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Kommentar: Kräfte bündeln, lautet die Devise

Frank-Uwe Michel über die Situation der Jäger im Landkreis Görlitz

Eine Zahl ist schnell in die Welt gesetzt: 70 Prozent weniger Wildschweine sollen es sein, um der Afrikanischen Schweinepest die Chance zu nehmen, sich auch in den hiesigen Schwarzkittelbeständen auszubreiten. Dabei erfüllt diese Forderung des Bauernverbandes wohl gleich zwei Funktionen: Die Quote ist Bürde und Chance zugleich. Auch die Bauern können nicht so wirklichkeitsfremd sein, um die Möglichkeiten der Jägerschaft realistisch einzuschätzen. Gesunde Wildschweine fallen nun mal nicht von alleine um, müssen deshalb abgeschossen werden, um sie zu dezimieren. Das ist mit der begrenzten Anzahl an Jagdscheininhabern und der noch stärker limitierten Zahl der organisierten Jäger nicht zu machen. Hier wiederum sollte man die von den Bauern geforderte Abschussquote als Chance begreifen. Als Aufforderung, Veränderungen herbeizuführen.

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Zum Beispiel den Organisationsgrad der aktiven Jäger zu erhöhen, um damit gezielte Aktionen durchführen zu können. Aber auch eine stärkere Kooperation zwischen Jägern und Landwirten anzuschieben, denn schon mit der Wahl der Bodenfrüchte lassen sich die Felder zum mehr oder weniger beliebten Aufenthaltsort der Schwarzkittel machen. Schließlich muss aber auch die Diskussion mit dem Gesetzgeber neu geführt werden. Wer höhere Abschussquoten befürwortet, sollte für die dazu passenden Rahmenbedingungen sorgen. Wobei man den Tier- und Naturschutz natürlich nicht außer Acht lassen darf. Versteifen sollte man sich auf die Dezimierung der Schwarzwildbestände aber nicht. Jüngste Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass an den Autobahnraststätten und -parkplätzen weggeworfene Lebensmittelabfälle die Ausbreitung der Schweinepesterreger begünstigen und das wildlebende Borstenvieh geradezu anlocken. Heißt das nun: Auf die Lauer legen, Müllbehälter entfernen oder Reinigungstrupps durch die Gegend schicken? Wohl kaum. Kräfte bündeln kann nur die Devise sein.