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Kommentar: Die Straße ist eine Nummer zu groß

Thomas Mielke über die Pläne für die Verlängerung der B178n

© SZ Thomas Eichler

Thomas Mielke

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Dass für die nördliche Oberlausitz jetzt Pläne für die Zeit nach der Kohle entworfen werden, ist richtig. Dass dazu eine tragfähige Infrastruktur gehört, ist auch klar. Aber muss es gleich der Neubau einer vierspurigen Schnellstraße sein? Die Forderung der Interessengruppe B178 lautet, zukunftsorientierte Angebote zu unterbreiten statt sich am aktuellen Bedarf zu orientieren. Übersetzt: Baut die Straße, denn zukünftig könnte sie in diesem Umfang gebraucht werden. Diese Argumentation dürfte bei vielen außerhalb der Oberlausitz auf Verwunderung stoßen: Wie soll man den Planern, Geldgebern und und und schlüssig erklären, dass man mal eben eine Straße auf den Verdacht einer späteren Nutzung bauen will? Zudem bröckeln im Westen der Republik die Autobahnbrücken, stehen viel mehr Fahrzeuge im Stau als zwischen Rügen und Fichtenberg. Und dann soll nach fast 30 Jahren, in denen der Osten bei Infrastrukturbauten bevorzugt wurde, Geld für eine autobahnähnliche Straße abgezweigt werden, die durch eines der dünnbesiedeldsten Gebiete des Landes führen würde? Ganz zu schweigen davon, dass die Trasse das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zerschneidet. Was allein dieser Fakt für Proteste und Gerichtsprozesse nach sich ziehen würde, ist beim inzwischen 15 Jahre länger als geplant dauernden Bau der B178n im Süden ansatzweise zu erahnen. Die IG will dieses Problem mit neuen Gesetzen lösen. Das auf nationaler Ebene durchzubringen, dürfte schon schwer werden, auf EU-Ebene – die dabei ein Wörtchen mitzureden hat – fast unmöglich sein. Für die meisten Autofahrer – mich eingeschlossen – und für viele Firmen mag die vierspurige Verlängerung wünschenswert sein. Doch bei nüchterner Betrachtung muss man konstatieren: Das Vorhaben ist überdimensioniert. Dann lieber den Kreis-Norden mit einer schnellen Verbindung an die B96 anschließen. Die ist in Brandenburg bereits dreispurig ausgebaut, die Ortsumgehung Spremberg ist fertig, in Sachsen wird an der Ortsumgehung Hoyerswerda gebaut... Und für die Autofahrer aus dem Süden ist es nicht schlimm, auf der A4 15 Kilometer weiter nach Westen zu fahren und dann nach Norden abzubiegen.