 als sportlicher Berater der SG Dynamo Dresden.

Bei all den Erfolgen waren Heinz, Horst und Norbert mit dabei. Die Dörner-Brüder der Jahrgänge 1934, 1935 und 1943 verfolgten, was im Radio und am Bildschirm über den Nachzügler, den „kleenen Dixie“, zu erhaschen war. Fußball gespielt wurde schon immer im Hause Dörner. „Gebäbbelt“ hieß das, und zwar auf Höfen und Straßen; Autoverkehr störte damals kaum. Die „Großen“ sind indes nie über die DDR-Bezirksliga hinausgekommen. Nur Norbert Dörner kickte mal fünf Spiele bei Motor Görlitz, als die Mannschaft 1965 in der DDR-Liga spielte. Später profitierten die Brüder von ihrem jüngsten, als er sie mit Karten für jedes seiner Europacup-Spiele versorgte. Und auch Hans Schulz versuchte trotz seiner ständigen Wochenendeinsätze als Schiri, stets über den Görlitzer Superfußballer im Bild zu bleiben. „Über 70 Jahre musste ich alt werden, um alle vier Dörner-Brüder mal auf einem Haufen zu erleben“, freut er sich, als es 2008 endlich mal mit einem gemeinsamen Treffen klappt. Da wurde ein lange gehüteter Wimpel von 1969 überreicht, von einem Turnier, bei dem beide Fußballer-Legenden tatsächlich mal gemeinsam auf einen Rasen liefen.

Weiterführende Artikel

Der Dixie

Der Dixie

Warum Hans-Jürgen Dörner nicht der „Beckenbauer des Ostens“ ist – eine Betrachtung zu seinem 65.

Heute ist keiner der fünf Herren mehr im Fußball aktiv. „Ich habe alles gern gemacht, meine Fußballära nie bereut. Aber ich würde es heute nicht mehr machen, denn es ist eine völlig andere Zeit“, fasst es der Dynamo-Dresden- und DDR-Nationalmannschafts-Star zusammen, der Olympiasieger von 1976, der einst dreifache Fußballer des Jahres und der jetzt 65-Jährige. Der Dixie eben. Herzlichen Glückwunsch!