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Kommentar: Selbstmitleid ist fehl am Platz

Sachsen als „gescheiterten Staat“ zu bezeichnen, ist hanebüchener Unsinn. Dennoch läuft einiges schief im Freistaat. Selbstmitleid und Schuldzuweisungen sind deshalb keine Lösung, kommentiert SZ-Redakteurin Karin Schlottmann.

© dpa

Mit Schuldzuweisungen ist es so eine Sache. Wenn ein Fehler passiert ist, gibt es immer jemanden, der genau weiß, was falsch gelaufen ist. Besserwisserei kann ausgesprochen nervig sein. Schlimmer als die ewigen Bescheidwisser und Schnell-Kommentierer sind aber die Sturköpfe, die stets darauf beharren, alles richtig gemacht zu haben. Sie weisen Kritik als „Pauschalvorwurf“ zurück, verbitten sich Einmischung und igeln sich ein. Sachsens Regierung handelt seit geraumer Zeit nach diesem Muster. Je größer die Erklärungsnot, desto stärker das Selbstmitleid.

Das polemische Gerede über Sachsen als gescheiterten Staat ist natürlich hanebüchener Unsinn – jedenfalls für alle diejenigen, die wissen, was dieser Begriff tatsächlich bedeutet. Aber die Wahrheit ist eben auch, dass einiges schief läuft bei der Inneren Sicherheit im Freistaat. Stets beteuern alle, alle hätten alles richtig gemacht, im Sinne von: Jeder hat die Vorschriften eingehalten. So lautet auch im Kern die Erklärung des Justizministers dafür, wie es gelingen konnte, dass sich ein mutmaßlicher islamistischer Terrorist in einer Gefängniszelle aufhängen kann – trotz viertelstündlicher Kontrollen. Aber wenn das Ergebnis der Korrektheit dann trotzdem wieder ein Desaster ist? Womöglich genügt es nicht in jeder Lage, sich nur an die Vorschriften zu halten. Die Flüchtlingskrise im vorigen Jahr hat Sachsen erst in den Griff bekommen, als die Regierung in letzter Minute alle Zuständigkeitsregeln der Ministerien außer Kraft gesetzt hatte und jedem mehr Selbstverantwortung einräumte.

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