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Kommentar: Diese Protestler sind nicht friedlich

Tilo Berger über die Pfingstaktionen im Braunkohlerevier

Pfingsten feiern die Gläubigen die Entsendung des Heiligen Geistes. Pfingsten 2016 bekam die Lausitz ungebetenen Besuch von anderen Geistern, denen nichts heilig ist. In ihrem Glauben, damit das Weltklima zu retten, tanzten sie auf Förderbändern im Braunkohletagebau Welzow-Süd, besetzten Bagger, ketteten sich an Gleise der Kohlebahn und drangen gewaltsam ins Kraftwerk Schwarze Pumpe ein. Und, was haben sie erreicht?

Die Kohlegegner haben es geschafft, 24 Stunden lang Lieferungen des Rohstoffs vom Tagebau zum Kraftwerk zu verhindern. Der Energieriese musste seine Leistung drosseln, um wenig Kohle zu verbrauchen und die Feuer am Lodern zu halten. Das kann sich das Bündnis „Ende Gelände“ auf die Fahnen schreiben.

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Sie haben es aber auch geschafft, die Mehrheit der Lausitzer gegen sich aufzubringen. Mag eine spontane Gegen-Demo mit rund 2 000 Teilnehmern noch relativ klein erscheinen, sprechen doch unzählige Kommentare im Internet eine deutliche Sprache. Deren Tenor: Auf solche Besucher können wir verzichten, die helfen der Lausitz nicht weiter. Viele Kommentare machten auch deutlich, dass viele Menschen nach wie vor wissen, was sie an und mit ihrer Kohle haben – sowohl im Stromnetz als auch in der Brieftasche. Die Bedeutung der Kohle wird abnehmen, aber noch sorgt sie für Energie, wenn Sonne und Wind Pause machen. Der seit 1990 laufende Strukturwandel in der Lausitz geht weiter, das muss der Region niemand von außerhalb sagen.

Die Öko-Demonstranten haben es außerdem geschafft, dass sich der Bergbau- und Energiekonzern in Zukunft besser auf solche Anlässe vorbereiten wird. Das Unternehmen heißt bald nicht mehr Vattenfall, aber das tut hier nichts zur Sache.

Die Kohlegegner haben es ferner geschafft, dass ihnen niemand mehr glaubt, wenn sie die Worte „friedlich“ und „gewaltfrei“ in den Mund nehmen. Die Organisatoren von „Ende Gelände“ mögen ja in friedlicher Absicht gekommen sein, viele ihrer Jünger hingegen nicht.

Unterm Strich steht ein Pfingstwochenende, wie es die Lausitz nicht wieder erleben möchte. Das hat übrigens auch etwas mit Fußball zu tun.

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