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Kommentar: Die Schuleist ein Geschenk

Peter Anderson über Schulschwänzen und seine Ursachen

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Lesen und Schreiben – das sind für Frau Werner zwei hohe Güter gewesen. Die Dresdnerin half in meiner Kindheit der Familie im Haushalt. Lesen und Schreiben hatte sie dabei nicht etwa in der Schule gelernt, sondern später auf einer ihrer Arbeitsstellen. Bildung wurde von ihr geschätzt als ein Mittel, es im Leben zu etwas zu bringen, seinen Weg zu machen.

Ähnlich haben sehr viele, sogenannte „einfachere“ Menschen gedacht, die Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurden. Abendschulen boomten damals. Die Leute lernten nach der Arbeit beim schwachen Licht einer Petroleumlampe, brachten sich gegenseitig etwas bei, freuten sich über Abschlüsse und Diplome.

Heute scheint mir Bildung nicht mehr derart geschätzt zu sein. Ein Ausdruck dafür sind für mich die hohen Zahlen von Schulschwänzern sowie Schul- und Lehrabbrechern. Neue Schulformen, individuelle Lehrmethode, kleine Klassengrößen sollen jetzt herhalten, um diese bedauernswerten Kinder und Jugendlichen mit viel Geld und Aufwand zum Lernen zu animieren. Am Ende spendieren wir ihnen vielleicht noch einen Alphabetisierungskurs während eines Abenteuer-Segeltörns zu den Malediven?

Erfolg wird das nicht haben. Statt Demut zu lehren, werden so Anspruchshaltungen gezüchtet. Wer Schule und Lehrer als überflüssig betrachtet, wird auf diese Weise keine Achtung vor unserem Bildungssystem erlernen. Manchmal bedarf es eines veritablen Misserfolges, um die wahren Werte im Leben zu erkennen.