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Kommt das E-Auto-Werk für die Lausitz?

Sachsens Ministerpräsident trifft sich während seiner China-Reise mit dem Investor – und kehrt optimistisch zurück.

© M. Rietschel

Von Annette Binninger

Am Ende wäre die sächsische Unternehmer-Gruppe fast nicht direkt nach Dresden zurück gekommen. Als die Passagiere auf der Rückreise am Frankfurter Flughafen bereits angeschnallt in ihren Sitzen auf den Start in Richtung Heimat warteten, meldete sich der Pilot. Er fliege jetzt nach Zürich, nicht nach Dresden. Der Bus-Zubringer habe die Passagiere versehentlich am falschen Flieger abgesetzt. Also hieß es: Alle wieder raus und umsteigen.

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Es sollte die einzige Panne auf dieser größten Unternehmer-Reise werden, die die Wirtschaftsförderung Sachsen (WfS) jemals vorbereitet hat. „Alles andere als eine Urlaubsreise“, sagte WfS-Chef Peter Nothnagel, der mit seinem Team hauptverantwortlich den Austausch der 45 mitgereisten sächsischen Unternehmer mit chinesischen Firmen organisiert hatte. Mit im Gepäck hatten die Sachsen am Ende etliche neue Kontakte, einige Absichtserklärungen und auch mehr Hoffnung, dass es mit der geplanten großen E-Auto-Fabrik in der Lausitz klappen könnte. Die letzten Unstimmigkeiten um das avisierte Grundstück könnten in nächster Zeit gelöst werden – noch fehle aber die Hinterlegung des Kaufpreises, hieß es während der Reise. Doch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zeigte sich nach einem Treffen mit dem Investor in Peking optimistisch, dass der Mega-Deal mit tausend Jobs kommen wird.

Beeindruckt von der ungeheuren Dynamik der chinesischen Wirtschaftskraft kehrte auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) nach Hause zurück. „Dort geht alles schneller, und wir müssen aufpassen, dass wir ein bisschen von unserem hohen Ross herunterkommen“, sagte Dulig nach der einwöchigen Reise durch Chinas größte Wirtschaftsmetropolen. „Zu glauben, es gebe immer nur die Technologieführerschaft Deutschland und die Chinesen würden nachkommen, das stimmt nicht mehr.“ Auch sächsische Unternehmen müssten „aktiv in diese Entwicklung hineingehen, sie mitgestalten“, ermutigte Dulig. Sachsen habe einen guten Ruf in China, vor allem wenn es um Maschinen- und Autobau gehe. „Wobei die Chinesen beim Thema E-Mobilität eindeutig vorne sind – da kann man voneinander lernen.“

Wie massiv sich die explosive Wachstumsdynamik der chinesischen Wirtschaft auf Boden, Luft und Wasser ausgewirkt hat, war überall spürbar, nicht nur am morgendlichen Smog. „Das Lösen von Umweltproblemen steht in China jetzt ganz oben auf der Agenda“, sagte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU). Der Staat dränge, nehme dafür jetzt sehr viel Geld in die Hand. Doch der Handlungsdruck komme nicht nur von der Regierung, sondern auch vom sich entwickelnden Mittelstand. „Hier wird eine ganze Menge passieren, und da haben auch sächsische Unternehmen, die bereits bei der Beseitigung der Umweltschäden nach der Wende mitgewirkt haben, beste Chancen.“ Die Unternehmer müssten das aber auch selber wollen. „Man darf nicht naiv hierher fahren, muss auch seine Technologie schützen, aber vor allem: Man muss einen langen Atem mitbringen“, sagte Schmidt. „In China ist der am stärksten wachsende Markt der Welt, und da müssen wir Sachsen einfach mit dabei sein“, mahnt Schmidt. „Denn wenn wir es nicht machen, dann machen es andere.“

Und auch ein bekannter Botschafter Sachsens könnte sich bald wachsender Zustimmung in China erfreuen: Dresdner Stollen könnte neben Eibauer Bier, das bereits in China verkauft wird, zum Exportschlager werden. „Leckerer Stollen aus Sachsen könnte ein Gebäck sein, das in China durchaus ankommt. Er ist süß, er ist einfach lecker, das ist Premium, von daher sehe ich dafür perfekte Aussichten“, will die Geschäftsführerin der Bäckerinnung Sachsen, Manuela Lohse, eine mögliche Lieferung prüfen.

Die Privatbrauerei Eibau i.Sa. GmbH konnte in Shanghai neue Abnehmer für ihr Schwarzbier und Hefeweizen finden. Einstellen auf chinesische Konsumenten will sich auch der Dresdner Unternehmer Rolf Jürgen Müller mit seinen Fleischerei- und Feinkost-Produkten. Werner Deharde, Geschäftsführender Gesellschafter der Lausitzer Früchteverarbeitung GmbH aus Sohland, fand, wie viele mitreisende Unternehmen, vor allem neue, interessante Kontakte für seine Fruchtsaft-Produkte und vielleicht auch für einen Direktimport von tiefgefrorenem Obst aus China. Und manch einer der mitgereisten Unternehmer lernte auf dieser Reise einen potenziellen Geschäftspartner kennen – und zwar im Kreis der mitgefahrenen Sachsen.