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Kommt der Rettungsdienst zu spät?

In der Gemeinde Großdubrau macht man sich Sorgen um zu lange Wege für Retter.

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© Christian Essler

Von Kerstin Fiedler

Klix. Diesen Tag wird Familie Buder aus Sdier nicht so schnell vergessen. Denn an diesem Tag brauchten Yvette und Daniel Buder für ihren zweijährigen Sohn einen Rettungswagen in der Kita Am Rittertürmchen in Klix. Doch der kam – gefühlt – ewig nicht in Klix an.

Dem kleinen Tristan geht es schon am Morgen nicht so richtig gut. Der Junge geht trotzdem in die Kita. Die Eltern vertrauen schließlich den Erzieherinnen. Die wissen Bescheid, was zu tun ist, wenn ihr Sohn einen Krampfanfall haben sollte. Doch an diesem Tag ist alles anders. Yvette und Daniel Buder wissen, dass ihr zweijähriger Sohn zu Fieberkrämpfen neigt. Doch selbst die schnelle Gabe des Medikaments, das die Eltern in der Kita hinterlegten, besserte den Zustand des kleinen Tristan nicht. So riefen die Erzieherinnen die Eltern an. Daniel Buder, selbst Feuerwehrmann, meldete sofort den Notfall in der Rettungsleitstelle. „Aber eigentlich liegt Klix viel zu weit weg, als dass der Notarzt schnell genug hier sein kann“, sagt der 35-Jährige. Und so müssen Eltern und Erzieherinnen zusehen, wie sich der Junge quält. „Das waren mindestens 20 Minuten, bevor der Rettungswagen eintraf“, sagt Daniel Buder.

Bei Kindern zählt jede Minute

Doch der Einsatzbericht der Rettungsleitstelle sagt etwas anderes. Der Rettungswagen wurde genau um 10 Uhr in Bautzen alarmiert. Er ist um 10.02 Uhr ausgerückt und in der Kita in Klix um 10.13 Uhr eingetroffen. „Aus fachlicher Sicht verlief der Einsatz ohne Beanstandungen. Die Anfahrtsstrecke von der Rettungswache Bautzen zum Notfallort betrug 13 Kilometer“, heißt es in der Antwort des Landratsamtes. Die gefühlte Dauer bei einem Einsatz des Rettungsdienstes kann sich da sehr von der tatsächlichen Zeit unterscheiden. Das bestätigt auch Annett Neumann, die Leiterin der Kinderinsel Großdubrau, zu der auch die Kita Am Rittertürmchen in Klix gehört. Sie weiß, dass es für Eltern und Erzieher gerade bei den Kindern um jede Minute geht. Im Fall des kleinen Tristan haben ihre Mitarbeiterinnen alles richtig gemacht. „Die Rettungskette ist normal eingetreten, die Erzieherinnen haben sich vorbildlich verhalten“, sagt Annett Neumann. Dafür sind auch die Buders sehr dankbar.

Widrige Umstände können Ankunft verzögern

Doch Daniel Buder ist dennoch unzufrieden. Er weiß von weiteren Fällen, in denen der Rettungsdienst in der Gemeinde Großdubrau sehr lange gebraucht hat. Zum Beispiel, wenn die Feuerwehr bei Verkehrsunfällen im Einsatz war. „Der Rettungswagen braucht bis Großdubrau meist 20 Minuten.“ Die Gemeinde liege einfach zu weit weg von den Rettungswachen, sagt er. Tatsächlich ist es so, dass Großdubrau sich fast im Zentrum der vier nächstgelegenen Rettungswachen befindet. Die sind außer in Bautzen noch in Weißenberg, Königswartha und in Klitten im benachbarten Kreis Görlitz stationiert. Zwischen den Landkreisen gibt es einen Vertrag zur gegenseitigen Hilfeleistung.

Die Frist, in der rein planerisch ein Einsatzwagen in 95 Prozent aller Fälle vor Ort sein sollte, liegt bei zwölf Minuten. Doch gerade jetzt, da an vielen Straßen gebaut wird, ist es manchmal schwierig, diese Zeitvorgabe genau einzuhalten. Auch schlechtes Wetter, unklare Ortsangaben, Umleitungen oder starker Verkehr sind Ursachen für einen langsameren Einsatz. Allerdings bestätigt der Landkreis auch, dass im Notfall der Rettungswagen selbst durch eine frisch asphaltierte Fläche fahren darf. „Da ist der entstehende Schaden viel geringer, als wenn ein Menschenleben in Gefahr ist“, sagt Tilo Altmann vom Straßen- und Tiefbauamt des Kreises. Und wenn es ganz schnell gehen muss, dann kommt der Rettungshubschrauber zum Einsatz. Auch das hat Annett Neumann in der Kinderinsel Großdubrau schon erlebt. (mit ce)