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Kommentar: Lebenslänglich für die Eltern

Jürgen Müller über das Verfahren im Mordfall Anneli

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Ab heute müssen sich die Täter im Mordfall Anneli vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Dresden verantworten. Mord und erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge werden ihnen vorgeworfen. Für die Eltern der Getöteten, die nur 17 Jahre alt werden durfte, werden mit der Verhandlung alte Wunden aufgerissen, die nicht verheilt sind und auch nie verheilen werden. Was ihnen angetan wurde, kann wohl kaum ein Außenstehender wirklich nachvollziehen.

Den Tätern drohen viele Jahre Gefängnis. Auf Mord steht eine lebenslange Freiheitsstrafe. In Deutschland heißt das mindestens 15 Jahre. Stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest, kann es auch bis zu 25 Jahre gehen. Zumindest der 40-jährige Tatverdächtige hat also im für ihn ungünstigsten Falle die Chance, noch einmal ein Leben in Freiheit zu genießen. Das werden viele nicht verstehen.

Dennoch: Kein Urteil der Welt kann in einem solchen Fall Gerechtigkeit herstellen. Kein Urteil der Welt und auch kein Geld der Welt bringt den Eltern ihre geliebte Tochter zurück, kann den Schmerz lindern oder gar den Verlust ersetzen. Sie können allenfalls Genugtuung erfahren, wenn sie die Täter, die aus niedersten Motiven handelten, hinter Gittern sehen. Die Eltern der Ermordeten aber sind ihr gesamtes Leben lang gestraft. Sie bekommen durch die Tat tatsächlich lebenslänglich und nicht nur 15 Jahre.