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Kommentar: Pechstein ist ein Opfer von Sportbürokraten

Jochen Mayer über die überfällige Ansage im Endlosfall

Von wegen: Im Zweifel für den Angeklagten. Claudia Pechstein saß eine Sperre ab, die ungerecht verhängt worden war. Was gestern als Experten-Urteil nun auch vom Deutschen Olympischen Sportbund anerkannt wurde, das gab es schon vor gut fünf Jahren. Die Spezialisten-Aussagen hätten bereits 2010 die Sperre abmildern können. Aber Sportbürokraten pochten auf das Urteil. Sie erwiesen dem Leistungssport und Anti-Dopingkampf einen Bärendienst.

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Was soll man von einem Eislauf-Weltverband halten, der gnadenlos auf seine dünnen Indizien pocht, Entlastungsmaterial halbherzig oder gar nicht behandelt, Experten abbügelt? Soll man sich so einem System unterwerfen? Doch wer seinen Sport auf höchstem Niveau treiben will, hat gar keine andere Chance. Einziger Ausweg: Systemfehler müssen schnellstens getilgt werden.

Die Gelegenheit zur Korrektur des Urteils hätte das Schiedsgericht Cas gehabt. Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit war doch schon, dass die Doping-Regularien kurz nach dem Pechstein-Urteil einfach geändert wurden. Alles sah danach aus, als ob der Weltverband mit aller Macht eine Athletin aus dem Rennen nehmen wollte – warum auch immer. Pech nur, dass die biologische Uhr den Fall eben nicht geräuschlos geregelt hat. Claudia Pechstein trotzt – mit berechtigtem Trotz – dem Alter und rennt auch mit fast 43 Jahren noch bei Weltcups.

Wie unfassbar langsam die Mühlen mahlen, zeigt die unglaubliche Zeitspanne zwischen den Gutachten von 2010 und der gestrigen Ansage der Experten-Kommission. Nach fünf Jahren geht es zurück auf Feld null: Das Urteil ist ungerecht. So sagte es Professor Gerhard Ehninger bereits 2010.

Claudia Pechstein kann sich für die neue Expertenansage nichts kaufen. Noch nicht. Denn je deutlicher das Bild eines Fehlurteils wird, desto größer sind ihre Chancen auf Schadenersatz.

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