merken

Kommen sie oder kommen sie nicht?

Die Chorener schauten sich im Notquartier für Asylbewerber in der ehemaligen Schule um. Dabei blieben Fragen offen.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

Choren. Am Ende des Rundgangs gab es temperamentvolle Diskussionen. „Ich muss mir meinen Herd selbst kaufen und auch den Kühlschrank. Mit schenkt der Staat nichts“, sagte ein älterer Mann, der mit Henning Homann diskutierte. Der SPD-Landtagsabgeordneten hatte mit seinem Hinweis auf die spartanische Ausstattung den Widerspruch des Besuchers auslöste. Eine Menge Leute hatten sich in der ehemaligen Schule umgeschaut, die als Notquartier für Asylbewerber dienen soll.

Anzeige
Nicht verpassen: Die SZ-Auktion startet bald
Nicht verpassen: Die SZ-Auktion startet bald

Ab 6. November warten bei der SZ-Auktion wieder tolle Schnäppchen, ob als Geschenk oder für einen selbst. Gleichzeitig wird damit der regionale Handel unterstützt.

Duschkabinen wurden in die Waschräume eingebaut.
Duschkabinen wurden in die Waschräume eingebaut. © Dietmar Thomas
Den Bewohnern stehen ausreichend Kochmöglichkeiten zur Verfügung.
Den Bewohnern stehen ausreichend Kochmöglichkeiten zur Verfügung. © Dietmar Thomas

Über dem künftigen Notquartier schweben mehr Fragezeichen, als man annehmen dürfte. Jens Liebscher, einer der Sprecher der Bürger, sagte, dass er einen Anruf von Sachsens stellvertretendem Regierungschef Martin Dulig (SPD) bekommen habe. In der kommenden Woche sollen keine Asylbewerber einziehen. Das Konzept für die Notunterkunft solle auf den Prüfstand gestellt werden. Und es würden vor allem Familien untergebracht. Liebscher hatte am Vorabend eine Petition an Dulig übergeben.

Listen kommen am Freitag

Peter Schubert vom Landratsamt Mittelsachsen war sichtlich verwirrt. Er wusste davon nichts und hatte vorher einen ganz anderen Fahrplan verkündet. In der kommenden Woche, voraussichtlich am Dienstag, werden die ersten Bewohner einziehen. Erst einmal nicht bis zu 80, wie bisher angekündigt, sondern 30 bis 40. Die derzeitige Situation mit relativ wenigen Zuweisungen lasse das zu, so Schubert.

Wer kommt, ob alleinstehende Männer oder Familien, das konnte er nicht sagen. Frühestens am Freitag kommen die Listen mit den Asylbewerbern, die dem Landkreis zugewiesen werden.

Das Schulhaus ist bereit für die ersten Bewohner. Zumindest die beiden unteren Etagen sind weitgehend fertig eingerichtet – mit dem absolut Notwendigen, wie Schubert betonte. Die Toiletten werden weiter genutzt, Duschen wurden in den Waschräumen zusätzlich eingebaut, sodass Duschcontainer unnötig sind. Die Asylbewerber schlafen in Doppelstockbetten in den unveränderten Räumen der Schule.

Asylbewerber sind Selbstversorger

In den Vorbereitungsräumen kommen vier Leute unter, in den großen Kabinetten bis zu 14. In den Schlafräumen stehen auch die Kühlschränke, die Küchen wurden mit Herden und Abwaschbecken ausgestattet. Fürs Wäschewaschen gibt es mehrere Waschmaschinen. Der Zaun um das Gelände fehlt noch – er konnte wegen der Witterung noch nicht errichtet werden, so Schubert. Das soll noch passieren – allerdings wird der Zaun wahrscheinlich nicht komplett fertig sein, wenn die ersten Bewohner einziehen.

Weiterführende Artikel

Chorener übergeben Petition

Chorener übergeben Petition

Eine Bürgerinitiative hat ihre Sorgen und Ängste aufgeschrieben und an Martin Dulig überreicht.

Mehr Mitspracherecht beim Asyl

Mehr Mitspracherecht beim Asyl

Im Kreistag hat sich eine eigene Arbeitsgruppe gegründet. Damit hat der Landrat auf massiven Druck reagiert.

Stadträte gegen Flüchtlinge in Choren

Stadträte gegen Flüchtlinge in Choren

Stadträte sprechen sich gegen Nutzung der Chorener Schule als Asylunterkunft aus. Rechtliche Schritte sollen geprüft werden.

200 Flüchtlinge sind zu viel

200 Flüchtlinge sind zu viel

Die Chorener wollen mit dem Landratsamt einen Kompromiss aushandeln.

Die Asylbewerber sind Selbstversorger. Der Bus wird für sie an einer extra eingerichteten Haltestelle auf dem Gelände halten. Der Schulbus ist einer der Punkte, um die sich die Befürchtungen der Chorener drehen – neben denen vor steigender Kriminalität und Belästigungen. Sie werde ihre Kinder nicht im Bus mit Asylbewerbern fahren lassen, sagte eine Frau erregt. Es soll allerdings auch eine Alternative geben: An drei Tagen in der Woche will der Fahrdienst des DRK einen Shuttledienst anbieten, sagte eine Vertreterin des Heimbetreibers GSQ. Der müsse von den Bewohnern selbst bezahlt werden.