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Kommentar: Nicht jeder steht zeitig auf

Steffen Gerhardt über die Entwicklungen im Handwerk

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Es ist schon paradox: Einerseits verlieren wir in jüngster Zeit jedes Jahr wieder mehr Handwerksbetriebe als neue dazukommen. Andererseits sind in unserem Landkreis überdurchschnittlich viele Handwerker tätig. Davon gemerkt habe ich bisher nichts, denn von heute auf morgen ist nicht jeder Handwerker zu bekommen. Aber dann las ich die Statistik der Handwerkskammer Dresden. In dieser steht, dass unser Landkreis mehr angemeldete Fliesenleger hat, als die Kreise Bautzen, Meißen und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge zusammen. Was für ein Phänomen! Noch dazu, wenn über 600 polnische Bürger als Fliesenleger darunter sind. Aber wo arbeiten die denn alle? Diese Frage konnte mir bisher nicht beantwortet werden.

Daher ist es mir um die Zukunft der Fliesenleger nicht bange. In den anderen Gewerken sieht es weitaus bescheidener aus. Welcher junge Mensch will heute noch Bäcker werden? Aufstehen, wenn andere erst ins Bett gehen? Das passt vielen Jugendlichen nicht, trotz einer festen Arbeitszeit und eines warmen Arbeitsplatzes. Also werden die Bäcker weiter nach Nachwuchs suchen und ihn begeistern müssen, damit dieser das Handwerk fortführt. Denn auch wenn sich die Zahl der Bäckereien im Landkreis derzeit stabilisiert hat, fallen mir spontan eine Handvoll Dörfer ein, die keinen Bäcker mehr haben – und so schnell auch keinen neuen bekommen werden.