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Kommentar: Miteinander statt übereinander reden

Jörg Richter über die Wende in einem hitzigen Gespräch

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Eigentlich hatte der Glaubitzer Bürgermeister Lutz Thiemig keine Lust, mit Stephan Kühn zu reden. Der Grünen-Politiker hatte sich bei Anwohnern der B 98 angemeldet, nachdem er sich ein paar Wochen zuvor abfällig über die geplanten Ortsumfahrungen in Glaubitz, Wildenhain und Schönfeld geäußert hatte. Kühn bezeichnete sie als „Wahlgeschenke“ des CDU-Innenministers Thomas de Maizière, der hier seinen Wahlkreis hat.

Für Thiemig war klar, der Grüne will nur Wahlkampf machen. Und das auch noch auf Kosten der Glaubitzer Ortsumfahrung, die erst seit letztem Jahr in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde. So einen Störer wie Kühn können die Glaubitzer nicht gebrauchen. Und die ersten Minuten, die Kühn über die schlechte Verkehrspolitik der Bundesregierung referierte, schienen Thiemigs Befürchtungen nur zu bestätigen.

Doch je länger das Gespräch verlief, umso eher waren beide bereit, einander zuzuhören. Die Hürde zwischen ihr da oben und wir hier unten verschwand zwar nicht, aber sie wurde kleiner. In Zeiten des Populismus tat es gut zu sehen, wie Bürger und Politiker miteinander statt übereinander redeten.

Und vielleicht haben Glaubitz, Wildenhain und Schönfeld mit Kühn jetzt einen neuen Unterstützer in Sachen Verkehrssicherheit.