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Kommentar: Strahlend menschlich

Olaf Kittel zum Tod von Nelson Mandela

Als 1995 ein Bundeskanzler zum ersten Mal Nelson Mandela in dessen Amtssitz besuchte, kam es zu einer Begebenheit außerhalb des Protokolls. Ein deutscher Fotograf war beim Knipsen der Staatsmänner ins Stolpern geraten und samt seiner Ausrüstung rückwärts in einen Brunnen gefallen. Helmut Kohl lachte schallend. Mandela verzog keine Miene und half persönlich aus dem Wasser.

Solche kleinen, großen Geschichten kann jeder Südafrikaner und jeder Staatsmann erzählen. Sie sind Mosaiksteine, die ein Politikerbild formen, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Und das gestern ehemalige Apartheidspolitiker, die Mandela einst verfolgten, den israelischen Staatspräsidenten und das Politbüro der KP Chinas in Lobeshymnen vereinte. Joachim Gauck brachte es auf den Punkt: Die Welt hat einen Jahrhundertpolitiker verloren.

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Es sind drei Eigenschaften, die Mandela dazu gemacht haben. Zuerst seine strahlende Menschlichkeit, die weder im Kerker noch später im beinharten Politikeralltag gelitten hat. Sie wirkte immer echt. Sie war Grundlage für seine Versöhnungspolitik von Schwarzen und Weißen, von Opfern und Tätern, von Gewinnern und Verlierern, mit dem Ziel, sie alle gewinnen zu lassen. Dass ein solcher, eigentlich utopischer Ansatz trotz aller Probleme nicht scheiterte, hat sich als Politik großer Weisheit erwiesen. Zumal es nach der brutalen Haftzeit viel näher lag, Hass und Rache zu predigen. In Syrien, Afghanistan und anderen Konfliktherden dieser Welt träumen viele von einem wie ihm.

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Und schließlich war Mandela ein Mann mit ungewöhnlich starken Überzeugungen. Seine Leitbilder Menschenrechte für alle, Gerechtigkeit und Frieden haben ihm geholfen, seinen gewagten Kurs auch durchzustehen. Sie prägten das Bild eines klaren, berechenbaren und geradlinigen Politikers, obwohl er doch in der südafrikanischen Innenpolitik unzählige Kompromisse schmieden musste. Leicht hätte er, wie sein Nachfolger mit ganz ähnlicher Biografie, das Ziel aus den Augen verlieren können.

Nelson Mandela hat in seinem Leben gezeigt, was menschenmöglich ist.