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Kommentar: Es bewegt sich was

Olaf Kittel über Leipziger Demos und den Bürgerdialog

Wochenlang hat Sachsen auf das Pegida-Wachstum gestarrt wie das Kaninchen auf die Schlange. Seit der großen Gegen-Kundgebung in Dresden vor elf Tagen bewegt sich was. Gestern demonstrierten in Leipzig nicht nur Legida-Anhänger, sondern Bürger aus 19 verschiedenen Gruppen. Ihre Botschaft: Nicht ihr seid das Volk, wir alle sind es. Und: Wir ticken anders, wir wollen ein weltoffenes Sachsen. Allerdings zeigt Leipzig auch, dass die Polarisierung zum Problem wird. Das Polizeiaufgebot hatte es schwer, radikale Gruppen in Schach zu halten.

Umso wichtiger, dass jetzt erste Dialogversuche unternommen werden. „Gruppe der 20“-Legende Frank Richter bemüht sich sehr darum, Innenminister de Maiziere und Kirchenmann Bohl sprachen in der Frauenkirche mit vielen Menschen. Und gestern gab es einen ersten Bürgerdialog – ein spannendes Experiment. 350 Teilnehmer diskutieren miteinander und versuchten Positionen zu Themen wie der Ausländerintegration zu erarbeiten. Tillich und weitere Promis hätte es dort nicht mal gebraucht.

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Noch weiß niemand genau, welche Dialogformen sich bewähren und was da am Ende rauskommt. Die deutsche Politik wird‘s sicher nicht umkrempeln. Aber möglichst viele Gespräche an möglichst vielen Orten könnten es schaffen, dass den Frustrierten zugehört und wenigstens ein Teil von ihnen zurückgewonnen wird. Das wäre eine ganze Menge. Es kann ja nicht nur darum gehen, dass Dresden wieder ein nettes Bild abgibt.