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Kommentar: Verknüpfung mit Umwegen

Ralph Schermann über das erste Jahr des neuen Busbahnhofes in Görlitz

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So schnell, wie die Zeit vergeht, fährt kein Bus: Mittlerweile ist es 13 Jahre her, als erstmals die Idee aufkam, Busse direkt an die Bahnsteige des Bahnhofes fahrenzulassen. Damals gab es nur wenige, die die Machbarkeit bezweifelten. Doch sie sollten recht behalten. Das Hin und Her zum neuen Busbahnhof gilt heute als Paradebeispiel dafür, wie Projekte mal stillschweigend, mal umfangreich begründet verkleinert werden, bis von der ersten Idee nichts mehr übrig ist. Der neue Busbahnhof war sogar schon mal kurz davor, ganz unterzugehen. Zuletzt empfanden viele Görlitzer den denkmalpflegerischen Erhalt einer Mauer als Possenspiel. Besonders pikant: Dem alten Busbahnhofsstandort gab Demiani seinen Namen, jener Mann, der im 19. Jahrhundert komplette Stadtmauern infrage stellte. Schließlich aber wurde es doch noch im doppelten Wortsinn kurz und gut.

Die Zeit heilt alle Runden, und so ist von den alten Ideen keine Rede mehr. Kein Bussteig am Gleis 4, kein Fußweg direkt zum Parkhaus, keine Extra-Ausfahrt hinter der alten Post zum Jakobstunnel. Realität wurden fünf Bussteige mit keineswegs unmittelbarer Verknüpfung zu Straßen- und Eisenbahn. Immerhin: Das, was seit einem Jahr da ist, funktioniert so gut, dass alle Seiten voll des Lobes sind. Mehr muss man also von einem Busbahnhof auch gar nicht verlangen. Sogar dem alten Demianiplatz braucht niemand hinterherzutrauern: Die meisten Buslinien halten dort ja immer noch.