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Kommentar: Bis zum Lebensende freiwillig im Knast

Jürgen Müller über straffällige Rentner.

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Der Fall des verhinderten Coswiger Hammermörders gibt jede Menge Rätsel auf. Das größte ist: Warum wollte der Mann einen 77-jährigen Nachbarn töten? Der Angeklagte lässt sich dazu nicht ein, schweigt beharrlich. Nach allem aber, was bisher die Beweisaufnahme erbrachte, könnte ein mögliches Motiv sein, dass er mit seinem Leben, seiner Einsamkeit, wohl auch mit seinem wenigen Geld nicht mehr zurechtkam, sich ungerecht behandelt, gemobbt, abgeschoben fühlte. Da möchte er lieber freiwillig ins Gefängnis. Dort gehe es ihm besser als zu Hause, sagte er am ersten Verhandlungstag. Er möchte eine lange Haftstrafe, am besten lebenslänglich. Lebensende im Knast.

Kann es wirklich sein, dass jemand, der keinerlei psychische Erkrankungen hat, freiwillig ins Gefängnis will? Ja, sagt die Psychiaterin Dr. Kerstin Buchholz. Und nicht nur das: Sie befürchtet, dass es in Zukunft noch viel mehr Rentner geben wird, die absichtlich Straftaten begehen, um in Haft zu kommen. Weil sie mit ihrer Rente nicht aus- und mit ihrem Leben und der Einsamkeit nicht zurechtkommen.

Nur eine Horrorvision? Das wird sich zeigen. Klar ist, dies wäre ein Totalversagen von Politik und Gesellschaft, in der alte Menschen alleingelassen, abgeschoben und mit einer mickrigen Rente abgespeist werden. Um das zu verhindern, ist es nicht zu spät. Aber es ist fünf vor Zwölf.