Merken

Kommentar: Ein dreifacher Glücksfall

Sebastian Beutler über die Pläne für das Jakob-Böhme-Museum in Görlitz

Teilen
Folgen

Es ist eine spektakuläre Idee: Die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt soll künftig die Böhme-Dauerausstellung beherbergen und so zum Museum für den Görlitzer Schuster und Philosophen werden. Und es könnte ein Glücksfall werden. Für die Kirchgemeinde, die auf diese Art die Kirche erhalten kann. Für die Stadt, die eine zusätzliche Farbe in ihrem Angebot für die Kulturtouristen erhält. Und für alle Böhme-Fans, die es durchaus gibt und dann auch einen Pilgerort zu ihrem Halbgott erhalten.

So spektakulär die Idee, ganz neu ist es nicht, Kirchenräume durch eine neue, öffentliche Nutzung eine Zukunft zu geben. Gar nicht weit weg von Görlitz, in Zittau ist das mit der alten Klosterkirche schon einmal vorgemacht worden. Sie war Teil der großen Habsburg-Ausstellung Mitte der 2000er Jahre und wird nun ebenso museal teilgenutzt, für die kostbaren Zittauer Epitaphien; Gedächtnistafeln, die riesigen Grabsteinen ähneln und an verstorbene Zittauer aus vergangenen Zeiten erinnern. Auch die Görlitzer Nikolaikirche ist als Gedenkort für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges einst umgestaltet worden und wird heute durch die Evangelische Kulturstiftung für Ausstellungen genutzt. Ähnlich stimmig könnte nun auch die Dreifaltigkeitskirche für die Böhme-Schau den passenden Ort abgeben. Vor Euphorie sollte trotzdem gewarnt werden. Es liegt vor allen Beteiligten noch viel Arbeit. Alles hängt – wie immer – am Gelde. Nur wenn es gelingt, zusätzliche Mittel nach Görlitz zu holen, kann es mit dem Böhme-Museum etwas werden. Die Arbeit hat gerade begonnen.