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Feuerwehr-Prämie für alle?

Die Stadt Radeberg zahlt seit Monatsbeginn eine monatliche Entschädigung. Und könnte damit ein Türöffner sein.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Bautzen / Radeberg. Manchmal ist der Rahmen für geschichtsträchtige Entscheidungen ja eher schlicht. In diesem Fall versteckte sich das Ganze auf einer unspektakulären Stadtrats-Tagesordnung. Im Punkt: Änderungssatzung zur Entschädigungssatzung der Freiwilligen Feuerwehr. Und damit sorgte die Stadt für einen echten Paukenschlag. Denn allerorten beklagen Feuerwehren zum Beispiel massiven Nachwuchsmangel. Und während die Politik regelmäßig über eine notwendige bessere Unterstützung der freiwilligen Feuerwehrleute und ihren harten Job redet – vor den zurückliegenden Landtagswahlen war zum Beispiel mal wieder Feuerwehrrente in Sachsen im Gespräch –, hat es Radeberg nun einfach mal gemacht.

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Eine Entschädigung von 30 Euro pro Monat zahlt die Stadt nun an jeden Aktiven der freiwilligen Wehren. Runde 70 000 Euro lässt sich die Bierstadt das kosten. „Und damit haben wir heute Feuerwehrgeschichte geschrieben“, kam der Radeberger Feuerwehrchef Frank Höhme ins Schwärmen. Denn Radeberg ist die erste Stadt in Sachsen, ja sogar in Deutschland, die diesen Schritt geht.

Bautzen verteilt Ehrenamtskarte

Dass es wichtig ist, die Ehrenamtlichen in den freiwilligen Wehren besser zu unterstützen, sehen sicher auch all die anderen Gemeinde- oder Stadtverwaltungen so. Aber folgen deshalb nun auch andere Städte dem Radeberger Beispiel? In der Kreisstadt Bautzen ist das noch offen, sagt Stadtsprecher André Wucht. „Das Thema ist ja noch ganz frisch“, sagt er. Verweist allerdings darauf, dass Bautzen auch jetzt schon etwas tue. Mit der sächsischen Ehrenamtskarte nämlich, an der sich die Stadt beteiligt. „Der Freistaat unterstützt damit Ehrenamtliche durch Ermäßigungen in öffentlichen Einrichtungen“, sagt der Stadtsprecher. Rund 500 solcher Karten habe Bautzen bereits verteilt, „und zu den Angeboten zählt unter anderem ein Badgutschein für Bautzen“.

Kamenz will Ehrenamt besser würdigen

In Kamenz wertet man den Radeberger Vorstoß derweil als „ein starkes Signal“, sagt Stadtsprecher Thomas Käppler. Auch in Kamenz sei man schon seit Längerem mit Stadtrat und Feuerwehrverantwortlichen im Gespräch, wie dieses Ehrenamt besser als bisher gewürdigt werden kann. „Dafür gibt es ja viele Möglichkeiten, die Radeberger Variante ist eine davon“, so der Stadtsprecher.

Untätig war aber auch Kamenz bisher nicht. „Wir versuchen, für dieses wichtige Ehrenamt der Feuerwehrleute auch etwas zurückzugeben, durch Veranstaltungen zum Beispiel.“ Aktuell gibt es in der Lessingstadt 190 aktive Feuerwehrleute, „wenn es noch mehr werden, wäre das natürlich gut – auch dafür ist eine Anerkennung natürlich wichtig“, macht der Stadtsprecher deutlich. Die monatliche Entschädigung wird nun jedenfalls mit auf den Diskussionstisch in Kamenz kommen.

Entscheidung hat Potenzial

Dass dabei eine finanzielle Anerkennung nicht der einzige Weg sei, davon ist auch der Bautzener Kreisbrandmeister Manfred Pethran überzeugt. „Aber wenn es sich eine Stadt leisten kann, ist es ein guter Weg dieses besondere Ehrenamt auch besonders anzuerkennen“, unterstreicht er. Und vielleicht sei der Radeberger Beschluss ja ein Ansatz, „dass auch andere Städte über Ideen nachdenken“, hofft er. „In jedem Fall ist es eine Möglichkeit, Motivation zu entwickeln, dass sich mehr Leute in der Feuerwehr engagieren“, sieht der Kreisbrandmeister auch in Sachen Personallage Potenzial in der Entscheidung. Wobei, fügt er an, natürlich auch der Freistaat durch finanzielle Ehrungen für bestimmte erreichte Dienstjahre einiges dazu tue. „Da werden auch eine Menge Mittel investiert“, so der Kreisbrandmeister.

Das streitet auch Radebergs Feuerwehrchef Frank Höhme nicht ab. Dennoch würde er sich mehr Unterstützung seitens des Freistaates wünschen. „Denn Radeberg tut mit dieser Entscheidung etwas, was eigentlich Sache der sächsischen Politik wäre – aber da gibt es ja bisher viel zu viele Wahlversprechen, die letztlich nicht eingehalten werden“, macht er mit Blick auf die vor Jahren mal ins Spiel gebrachte sächsische Feuerwehrrente deutlich.