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Wirtschaft

Kommen die Nachtzüge zurück?

Alte Schlafwagen und ausgelegene Pritschen brachten Millionenverluste. Vor drei Jahren zog die Bahn die Notbremse. Nun setzt ein Umdenken ein.

Blick in einen Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf der Fahrt von Zürich nach Hamburg.
Blick in einen Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf der Fahrt von Zürich nach Hamburg. © Christian Beutler/KEYSTONE/dpa

Berlin. Einsteigen, einschlafen - aufwachen, aussteigen: In Mitteleuropa reisen immer mehr Menschen in Nachtzügen. Nun gibt es Überlegungen, das Angebot weiter auszubauen. Auch die Deutsche Bahn ist beteiligt; sie hatte das Geschäft vor drei Jahren abgestoßen. Für einen möglich Wiedereinstieg erhält der Staatskonzern jetzt die Rückendeckung des Eigentümers. "Ich bin dafür prinzipiell offen", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) der Deutschen Presse-Agentur und verwies auf laufende Gespräche mit den Staatsbahnen Österreichs und der Schweiz.

In welcher Form sich die Deutsche Bahn engagieren könnte, ist noch offen. Es helfe kein Schnellschuss, warnte Scheuer. "Wenn wir wieder Nachtzüge bereitstellen, brauchen wir auch die entsprechenden Züge dafür." Die Bahn hatte ihre rund 40 Jahre alten Schlaf- und Liegewagen 2016 den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) vermacht, weil sie damit regelmäßig Verluste einfuhr. Die Österreicher investierten dagegen in das Geschäft und ließen neue Züge bauen.

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Die ÖBB lässt ihre Nachtzüge durch Deutschland, Italien, die Schweiz und Österreich fahren, von Mitte Januar an auch bis Brüssel. 2019 seien die Fahrgastzahlen um etwa 10 Prozent gestiegen, sagte ein Sprecher. Die ÖBB erwirtschafteten damit ein leichtes Plus. Mit gut eineinhalb Millionen Kunden bleibt es zwar ein Nischengeschäft, Konzernchef Andreas Matthä hält aber Ausschau nach weiteren Wachstumsmöglichkeiten.

Derzeit sei kein eigenes Angebot mit klassischen Schlaf- und Liegewagen geplant, hatte die Deutsche Bahn zum Jahreswechsel klargestellt. Allerdings werden unterschiedliche Kooperationsmodelle diskutiert, wie ÖBB-Chef Matthä kürzlich der "Wirtschaftswoche" sagte. "Wir könnten stärker beim Ticketvertrieb zusammenarbeiten oder Nachtzüge gemeinsam betreiben." Man könne die Expansion auch in einem Gemeinschaftsunternehmen vorantreiben.

Vor dem Hintergrund der Klimadebatte wollen auch die Schweizerischen Bundesbahnen mehr Nachtzüge und dafür die Zusammenarbeit mit den ÖBB vertiefen, wie ein Sprecher sagte. Zürich sei nach Wien die zweitgrößte Drehscheibe für Nachtzugfahrten in Europa. Neue Strecken könnten auch durch Deutschland führen.

© Bodo Marks/dpa

Die Deutsche Bahn lässt ihre Kunden derweil nachts in Intercity und ICE im Sitzen reisen. "Zudem unterstützt die DB AG die klassischen Nachtzugverkehre andere Anbieter, zum Beispiel mit Lokomotiven, mit Personal sowie im Vertrieb", antwortete der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. "An dieser zweiteiligen Strategie wird die DB AG festhalten."

Der FDP-Verkehrspolitiker Oliver Luksic kritisierte: "In Deutschland schläft die Bahn, in Österreich der Kunde - und kommt dabei noch ausgeruht und pünktlich ans Ziel." Die Bahn solle sich an den ÖBB ein Beispiel nehmen. "Gerade im gehobenen Segment ist Komfort für Reisende ausschlaggebend und der Nachtzug mit Schlafwagen eine attraktive Alternative zum Flugzeug." Spannend wäre dafür etwa eine Verbindung Berlin-Paris - die hatte die Bahn 2014 eingestellt.

Scheuer sagte: "Die entscheidende Frage ist: Was macht Bahnfahren attraktiver?" Der Komfort müsse besser werden. "Wie kann ich die Zeit am besten nutzen, wenn ich zum Beispiel vom Passau nach Berlin fahre? Kann ich diese fünfeinhalb Stunden auch nachts nutzen, um mich zu erholen, oder fahre ich lieber tagsüber und nutze die Zeit, um zu arbeiten?"

Nach Ferlemanns Angaben hatte die Deutsche Bahn nach 2016 ihre verbliebenen 81 Schlafwagen verkauft. Wie teuer es wäre, in das Nachtzuggeschäft wieder einzusteigen, konnte er nicht sagen. Für die speziellen Fahrzeuge müssten auch die Werkstätten und Reinigungsanlagen umgebaut werden. "Hierfür wären hohe Investitionen notwendig."

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Bislang war der Bund zurückhaltend. "Aufgrund des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses" plane man nicht, dafür Geld bereitzustellen, ergänzte Ferlemann in seiner Antwort von Anfang Dezember. Die Regierung begrüße die Kooperation mit Eisenbahnen, die solche Spezialverkehre wirtschaftlich betreiben könne. (dpa)

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